EU berät über Sanktionen Russland will Krim bald aufnehmen

Nach dem international kritisierten Referendum leiten Moskau und die Krim Schritte zum schnellen Beitritt der Halbinsel zu Russland ein. Der Westen sieht das Völkerrecht gebrochen und droht mit Sanktionen.
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Eine Mann hebt den Daumen hoch auf dem Lenin-Platz in Simferopol, Ukraine. Am Sonntag haben mehr als 1,8 Millionen Krim-Bewohner in einem Referendum über den Anschluss an Russland abgestimmt. Die Menschen auf der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim haben nach Angaben der Regionalregierung bei dem Referendum für einen Beitritt zu Russland gestimmt. 93 Prozent seien für den Russland-Beitritt, teilte die moskautreue Krimführung nach Schließung der Wahllokale auf Grundlage von Wählerbefragungen mit. Quelle: dpa

Eine Mann hebt den Daumen hoch auf dem Lenin-Platz in Simferopol, Ukraine. Am Sonntag haben mehr als 1,8 Millionen Krim-Bewohner in einem Referendum über den Anschluss an Russland abgestimmt. Die Menschen auf der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim haben nach Angaben der Regionalregierung bei dem Referendum für einen Beitritt zu Russland gestimmt. 93 Prozent seien für den Russland-Beitritt, teilte die moskautreue Krimführung nach Schließung der Wahllokale auf Grundlage von Wählerbefragungen mit.

(Foto: dpa)

Moskau/Brüssel/SimferopolNach dem umstrittenen Referendum auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim über eine Abspaltung von der Ukraine will Russland die Republik rasch in die Föderation aufnehmen. Die Staatsduma in Moskau schaffe dafür jetzt die rechtlichen Voraussetzungen, sagte Vizeparlamentschef Sergej Newerow am Montag der Agentur Interfax. „Die Menschen haben für die Wiedervereinigung mit einem Volk gestimmt, mit dem sie immer gelebt haben“, sagte er.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bezeichnete das Referendum als ungesetzlich und rief Russland zum Dialog mit der Ukraine auf. „Es ist gemäß der ukrainischen Verfassung und gemäß internationalem Recht illegal“, sagte Ashton unmittelbar vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Die Minister wollen über Sanktionen gegen Russland beraten. Geplant sind Einreiseverbote und Kontensperrungen. Ashton sagte, die EU wolle „das stärkstmögliche Signal“ an Moskau senden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die sofortige Entsendung einer Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in die Ukraine. Diese solle mit Schwerpunkt Ost- und Südukraine tätig werden, „um genau zu beobachten, ob Russland jenseits der Krim weiterhin aktiv ist und die Ukraine destabilisiert“. Es sei wichtig, „eine weitere Eskalation, die zur Spaltung Europas führen könnte“, zu verhindern.

„Wir sind zu Hause“
Krise auf der Krim - Referendum
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Freudetrunken feiert die Krim den möglichen Beitritt zu Russland. Im Russland-Taumel schwenken die Männer überschwänglich ihre Fahnen, während sie tiefe Schlucke aus mitgebrachten Bierflaschen nehmen. Ausgelassen jubeln die Menschen in Simferopol russischen Popstars zu, die auf einer Bühne singen. „Russland, Russland“, schreit die Menge von wohl mehr als 10.000 Menschen.

Krise auf der Krim - Referendum
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„Die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ hatte der russische Präsident Wladimir Putin den Zusammenbruch der Sowjetunion genannt. Einige Krim-Bewohner scheinen das ähnlich zu sehen – vereinzelte Sowjet-Flaggen mischen sich in das Fahnenmeer.

Crisis in Ukraine - 93 per cent of Crimeans back joining Russia
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Hupend fahren zahlreiche Autos durch die Stadt. Blechern tönt die russische Nationalhymne aus den Fahrzeugen. 93 Prozent der Krim-Bewohner sollen für den Beitritt zur Russischen Föderation gestimmt haben - dass das Referendum international kritisiert und nicht anerkannt wird, ficht niemanden an.

huGO-BildID: 35958421 A Crimean man makes the victory sign as he celebrates in Simferopol's Lenin Square on March 16, 2014 after exit polls show
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„Domoi w Rossiju“ - nach Hause nach Russland, lautet der Slogan der moskautreuen Führung der Halbinsel. Weit mehr als die Hälfte der Einwohner sind ethnische Russen, auch deshalb hat der selbst ernannte Regierungschef Sergej Aksjonow von Beginn an mit einer überwältigenden Mehrheit für den Beitritt gerechnet.

