EU
Ab 2020 gibt es auch für Kleinlastwagen CO2-Grenzwerte

Bei dem Wort Grenzwerte fährt so manchen Autobauer ein Schauder über den Rücken. Denn die EU hat klare Regeln erlassen, wie viel Kohlendioxid ein Fahrzeug ausstoßen darf. Solche Werte soll es ab 2020 auch für Kleinlastwagen geben. Eine schwere Niederlage für die Industrie.
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BRÜSSEL. Die Hersteller von Kleinlastwagen müssen den Ausstoß von Kohlendioxid bei ihren Fahrzeugen um rund ein Viertel reduzieren. Darauf haben sich EU-Kommission, Europaparlament und die 27 Mitgliedstaaten geeinigt. Spätestens 2020 dürfen Nutzfahrzeuge bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen nur noch 147 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Gestern stimmten die europäischen Umweltminister der Regelung zu. Damit kommt der Gesetzgeber der Autobranche entgegen, ohne ambitionierte Umweltziele aufzugeben. „Die klaren Vorgaben tragen zum Klimaschutz bei und schaffen Anreize für neue Technologien“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen in Brüssel.

Die Autobauer sehen das anders. „Das Ergebnis ist nicht leicht zu akzeptieren“, heißt es beim Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Der Kompromiss gehe über das unter Kostengesichtspunkten zu vertretende Maß hinaus. Der VDA beruft sich auf eine Studie der RWTH Aachen und des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Sie belege, dass jedes Langfristziel, das weniger als 150g/km in 2020 fordert, überproportional hohe Kosten verursacht und daher ökonomisch schädlich sei. Es bestehe die Gefahr, dass Kunden und Transporteure auf kleinere Fahrzeuge ausweichen und am Ende dadurch mehr CO2 ausgestoßen wird.

95 Euro Strafe für jedes Gramm

Derzeit geben Kleinlaster im Schnitt rund 200 Gramm CO2 pro Kilometer ab. Um das Reduktionsziel hatte es in den vergangenen Monaten enormen Streit gegeben. Ursprünglich hatte die EU-Kommission die Emissionen bei 135 Gramm deckeln wollen. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatte 140 Gramm vorgeschlagen. Die Mitgliedsländer wollten 155 Gramm. Die Autobauer hielten 160 Gramm für das Maximum.

Vor allem Deutschland, Frankreich und Italien, die Länder also mit einer starken Autolobby, hatten allzu scharfe Grenzwerte nicht akzeptieren wollen.

Von den rund 2,4 Millionen LKW auf deutschen Straßen sind fast 80 Prozent Kleinlaster. Jährlich werden rund 200000 neue leichte Nutzfahrzeuge verkauft. Vor allem Handwerker, Transporteure und Kleinunternehmer nutzen kleine Nutzfahrzeuge. Der Anteil von Kleinlastern an den europäischen Gesamtemissionen liegt bei rund zwölf Prozent. Die EU hat sich vorgenommen, bis 2020 den Treibhausgas-Ausstoß um ein Fünftel zu senken. Grenzwerte gibt es bis dato nur für Personenwagen.

Beim mittelfristigen Reduktionsziel einigten sich EU-Staaten und -Parlament auf 175 Gramm/km. Sie gilt es schrittweise ab 2014 bis 2017 zu erreichen. Die Kommission hatte als Termin 2016 vorgeschlagen. Die Strafe bei Überschreiten der Grenzwerte wird bei 95 Euro für jedes zu viel ausgestoßene Gramm liegen. Die neue Verordnung sieht auch Anreize für Fahrzeuge vor, die besonders wenig CO2 emittieren, wie beispielsweise Elektrofahrzeuge.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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