EU-Beitritt
Serbien soll sich erst mit dem Kosovo vertragen

In der vergangenen Woche haben serbische Demonstranten Soldaten einer KFOR-Truppe verletzt. Daraufhin befand Angela Merkel den Staat als unreif für einen EU-Beitritt. Beim EU-Gipfel hat das Land nun schlechte Karten.
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BrüsselDie Staats- und Regierungschefs der EU lehnen es laut dem Entwurf der Gipfel-Abschlusserklärung ab, Serbien schon jetzt den Status als Beitrittskandidat zuzubilligen.

Die zuständigen Minister sollen prüfen, ob Serbien die nötigen Anstrengungen zu einer „Normalisierung seiner Beziehungen zum Kosovo“ unternimmt, wie es in dem am Donnerstagabend beim EU-Gipfel in Brüssel veröffentlichten Entwurf heißt. Dies solle mit der Perspektive geschehen, Serbien im März 2012 den Status als Beitrittskandidat zuzusprechen.

Der anhaltende Grenzkonflikt zwischen Serbien und seiner einstigen Provinz Kosovo hatte die Aussichten Belgrads auf eine Annäherung an die EU in den vergangenen Monaten verschlechtert. Ursprünglich war erwartet worden, dass Serbien auf dem EU-Gipfel den Status eines Beitrittskandidaten erhalten würde. Frankreich und Italien waren dafür, Deutschland sprach sich dagegen aus.

Um der entsprechenden Empfehlung der EU-Kommission zu folgen, bedarf es einer einstimmigen Entscheidung. Anfang vergangener Woche hatten serbische Demonstranten in der Grenzregion Soldaten der NATO-geführten Kosovotruppe KFOR mit Steinen, Flaschen und Sprengkörpern attackiert, als diese eine Straßensperre räumten. Dabei wurden mehrere Dutzend Soldaten verletzt, die Mehrzahl von ihnen deutsche.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte daraufhin erklärt, Serbien sei derzeit nicht reif dafür, von der EU als Beitrittskandidat anerkannt zu werden. Die Gewalt gegen NATO-Soldaten im Norden des Kosovo sei „nicht akzeptabel“.

Die EU-Kommission hatte im Oktober als Belohnung für Reformen und die Festnahme mutmaßlicher Kriegsverbrecher Serbien als Kandidaten für die Aufnahme in die Gemeinschaft empfohlen. Darum hatte sich Serbien bereits 2009 beworben. Allerdings erkennt Serbien nicht an, dass sich Kosovo 2008 für unabhängig erklärt hat. Zudem kam es in jüngster Vergangenheit an der Grenze immer wieder zu Spannungen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EU-Beitritt: Serbien soll sich erst mit dem Kosovo vertragen"

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  • Wenn alle Dinge, die im Kosovo abgelaufen sind, ans Tageslicht kommen, werden alle sehr verwundert sein!
    Die ZDF Doku, "Es begann mit einer Lüge", ist nur der Gipfel des Eisberges! Ich kann mich als Einwohner eines Natolandes nur bei den Serben entschuldigen, für den ganzen Mist der da abgelaufen ist.

  • Serben wollen nicht in einem Albanisch regiertem Kosovo leben. Sonst könnten sie gleich nach Albanien umziehen. 2008 haben wir gesehen dass die Serben so, keine Zukunft haben. Das was die Serben seit Juli im Kosovo abziehen ist nichts anderes als das was die Albaner 1998 begonnen haben. Was gibt es da zu verurteilen? Die EU hat solche Aktionen mit der Anerkennung der Unabhängigkeit belohnt!

  • Es ist ungerecht Serbien für Vorgänge im Kosovo verantwortlich zu machen.

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