EU fällt zurück
Verheugen warnt Wirtschaft vor Kürzung der Forschungsausgaben

Europa fällt bei Forschung und Innovation weiter hinter Japan und die USA zurück. Vor allem die Forschungsausgaben der Wirtschaft seien zu niedrig, heißt es in einem Innovationsbericht, den die EU-Kommission vorlegt hat. Der „Hauptgrund“ für den Rückstand seien dabei die niedrigen Forschungsausgaben der Unternehmen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnt deshalb vor weiteren Einsparungen.

BRÜSSEL. Damit sich der Rückstand der EU auf Japan und die USA nicht noch weiter vergrößert, fordert Verheugen die Unternehmen auf, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung trotz Wirtschaftskrise nicht zu kürzen. Zudem sollten die Firmen keine hoch qualifizierten Arbeitnehmer entlassen.

„Die europäischen Firmen investieren entschieden zu wenig in Informationstechnik“, kritisierte Verheugen. Außerdem neigten vor allem kleine und mittlere Unternehmen dazu, die Mittel für Ausbildung, Fortbildung und Marketing zu kürzen. „In Zeiten der Krise sollten wir keine Pause bei Forschungsinvestitionen machen“, sagte Verheugen. „Sie sind vital, wenn Europa gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgehen soll“, fügte er hinzu. Auch zur Bewältigung des Klimawandels und der Globalisierung würden Innovationen dringend gebraucht.

Nach Angaben der Kommission sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in allen 27 EU-Ländern in den Jahren 2000 bis 2006 zwar gestiegen. Der Anstieg war jedoch nicht höher als das Wirtschaftswachstum, so dass die Forschungsintensität stagnierte. Der Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) verharrte bei 1,84 Prozent, 2007 sank er leicht auf 1,83 Prozent. Damit bleiben die 27 EU-Staaten weit hinter ihrem selbst gesteckten Ziel zurück, die Ausgaben auf drei Prozent des BIP anzuheben. Zudem liegen sie deutlich hinter Japan (3,39 Prozent).

Der „Hauptgrund“ für den Rückstand seien die niedrigen Forschungsausgaben der Unternehmen, heißt es in dem EU-Bericht. Während sie Japan, China und den USA „beträchtlich“ zugelegt hätten, seien sie in Europa zurückgegangen. Dies wiederum sei darauf zurückzuführen, dass die forschungsintensiven Betriebe kleiner sind. Die EU-Kommission spricht sich dafür aus, die Entwicklung von High-Tech-Unternehmen zu fördern. Außerdem brauche die EU innovationsfreundliche Märkte und ein besseres Patentrecht.

Verheugen betonte, dass die EU bereits einige Fortschritte gemacht habe. So seien Schweden und Finnland „Weltmeister“ bei Forschung und Innovation. Auch die übrigen EU-Länder hätten eine „Aufholjagd“ gestartet; die Kluft zwischen innovativen und weniger innovativen Länder nehme ab. Forschungskommissar Janez Potocnic sprach ebenfalls von Erfolgen. Die EU ziehe mehr US-Investitionen in Forschung und Entwicklung an als China, sagte er. Außerdem liege Europa bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen weltweit vorn.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor Panikmache. Es sei richtig, dass die Schwellenländer im Forschungsbereich aufholten und Europas Industrie dies auch spüre, sagte BDI-Forschungsexperte Christoph Schlüter. „Das muss man im Auge behalten, aber es darf keine Ängste auslösen.“ Denn da das Ausgangsniveau niedriger sei, sei auch das rasche Wachstum ein natürlicher Prozess. „Die Botschaft ist richtig, dass wir gerade in Krisenzeiten zulegen müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden“, so Schlüter. Die deutsche Wirtschaft habe jedoch ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Forschungsausgaben von 53,5 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf für 2009 geplante 59,8 Milliarden Euro gesteigert.

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