Crimean referendum on joining Russia begins
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Fahnen in allen Größen und Ausführungen, Luftballons und Banner: Das Material für die pro-russische Jubelfeier ist gut vorbereitet worden.

huGO-BildID: 35957377 Referendum officials empty ballot boxes to begin counting votes at a polling station in Simferopol, Ukraine, Sunday, March 16,
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Die Bewohner der Halbinsel am Schwarzen Meer hätten mit mehr als 95 Prozent für den Anschluss gestimmt, teilte der Chef der Wahlkommission, Michail Malischew, nach der Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen am Sonntagabend mit. Die Beteiligung lag demnach bei rund 75 Prozent.

Krise auf der Krim - Referendum
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Auf der Hafenpromenade posiert ein Mann stolz mit der weiß-blau-roten Flagge, im Hintergrund blockiert ein russisches Kriegsschiff die Fahrrinne, damit die ukrainischen Boote nicht auslaufen können. Die Krim-Führung will die Flotte beschlagnahmen.

Nach dem Volksentscheid über eine Abspaltung von der Ukraine rief die Schwarzmeerhalbinsel offiziell ihre Unabhängigkeit aus. Im Parlament der Krim-Hauptstadt Simferopol stimmten 85 Abgeordnete für die Eigenständigkeit der Autonomen Republik als Staat. Die moskautreue Krim-Führung verabschiedete zugleich einen Antrag auf Aufnahme in die Russische Föderation sowie die Anpassung der Uhrzeit an die Moskauer Zeitzone. Dazu werden am 30. März die Zeiger auf der Halbinsel um zwei Stunden vorgestellt.

Eine Delegation der Krim wollte noch am Montag zu einer Sondierungsreise nach Moskau fliegen. Dabei sollte auch über einen Zeitplan zur Einführung der russischen Währung Rubel verhandelt werden. Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin sprach sich für eine schnelle Aufnahme der Halbinsel aus. „Die Hoffnungen der Krim-Bevölkerung sollten nicht enttäuscht werden“, sagte Rogosin.

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4 Kommentare zu "EU berät über Sanktionen: Russland will Krim bald aufnehmen"

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  • Jetzt darf die EU zeigen, was sie drauf hat!

    Es kommt mir vor, wie der Hühnerhaufen auf der Mist. Viel gegagger, viel scharren. Und dabei suchen sie alle nur den dicksten Wurm für den eigenen Kropf.

    Das sind doch keine Politiker, das ist ein Hühnerhaufen.

  • http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2014/03/17/venetien-stimmt-ueber-abspaltung-italiens-ab.html#.UybxKZWPK6I

  • Eine Russin der Krim hat es für mich genau auf den Punkt gebracht: 1954 hat der Ukrainer Chrutschow unter vermuteten Aklkoholeinfluss die Krim der Ukraine gegen den Willen der Bewohner zugeschlagen. Nun wird das eben korregiert.Punkt! Als das Elsass nach dem Krieg abgestimmt hatte, zu Frankreich zu gehören war das dann auch Völkerwidrig genau wie alle Landverschiebungen ohne Abstimmung der Vertriebenen und Bürger. Die EU hat ihre Berechtigung verloren Reisefreiheit und ständiger Frieden sind Lügen. Um Frieden zu schaffen und zu erhalten brauchte es andere Politiker in der EU.

  • Zitat : Russland will Krim bald aufnehmen

    - Ende der Woche ist es soweit !

    Zitat : Es ist gemäß der ukrainischen Verfassung und gemäß internationalem Recht illegal

    - es gibt keine "Legale" ukrainische Verfassung mehr !

    Im internationalen Recht ist das Selbsbestimmungsrecht der Völker fest verankert !

    Ashton ist eine notorische EU Lügnerin, die sich an Volksbefragungen erst gewöhnen muß.

    Am Ende der Woche gibt es Dank einer Volksbefragung eine Neue Republik in Europa : "FREIE REPUBLIK Von VENETIEN" !

    Wir wollen mal sehen, ob die EUtopia diese anerkennt oder nicht ?

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