Estland und Russland
Leichte Entspannung im Streit um Kriegerdenkmal

Russland und Estland haben im Konflikt um die Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals in Tallinn Bereitschaft zur Wiederannäherung erkennen lassen.

HB MOSKAU. Anhänger der kremltreuen Jugendbewegung Naschi beendeten am Donnerstag in Moskau die mehrtägige Belagerung der estnischen Botschaft. Zuvor hatte Estland erklärt, Botschafterin Marina Kaljurand fahre in den Urlaub. Die Naschi-Anhänger hatten der Botschafterin zufolge den Zugang zu dem Gebäude kontrolliert und in der Nacht vier Fenster mit Steinen eingeworfen.

Die seit einer Woche andauernden russischen Proteste hatten sich an der Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals aus dem Zentrum der estnischen Hauptstadt Tallinn auf einen Friedhof am Stadtrand entzündet. Das Denkmal - die Bronze-Statue eines Soldaten der Roten Armee - wird von Russland als Symbol seiner enorm hohen Zahl von Toten im Kampf gegen Nazi-Deutschland verehrt. Estland hatte zudem mit der Ausgrabung der Gebeine von zwölf Sowjet-Soldaten begonnen, die unter dem Ehrenmal liegen. In Tallin hatte es in der vergangenen Woche bei Ausschreitungen im Zuge des Streits einen Toten und Verletzte gegeben.

Bundespräsident Horst Köhler sowie die Nato hatten sich vor der Ausreise Kaljurands besorgt über die Entwicklung geäußert. Die Nato verurteilte die physische Bedrohung estnischer Diplomaten. Es müsse eine diplomatische Lösung geben. Schon zuvor hatte EU-Ratspräsidentin Angela Merkel dem EU-Mitglied Estland volle Unterstützung für die Sicherheit und Arbeitsfähigkeit der Botschaft zugesichert. Wirtschaftsminister Michael Glos hielt ungeachtet des Konflikts an seinem für Donnerstagabend geplanten Besuch in Tallin fest. Eine Absage könne als falsches Signal gewertet werden, sagte Glos, der sich derzeit auf einer Reise durchs Baltikum befindet. Allerdings wolle er sich aus dem Streit heraushalten.

Russland stellte sich indes auf die Seite der Protestler und forderte, Estland müsse seine Provokationen beenden. Das russische Außenministerium bestellte zudem die Botschafter Deutschlands, der EU und Portugals ein. Dort wurde den Angaben zufolge Verwunderung darüber ausgedrückt, dass es der EU mit Blick auf das Vorgehen Estlands an einer prinzipientreuen Bewertung mangele.

Der Ton in Moskau blieb am Donnerstag auch nach der Ausreise Kaljurands scharf. „Die Botschafterin des faschistischen Landes hat eine der beiden von Naschi angebotenen Möglichkeiten gewählt - eine Entschuldigung oder dem Verlassen des Landes“, erklärte die regierungstreue Jugendorganisation auf ihrer Internet-Seite. Naschi kündigte zudem an, seine Proteste fortzusetzen und sich auf legalem Wege dafür einzusetzen, dass die Botschaft einen neuen Platz bekommt, „der für dieses Land angemessen ist“.

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