Estnische Botschaft in Moskau lahm gelegt
Kriegerdenkmal sorgt für weiteren Streit

Der Streit zwischen Estland und Russland wegen der Demontage des sowjetischen Kriegerdenkmals eskaliert. Der zweitägige Besuch einer Delegation der russischen Staatsduma sorgt für weitere Spannungen. Auch die Proteste gehen weiter. Wegen tagelanger Belagerung stellte Estlands Botschaft in Moskau den Konsulardienst ein.

HB TALLINN/MOSKAU. Der estnische Außenminister Urmas Paet sagte am Dienstag ein Treffen mit einer Delegation der russischen Staatsduma ab. Er warf den Abgeordneten in einer Erklärung vor, Lügen zu verbreiten. Der zweitägige Besuch der russischen Delegation in Tallinn, der am Montag begann, sollte eigentlich zu einem Abbau der Spannungen beitragen. Er solle dazu dienen, den Dialog zwischen Moskau und Tallinn wiederherzustellen, erklärte das Außenministerium noch am Montag. Nach Gesprächen der Delegation mit estnischen Parlamentskollegen am ersten Besuchstag gab es jedoch keine gemeinsame Pressekonferenz. Das ranghohe russische Delegationsmitglied Nikolai Kowaljow forderte die estnische Regierung zum Rücktritt auf. „Die Regierung hat die Krise provoziert und versagte beim Umgang mit den Unruhen, bei denen ein Mensch getötet wurde“, sagte er.

Nach mehrtägigen blutigen Unruhen hat die Regierung Estlands das umstrittene sowjetische Kriegerdenkmal auf einen Militärfriedhof außerhalb des Stadtzentrums von Tallinn verbannt. Die Statue des „Bronzenen Soldaten“ wurde dort am Montag wieder aufgestellt. Sie sei ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Um neuen Unruhen vorzubeugen, verbot die Polizei in der Umgebung der Hauptstadt am Dienstag zunächst bis zum 11. Mai alle öffentlichen Versammlungen. Ein am Samstag erlassenes Verkaufsverbot für Alkohol im Hauptstadtbezirk Harju wurde bis zum 9. Mai verlängert. Die Behörden befürchten an diesem Tag neue Ausschreitungen. Die russische Bevölkerung in Estland feiert am 9. Mai traditionell den Sieg der Roten Armee über das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1945.

Bei den Unruhen der vergangenen Tage wurden laut Polizei über 1 100 Personen vorübergehend festgenommen. Ein Mensch kam bei den Tumulten ums Leben, fast 160 weitere wurden verletzt. Es waren die schwersten Unruhen in Estland seit der Unabhängigkeit der Baltenrepublik von der Sowjetunion 1991. Das umstrittene zwei Meter hohe Denkmal war 1947 zu Ehren der sowjetischen Streitkräfte nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland errichtet worden. Viele Esten sehen darin aber eine Erinnerung an die fünf Jahrzehnte währende sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der beiden Nachbarstaaten Lettland und Litauen. Knapp ein Drittel der 1,3 Millionen Esten sind russischer Herkunft. Viele fühlen sich von der estnischen Mehrheit diskriminiert.

In Moskau hat mittlerweile Estlands Botschaft den Konsulardienst eingestellt. Russische Jugendorganisationen belagern weiterhin die Botschaft und protestierten gegen die Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals aus dem Stadtzentrum von Tallinn auf einen Soldatenfriedhof. „Die Situation ist genau so wie in den vergangenen sechs Tagen“, sagte die Sprecherin des estnischen Außenministeriums, Mariann Sudakov, in Tallinn. „Deshalb hat die Botschaft an diesem Morgen ihren Konsulardienst eingestellt.“ Das Außenministerium in Tallinn verurteilte erneut die Belagerung seiner Botschaft in Moskau.

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