ESM und EFSF

Möglicher Anleihekauf dementiert

Nicht nur die Europäische Zentralbank kann Staatsanleihen aufkaufen, um Euro-Länder aus der Schusslinie zu bringen - auch die Euro-Rettungsfonds können das. Doch eine womöglich bevorstehende Intervention wird dementiert.
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Der spanische Premierminister Mariano Rajoy (rechts) am Rande des G20-Treffens. Die Zinsen, die Spanien für frische Staatspapiere bezahlen muss, gelten als nicht nachhaltig finanzierbar. Quelle: dpa

Der spanische Premierminister Mariano Rajoy (rechts) am Rande des G20-Treffens. Die Zinsen, die Spanien für frische Staatspapiere bezahlen muss, gelten als nicht nachhaltig finanzierbar.

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Los CabosEs ist ein Werkzeug, auf das die Euro-Rettungsfonds mittlerweile zugreifen können: Der Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten. Der Gedanke dahinter ist, dass nicht die Europäische Zentralbank als unabhängige geldpolitische Institution dafür herhalten muss.

Berichte über konkrete Pläne für einen Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder durch die Rettungsfonds EFSF und ESM hat die Bundesregierung aber zurückgewiesen. „Über konkrete Initiativen diesbezüglich ist in Los Cabos nicht gesprochen worden“, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen am Rande des G20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos. Zugleich wurde darauf verwiesen, dass schon seit längerem sogenannte „Sekundärmarktkäufe“ sowohl über den EFSF als auch der künftigen ESM als eines von mehreren Instrumenten vorgesehen seien. Alle Instrumente seien an Konditionen geknüpft.

Zuvor hatte die britische Zeitung „Guardian“ berichtet, ein entsprechender Vorstoß sei besprochen worden. G20-Teilnehmer erwarteten, dass die Euro-Gruppe in den nächsten Tagen eine entsprechende Ankündigung machen könnte, schreibt das Blatt. Hintergrund seien die hohen Zinskosten für die Euro-Länder Italien und Spanien, die auf diese Weise entlastet werden sollen.

Anleihekäufe auf dem „Sekundärmarkt“ durch den EFSF beziehungsweise ESM müsste ein geheimes Sondergremium des Bundestages billigen und so die Parlamentsrechte wahrnehmen. Grund ist, dass es sich hier um eine vertrauliche Maßnahme handelt, die den Märkten vorab nicht bekannt werden sollte.

Am Sekundärmarkt handeln Investoren untereinander mit Staatsanleihen, die bereits vor einiger Zeit ausgegeben wurden. Mit dem Kauf solcher Schuldtitel durch den EFSF soll bedrängten Euro-Staaten geholfen werden. Kritiker befüchten, dass auf diese Weise Privatinvestoren vom Markt gedrängt würden.

Die Euro-Länder hatten bereits vor einem Jahr beschlossen, dass der EFSF und später der ESM Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder auf dem Sekundärmarkt kaufen kann. Dies war eines von mehreren neuen Instrumenten, mit denen der Rettungsfonds gestärkt wurde. Zum Einsatz kam dieses neue Instrument bisher aber noch nicht.

  • dpa
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10 Kommentare zu "ESM und EFSF: Anleihekauf durch Rettungsfonds dementiert"

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  • der ESM wird schon verteilt obwohl in nicht alle Länder "abgenickt" haben. Er existiert also noch nicht. Spanien und Italien haben ihn noch nicht ratifiziert. Das heißt, ihnen stehen auch keine Mittel daraus zu. Wieder eine Regel die allen am allerwertesten vorbei geht?

  • Man sieht ja schon an Italien, dass der Reformwille brachliegt, wenn man andere Optionen billigen Geldes hat. Auch Sekundarmarktkäufe müßte mit Reform- und Haushaltskonsolidierungsauflagen verbunden werden. Sonst betten sich manche Staaten wieder bequem im Schuldensumpf.

  • Vielleicht muß die EZB ja bald bei deutschen Staatsanleihen eingreifen:

    Hedgefondsmanager rechnen laut einer Umfrage im Rahmen einer Konferenz in Monaco mit einem signifikanten Sell-Off von deutschen Staatsanleihen

  • Meistens setzt man den Politikern mit solchen Artikeln erst den Floh ins Ohr! Siehe Portugal, Irland, die eigentlich keinen Schirm gebraucht hätten. Aber wenn man schon sooo viel Geld für so wenig Zinsen angeboten bekommt, kann man da Nein sagen?

