EU
Fischer dürfen wieder mehr Kabeljau fangen

Nordsee-Fischer dürfen im kommenden Jahr fast ein Drittel mehr Kabeljau fangen. Nach Verhandlungen mit Norwegen einigten sich die EU-Agrarminister am Freitag in Brüssel, die Quote für den beliebten Speisefisch in der Nordsee um 30 Prozent zu erhöhen.

dpa BRÜSSEL. Gleichzeitig müssen die Fischer aber erstmals Maßnahmen ergreifen, um die sogenannten Rückwürfe zu verringern. Agrar- Staatssekretär Gert Lindemann sprach von einem "Paradigmenwechsel". Experten zufolge wird im Schnitt für jeden verkauften Kabeljau einer über Bord geworfen, der Fischern anderer Arten als unerwünschter "Beifang" ins Netz geht. Nach jahrzehntelanger Überfischung ist der Fisch in seinem Bestand und in einigen Gebieten sogar vom Aussterben bedroht. Die EU und Norwegen bewirtschaften den Bestand gemeinsam.

Die Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) sprach von einem "riskanten Spiel". "Der Kabeljau erholt sich gerade von einem historischen Tiefstand, da wäre mehr Vorsicht geboten", sagte WWF-Expertin Karoline Schacht. Für andere Gewässer, unter anderem westlich von Schottland, legten die Minister eine Schonung der Bestände fest. Insgesamt ergibt sich deshalb unter dem Strich für die deutschen Fischer ein Plus von knapp elf Prozent.

Gleichzeitig darf die deutsche Flotte mehr als ein Drittel mehr Makrelen fangen, etwa zehn Prozent mehr Schollen und etwa acht Prozent mehr Seezungen. Gekürzt wurden die Quoten unter anderem bei Hering mit einem Minus von gut elf Prozent, Blauem Wittling (-58) und Seelachs (-9). Die Quoten für die Ostsee, unter anderem für den Dorsch, hatten die Minister bereits im Oktober festgelegt.

Der amtierende Ratsvorsitzende, Frankreichs Agrarminister Michel Barnier, sprach von einem "schwierigen Gleichgewicht", das gefunden worden sei. "Einerseits brauchen wir eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung der empfindlichen Bestände. Andererseits geht es auch um die Tätigkeit der Fischer, die bewahrt werden muss."

Nach Angaben der EU-Kommission sind in Europa 88 Prozent der Bestände überfischt. Weltweit sind es 25 Prozent. Bei der jährlichen, stets heftig umstrittenen Festlegung ihrer Quoten für das folgende Jahr halten sich die 27 EU-Minister üblicherweise bei weitem nicht an die Empfehlungen von Wissenschaft, Umweltschützern und EU-Kommission.

Eines der Probleme sind die Rückwürfe. Die meisten Tiere, darunter auch Wasservögel, Schildkröten oder Delphin, überleben die Prozedur nicht. In dem Abkommen mit Norwegen verpflichtete die EU die Industrie jetzt erstmals auf Maßnahmen dagegen. So dürfen Fischer künftig nicht mehr über ihre Quote hinaus fischen, dann nur "die Besten" anlanden oder verarbeiten und den Rest über Bord werfen ("high grading"). "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", erklärte der WWF. Lindemann betonte, Ziel der EU sei auf lange Sicht, dass der gesamte Beifang angelandet und verarbeitet werde. "Wir sind wild entschlossen, das zu tun."

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