Essay: USA – die unterschätzte Weltmacht

Essay
USA – die unterschätzte Weltmacht

In Washington tritt der neue amerikanische Präsident Barack Obama heute sein Amt an. Vorausgegangen war ein historischer Wahlsieg und die eindrucksvoll unter Beweis gestellte Vitalität der amerikanischen Demokratie. Das hat die Abgesänge auf die USA ein wenig verstummen lassen. Doch da verschärft sich die Finanzkrise und lässt den Chor erneut lauter anschwellen. Dennoch sollte niemand die Vereinigten Staaten vorzeitig abschreiben.

Amerikas Durchhaltevermögen und seine Reformfähigkeit werden regelmäßig unterschätzt. Es ist nicht zu bestreiten, dass der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bei seinem heutigen Amtsantritt ein schweres Erbe übernimmt. Er steht vor den Herausforderungen einer anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise, eines enormen Haushalts- und Außenhandelsdefizits, zweier Kriege im Irak und Afghanistan und eines weltweiten Imageverlustes der USA als Folge der Art und Weise, in der sein Vorgänger George W. Bush den schon als Begriff umstrittenen "Krieg gegen den Terror" geführt hat.

Die Phase der Hypermacht, an die eine Mehrheit der Amerikaner nie so recht geglaubt hat, scheint schnell in Vergessenheit zu geraten. Der allmähliche Niedergang Amerikas erscheint umso plausibler, als gleichzeitig aufstrebende Staaten wie China und Indien, Russland und Brasilien, aber auch die Europäische Union stetig an wirtschaftlichem und damit auch politischem Einfluss gewinnen und so zumindest potenziell den USA die internationale Führungsposition streitig machen könnten. Neben zweifellos bestehenden Schwächen und großen Herausforderungen verfügen die USA aber zugleich über enorme Stärken. Sie sind die Grundlage dafür, dass das Land noch sehr lange die Führungsrolle ausüben kann, obwohl sich die Welt zunehmend multipolar ausrichtet.

Trotz der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise ist die US-Volkswirtschaft, die mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 14 Billionen Dollar mehr als ein Viertel des Weltsozialprodukts erwirtschaftet, grundsätzlich vital. Sie hat in den vergangenen 25 Jahren mit über drei Prozent ein signifikant höheres Wachstum erwirtschaftet als Europa und Japan, wobei auch das Produktivitätswachstum während der vergangenen zehn Jahre einen vollen Prozentpunkt über dem in Europa lag.

Sie ist anpassungsfähig und innovativer als jede andere Volkswirtschaft. Amerika verfügt über die größten und besten Universitäten und Forschungsinstitute der Welt. Mehr als drei Viertel der vorderen Rangplätze unter den weltweit führenden Forschungseinrichtungen werden regelmäßig von amerikanischen Instituten eingenommen. Das Weltwirtschaftsforum attestiert den USA die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft, die ihre Stärken insbesondere in entscheidenden Zukunftsbereichen wie der Nano- und Biotechnologie besitzt.

Auch bilden die USA unter den großen Volkswirtschaften im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Ingenieure aus. Die USA investieren 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Hochschulausbildung im Vergleich zu 1,2 Prozent in Europa und 1,1 Prozent in Japan. Selbst wenn die aktuelle Rezession für die USA tiefer ausfallen sollte als für Europa und andere, dürften die genannten Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass das Land gestärkt aus der Krise herauskommen wird. Darauf sollten wir uns einstellen.

Die USA verfügen nicht nur über große Rohstoffvorkommen und landwirtschaftlich nutzbare Flächen, sondern sind auch durch die Demografie mittel- und langfristig begünstigt. Dank der Migration und einer hohen Geburtenrate verfügen die Vereinigten Staaten über eine im Vergleich zu den meisten potenziellen Konkurrenten junge Bevölkerung. Bis zum Jahr 2030 dürfte die US-Bevölkerung um 65 Millionen anwachsen, während sie in Europa stagniert. Europa wird dann doppelt so viele Senioren über 65 Jahre wie Kinder unter 15 Jahren haben, dagegen wird in den USA die Zahl der Kinder die der Senioren auch dann übersteigen.

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