EU-Abstimmung
Deutschland blockiert schärfere Abgasnormen

Die Bundesregierung setzt sich weiterhin durch die deutschen Autohersteller ein und verhindert ein europaweites Abgasabkommen. Doch Deutschland ist nicht die einzige Nation, die zögert.
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BrüsselDie Einführung schärferer Abgasnormen für Autos lässt in der EU wegen der anhaltenden Blockade Deutschlands auf sich warten. Die Botschafter der EU-Mitgliedsländer verschoben eine Entscheidung, ob ein bereits ausgehandelter Kompromiss in Kraft treten soll, wie die litauische Ratspräsidentschaft am Freitagnachmittag mitteilte. Nun soll das Thema bei der Ratssitzung der EU-Umweltminister am 14. Oktober auf dem Tisch liegen. Die amtierende deutsche Bundesregierung will Erleichterungen für die deutschen Oberklasse-Hersteller Daimler, BMW und Audi durchsetzen und hatte schon im Juni eine Einigung blockiert.

Die Diskussionen der Botschafter hätten gezeigt, dass es keine qualifizierte Mehrheit für den Kompromiss gebe, erklärte eine Vertreterin Litauens. Nach Angaben eines mit den Verhandlungen Vertrauten haben sich neben Deutschland auch die Vertreter Polens, Ungarns, Tschechiens, der Slowakei und Großbritanniens dafür ausgesprochen, mehr Zeit für Verhandlungen zu erhalten.

Die Berliner Regierung hatte nach Angaben aus Regierungskreisen zuletzt ins Gespräch gebracht, die Einführung schärferer CO2-Grenzwerte ab 2020 über vier Jahre zu strecken und schrittweise zu vollziehen. Demgegenüber sieht der zwischen den EU-Institutionen ausgehandelte Kompromiss vor, den CO2-Grenzwert für neue Pkw von 2015 bis 2020 von 130 Gramm je Kilometer auf 95 Gramm zu senken. Die Hersteller sollten dabei klimaschonende Elektroautos und Hybridfahrzeuge mehrfach anrechnen können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist die deutsche Technik mittlerweile so gnadenlos veraltet? Nicht nur, dass die Deutschen keine sparsamen PKW bauen können, offensichtlich fehlt es auch an know how zum Energiesparen.
    Können wir es uns leisten, dass uns das erst wieder die Chinesen vormachen?
    Die Einbeziehung es Fahrzeuggewichtes ist hirnrissig. Was zäht ist doch einfach nur der Verbrauch. Und da scheint mir Druck auf die Hersteller - insbesondere die Deutschen - sehr angebracht.

  • völlig zu recht. Dabei geht es nicht nur um Oberklassemodelle von Daimler, BMW und Audi. Mitnichten. Die Zielstellung 95g/km CO2 würde auch in erheblichen Umfang die Mittel- und Kompaktklasse betreffen. Somit also das Rückrat nicht nur der deutschen, sondern gesamten europäischen Automobilindustrie. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sich bei Dieselfahrzeugen sich der Aufwand zur Abgas- und Partikelreduktion inzwischen einer auch entwicklungstechnisch nicht mehr zu vertretenden Kostengrenze nähert. Und bei Benzinern sind die gewünschten Grenzwerte wenn, dann nur noch mit Hybridfahrzeugen zu erreichen (s. die immer noch sehr geringe Anzahl der nach EU6 eingestuften und verfügbaren Benziner). Da hilft in den nächsten Jahren auch eine Mehrfachanrechnung nicht wirklich. Denn Hybridfahrzeuge sind erstmal teurer und müssen in Europa in breiter Masse absetzbar sein, d.h. von der breiten Masse auch gekauft werden können. Während dessen der Wunsch einer weiten Verbreitung von E-Fahrzeugen wegen der begrenzten Reichweite, einer weitestgehend fehlenden Infrastruktur sowie extrem hoher Anschaffungskosten noch Jahre dauern dürfte und daher nur als Ausdruck illusionärer Phantastereien gewertet werden muss. Vielmehr sollte man die Brennstoffzelle mit entsprechender Infrastruktur als Primat einer perspektivischen alternativen Mobilität einbeziehen und nachhaltig fördern.
    Mit ihren zur Zeit einseitigen Vorstellungen zur (fälschlicherweise auch nur bezogen und reduziert auf den CO2-Wert, Partikelausstoß dabei aber ignorierend)riskiert die EU die internationale Wettbewerbsfähigkeit und den massiven Abbau von Industriearbeitsplätzen in Europa.

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