EU-Gipfel
Cameron kippt die „Tampon-Steuer“

Der britische Premierminister David Cameron setzt beim EU-Gipfel durch, dass Tampons künftig mehrwertsteuerfrei verkauft werden dürfen. Das Thema wird auch in anderen Ländern diskutiert – auch hierzulande.

BrüsselTote Flüchtlinge, Krieg, Terroranschläge? Der britische Premierminister David Cameron hat andere Sorgen. Während die Bundeskanzlerin in Brüssel Wege aus der Flüchtlingskrise suchte, kämpfte der Regierungschef des Vereinigten Königreichs für Steuerfreiheit – und zwar für Tampons.

Unbedarfte Beobachter reiben sich verwundert die Augen: Wie kann es sein, dass sich der Chef des drittgrößten EU-Staates für weibliche Sanitärartikel einsetzt, während der Rest des Kontinent gerade mit einer historischen Flüchtlingskrise ringt?

Die Antwort ist schlicht: Auf der Insel herrscht Wahlkampf. Am 23. Juni sollen die Briten entscheiden, ob ihr Land Mitglied der EU bleibt oder nicht. Der Streit zwischen EU-Befürwortern und Gegnern tobt – und treibt die kuriosesten Blüten. Eine davon ist die Tampon-Steuer.

Angeblich zwingt die EU Großbritannien, weibliche Sanitärartikel zu besteuern, während Produkte für Männer wie etwa Rasierer steuerfrei verkauft werden dürfen. Diskriminierung der Frauen! Die EU ist schuld! Das behaupten jedenfalls die EU-Gegner im Vereinigten Königreich, die sich für keine Polemik zu schade sind.

In Großbritannien sind Hygieneartikel bisher mit einer fünfprozentigen Steuer belegt - dem nach EU-Recht niedrigstmöglichen Satz. Auch das halten Feministinnen aber für diskriminierend. Die EU-Skeptiker wiederum empören sich darüber, dass die EU überhaupt solche Mindeststeuersätze vorschreiben darf.

Die Wahrheit sieht anders aus. Die britische Regierung hätte in Brüssel längst eine Befreiung von der Mehrwertsteuer beantragen können und dann auch bekommen. Doch bislang hielt es London nicht für nötig, sich darum zu kümmern.

Um so strahlender der Sieg, den Cameron jetzt nach Hause trägt. Der Briten-Premier bekam es sogar schwarz auf weiß: Die EU-Kommission solle den Mitgliedstaaten „die Möglichkeit geben, den Satz Null auf Sanierprodukte anzuwenden“, heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels.

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