EU
Das neue Europa-Gefühl

Hoffnungsträger Macron wird Präsident – und Frankreich bleibt Motor der EU. Großbritannien kehrt der Union den Rücken. Im Osten schimpft man auf Brüssel. Ein europäisches Stimmungsbild unserer Korrespondenten.
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Rom, Paris, London, Madrid, Wien, Stockholm, IstanbulEin stärkeres Symbol für Europa konnte es gar nicht geben: Der frischgewählte Präsident Emmanuel Macron betrat den Louvrehof zu Klängen der Europahymne „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven. Er zelebrierte Europa, das bei dieser Wahl im Mittelpunkt stand wie nie zuvor. Die Wahl für Macron mit über 66 Prozent der Stimmen gegen die Europa-Gegnerin Marine Le Pen war ein klares Votum der Franzosen auch für Europa und den Euro.

Dabei hat Frankreich eher eine etwas bewegte Vergangenheit, was Europa angeht. Die Anti-Europa-Haltung hat eine lange Tradition. Schon unter Präsident Jacques Chirac hatte 2005 ein Referendum zu einer Europa-Verfassung stattgefunden. In Frankreich hätte ein Parlamentsbeschluss genügt, doch Chirac entschied sich für ein Referendum, um dem Volk Mitspracherecht zu geben. Die Umfragen, die vorausgesehen hatten, dass die Franzosen zustimmen würden, täuschten sich. Die Franzosen lehnten den Vertrag ab, 55,7  Prozent stimmten gegen die Annahme.

Die anti-europäische Haltung zog sich durch die verschiedensten politischen Parteien, auch der Sozialist und ehemalige Premierminister Laurent Fabius äußerte sich gegen den Vertragsentwurf, den er als zu wirtschaftsliberal einschätzte. Auch bei den Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr gab es nicht nur von Marine Le Pen Kritik an der EU, auch Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon wollte sich mehr auf Frankreich besinnen.

Häufiger zeigten auch Umfragen, dass die Mehrheit der Franzosen eine negative Meinung von der EU hat. Das bedeutet allerdings nur, dass sie unzufrieden sind, aber nicht unbedingt Europa und den Euro verlassen wollen. Europa ist als Thema in Frankreich aber nicht sehr präsent, die Franzosen sind viel zu sehr mit ihren hausgemachten Wirtschaftsproblemen beschäftigt. Die ständige Ermahnung durch Brüssel zur Sparpolitik verärgerte zudem manch einen Franzosen. Man fühlte sich gegängelt.

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