EU-Flüchtlingskommissar
Der Unsichtbare

Die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer fällt in die Zuständigkeit des EU-Kommissars Dimitris Avramopoulos. Doch der Grieche bleibt bisher merkwürdig still und ist so gut wie unsichtbar.
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DüsseldorfOffenbar hat er aus seinen Fehlern gelernt. Denn als im Februar 2015 vor der italienischen Insel Lampedusa mal wieder Menschen sterben – dieses Mal 330, dieses Mal kentern die Schlauchboote und die Menschen sterben vor allem an Unterkühlung – spottet das Netz über Dimitris Avramopoulos. Denn der 62-Jährige griechische EU-Innenkommissar hatte bloß getwittert: „Jeder Tote ist ein Toter zu viel.“ Und: „Das Drama geht weiter. Der Kampf gegen die Schmuggler wird unnachgiebig und koordiniert fortgesetzt. Es muss mehr getan werden.“

Nun gibt es die nächste Katastrophe im Mittelmeer. Wieder sind es Flüchtlinge, die ertrinken, dieses Mal sind es mehr. Und dieses Mal reagiert der studierte Jurist, der seit November 2014 Kommissar für Migration, Inneres und Bürgerschaft in der EU ist, mit einem Zehn-Punkte-Plan. Zehn Punkte, um solche Dramen wie die im Mittelmeer möglichst zu verhindern. Seinen Plan wird er auf den Sondergipfel am Donnerstag schicken.

Der Plan sieht vor, mehr Mittel für die Einsätze vor den Küsten Italiens und Griechenlands bereitzustellen. Auch soll das Einsatzgebiet ausgeweitet werden, sagte er. Außerdem sollen Schiffe von Schlepperbanden ausfindig gemacht und zerstört werden.

Trotz des Plans, trotz Statement im Fernsehen, trotz abgesetzter Tweets: Der EU-Kommissar bleibt so gut wie unsichtbar. Das mag auch am Thema liegen. Denn so schwer es ist, Flüchtlinge auf die Agenda der Politik zu setzen, so schwer ist es, sie dort zu halten.

Das musste Avramopoulos in der Vergangenheit erfahren. Denn auch Asylfragen fallen in seinen Bereich. Und auch die sind ein undankbares Thema. Und so wurde der Flüchtlingskommissar bisher überhört – trotz Beteuerungen, man dürfe aus Europa keine Festung machen. Trotz Warnungen, dass die Flüchtlingszahlen noch weiter steigen werden.

Doch dass er so merkwürdig unsichtbar wirkt, mag auch an der Art des Ex-Verteidigungsministers in der griechischen Regierung von Antonis Samaras 2013 liegen. Denn am Ort der Katastrophe wurde Avramopoulos noch nicht gesehen.

Kommentare zu " EU-Flüchtlingskommissar: Der Unsichtbare"

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  • Der Unsichtbare?
    Ein Grieche eben wie er leibt und lebt!

  • Wie fast alle Griechen ... der arbeitet nicht gern, denn Schweiss hassen sie.

  • Was soll der "Grieche" denn auch schon großartiges Vorschlagen....dass die Flüchtlinge in Griechenland willkommen sind, nach dem Griechenland selbst mit dem Leid und der Armut in der eignen Bevölkerung zu kämpfen hat.....Nicht nur in Afrika oder im Mittelmeer geht es um Leben und Tod....auch in der EU-EZB politischen Zwangsgemeinschaft (Gleichmacherei) geht es mittlerweile um Leben und Tod.

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