EU-Beitritt
Island will schnell mit Brüssel verhandeln

So rasch wie kein Land zuvor will Island mit der Europäischen Union über seinen EU-Beitritt verhandeln. Innerhalb von nur einem Jahr sollen Gespräche zu allen Themenbereichen beginnen - doch nicht alle sind unumstritten.
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BrüsselDer isländische Außenminister Össur Skarphédinsson sagte nach dem offiziellen Beginn der Verhandlungen in Brüssel, seine Regierung sei bereit, innerhalb der kommenden zwölf Monate Verhandlungen über sämtliche 35 Themenbereiche zu beginnen. Wie schnell die Insel im Nordatlantik EU-Mitglied werde, hänge vor allem vom Ergebnis der Verhandlungen über die Fischerei ab.

Bei den ersten substanziellen Verhandlungen seit dem Beitrittsantrag vom Juli 2009 wurden Gespräche in vier Themenbereichen („Kapiteln“) begonnen und in zweien davon bereits innerhalb weniger Minuten beendet: In den Bereichen Wissenschaft und Forschung sowie Erziehung und Kultur gebe es keinen Verhandlungsbedarf, sagte Erweiterungskommissar Stefan Füle. Zunächst wird daher lediglich über die Themen Öffentliche Auftragsvergabe und Medien verhandelt.

Es werde „keine Abkürzung“ bei den Verhandlungen geben, sagte Füle. Island sei jedoch schon seit langer Zeit als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraumes und der Schengen-Zone eng mit der EU verbunden. „In einer Reihe von Bereichen hat Island bereits ein hohes Maß an Übereinstimmung mit der Gesetzgebung der EU erreicht.“ Lediglich ein Drittel der 35 Themenbereiche müsse intensiver besprochen werden - am schwierigsten seien die „Kapitel“ Fischerei und Landwirtschaft.

Island hatte den EU-Beitritt nach dem Zusammenbruch mehrerer heimischer Banken beantragt. Die Frage der Entschädigung ausländischer Anleger vor allem aus Großbritannien und den Niederlanden ist nach wie vor umstritten. Skarphédinsson sagte, ein Beitritt Islands in zwei Jahren sei auch bei raschen Verhandlungsfortschritten nicht möglich. „Wir brauchen eine Volksabstimmung. Und derzeit gibt es in der Bevölkerung keine Mehrheit für den EU-Beitritt. Die Menschen wollen vorher sehen, welche Folgen der EU-Beitritt für die Fischerei haben würde.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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