  • Das war ein ergänzender Kommentar zu hanwufu

  • Ach so, was nicht stimmt: Die EZB hat nicht unendlich an Munition. Spätestens wenn die Devisen aufgebraucht sind, ist Schicht im Schacht. Aber meist vorher. Denn wenn das Volk kein Vertrauen in die Währung und politischen Klasse mehr hat, macht es innerhalb weniger Tage die Zettel-Wirtschaft zum Pausenclown. Schau auf die Kapitalflucht der Griechen und den vorangeschrittenen Prozess in Spanier. Die Italiener scheinen auch nicht mehr viel Vertrauen zu haben. Spätestens wenn der Bürger um seine Ersparnisse Angst, ja Panik hat, wars das.

  • Aha, nur leider ist überhaupt die Notwendigkeit von Anleihenkäufe ein Offenbarungseid an sich. Damit hat sich die EZB weit vom Erbe der Bundesbank abgewandt. Und das ist das Signal an den Markt: "Der Euro ist nicht die versprochene DM. Er ist weich und inflationäre Tendenzen sollten die Anleihekäufer als Risiko einrechnen." Stabilität? Sieht anders aus. Dieser Zug ist Jahrzehnte abgefahren. Darüber hinaus zeigt man der Welt, was europäische Verträge wert sind. Nicht mal das Papier auf dem sie stehen...

  • So ein Quatsch. Diese EU-Rettungsfonds sind nicht mehr als ein politisches Signal zum guten Willen. Aber die einzig wirksamen Signale kann nur die EZB senden, weil sie quasi unendlich Munition haben. Die EZB kauft schon seit Ende letzten Jahres italienische Bonds, um den Yield bei 5% zu halten. Woher denken denn die Leute vorher diese enorme Bilanzsummensteigerung bei der EZB kommt.
    Es halt eine Frage des Vertrauen. Der Draghi traut wohl dem Monti bis zur 5% Marke, dass Monti langfristig den italienischen Haushalt und die Wirtschaft auf den richtigen Kurs zu bringen. Es nun die Frage inwiefern Rajoy vertrauenswürdig genug ist, dass er hält was er verspricht. Ich denke schon. Die EZB soweit ich gehört habe schon begonnen mit der Intervention. Der spanische Yield wird schon bald wieder in Richtung 5% gedrückt.
    Ich verstehe auch ncht warum die EZB das nicht klipp und klar ansagt. Liegt wohl an den ganzen Preisstabilitätsromatiker. Das mit der Preisstabilität mag ja schön und gut sein, aber AKTUELL geht es darum, dass die ganze Eurozone nicht absäuft.

    Das mit den steigenden Yields hat außerdem garnichts mit "Spekulanten" zu tun. Es einfach nur eiskalter Liebesentzug bzw. die tendenziell Staatsanleiheninvestoren legen halt sehr viel Wert auf das Prädikate "risikofrei", und wenn das nicht gegeben ist, dann gehen sie an die Seitenlinie, und schwupps ist die Nachfrage weg und die Yields im Steigflug. In solchen Fällen muss eine Zentralbank halt als Liquitätsprovider einspringen, um das Prädikate "risikofrei" glaubhaft zu vermitteln (Und wenn da erstmal ein Bruch drin ist, dann ist der Zug für Jahrzehnte abgefahren) . So eine EZB muss sich dann halt sehr sicher sein, dass es ein tempoäres Phänomen handelt und nicht in irgendeinen Ponzi-Staatshaushalt Geld versenkt (Genau hier ist bspw. Griechenland komplett durchgefallen).

  • Knete sollte in Gold, Silber und CHF angelegt werden. Die schweizer Kantonalbank bietet ein Sparkonto ab 10.000 CHF (rd. 8500 EUR) ohne Kontoführungsgebühr an. Die Schweizer Raiffeisenbank bietet das ab dem ersten Franken an. Ich würde an eurer Stelle euer hart erarbeitetes Geld absichern. Wir haben es alle ehrlich versteuern müssen, nun reicht bald nicht mal das dem Staat. Wenn die Staaten sich versuchen real zu entschulden muss laut Definition Kapital von der Privathand eingesammelt werden. Das wird denen ihr Geld sein, die es im Euro-Raum lassen. Und glaubt mir, der Staat kommt dran.

  • Wenn es dementiert wird, steht es unmittelbar bevor. Das ist vielleicht der Grund, warum Obana die Krisenrunde mit den Europäern abgesagt hat. Kaufen die Schirme halt die wertlosen spanischen Papiere. So verliert der stolze Spanier sein Gesicht nicht und Murksel kann nach außen weiter so tun, als bliebe sie ihrer Linie treu. verarscht werden nur wieder die deutschen Steuerzahler...

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