EU-Gipfel
Brown und Sarkozy stehlen Merkel die Show

Selten hat man einem Regierungschef so die Show gestohlen wie Angela Merkel beim EU-Gipfel. Ob beim Thema Klimaschutz oder Boni-Steuer: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Großbritanniens Premier Gordon Brown agieren, Merkel kann nur reagieren – und tritt auf die Bremse.
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HB BRÜSSEL. Erst, als sich Bundeskanzlerin Angela Merkel um Mitternacht nach einem kurzen Kamingespräch mit Journalisten zurückgezogen hatte, kam kurz etwas Leben auf. Vor dem Hotel Amigo in der Brüsseler Altstadt brauste eine Wagenkolonne vor. Die Tür flog auf, und Nicolas Sarkozy sprang heraus. Eine Traube junger Damen hinter der Absperrung brach in aufgeregten Jubel aus. Der französische Präsident reckte sich ganz angetan und winkte seinen Verehrerinnen stolz zu. Dann eilte er beschwingt auf seinen Plateau-Schuhen ins Hotel. Draußen wurde es wieder still.

Eine bezeichnende Szene. Denn selten wie zuvor hat Sarkozy, im Tandem mit dem britischen Premierminister Gordon Brown, Merkel auf einem EU-Gipfel die Schau gestohlen.

Es begann schon am Donnerstagmorgen, als im "Wall Street Journal" ein Namensbeitrag Sarkozys und Browns erschien, in dem beide für eine europaweite Besteuerung üppiger Banker-Boni werben. Merkel versuchte, den Vorstoß als "charmante Idee" abzutun, sie maß der Steuer allenfalls eine begrenzte pädagogische Wirkung für die Londoner City bei.

Die Spielverderberin

Doch Abgaben für prämienversessene Banker, zumal zugunsten der Steuerzahler, sind derzeit sexy. Und wenn schon die turbokapitalistischen Angelsachsen vorangehen, dann sollte man tunlichst aufspringen, sagte sich zumindest Sarkozy. Und hatte Erfolg: In der Gipfelabschlusserklärung vom Freitagnachmittag werden alle Regierung zu Sofortmaßnahmen nach britischem und französischem Vorbild aufgerufen, um "für vernünftige Entlohnungen im Finanzsektor zu sorgen".

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  • Erstens, die sogenannte "Klima-Hilfe" ist zu 100 % rausgeschmissenes Geld. Es wird in die Taschen korrupter Regime fließen. Aber es ist ja so toll, Geld fremder Leute zu verteilen.

    Zweitens, sind Sarkozy ein Staatsschauspieler und brown ein angezählter Fingernägel kauendes Auslaufmodell. Frau Merkel sollte sich tunlichst zurückhalten mit der bonisteuer. Das Ganze ist Populismus pur und ist verfassungsrechtlich nicht haltbar und ökonomischer Unsinn. Laßt die Franzosen und Engländer ihre Erfahrungen machen; sie werden scheitern. Einer deutschen Kanzlerin kann man im übrigen nicht "die Schau stehlen". Frau Merkel ruht in sich.

  • Die Aufregung über Merkels Verhalten ist mir nicht klar. Erstens muss man eigene Wirtschaft und Finanzen in Ordnung bringen und nur dann über die Hilfen hin und her reden. Es wird so wieso alles ge..für falsche Zwecke angesetzt.

    Es tut mir leid aber weder brown noch Sarkozy kann als wirtschaftliche Vorbild diennen.
    Und was die machen muss gar nicht richtig sein.
    Vor allem die Reichen zahlen so wieso 50% Steuern wenn die die zahlen. Wenn aber nicht, dann neue Steuer wird die noch besser mobilisieren aus dem Land zu gehen.

    Klein Tipp: 100% von 0 EUR sind immer noch 0 EUR.
    Der Prozentsatz kann man aber weiter erhöhen in der Hoffnung dass es sich ein Dumme meldet und zahlt.

    Wenn dieses Land das Geld braucht, dann in Form von EUR und nicht %. Dafür muss aber Wirtschaft wacshen und nicht die Arbeitplätze optimisiert werden.

    Man soll sich eines in Kopf halten. Es gibt viele Lände wo erfolgreiche business landen kann.
    Deutschland ist nicht das einzige Land...

    Firmen vertreiben kann man schnell, zurück zu hollen aber schwer.

  • Die Finanzmarktsteuer ist eine solch wichtige Sache, da sollte man sich nicht von einer bonisteuer ablenken lassen. Man muss Prioritäten setzen.

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