EU-Gipfel
Italien schöpft neue Kraft

Noch ist viel zu tun. Doch Italien zeigt sich nach den Gipfelbeschlüssen stark. Die Anleiherenditen sinken und die Aktienkurse steigen. Jetzt muss Italien zeigen, ob es das Vertrauen der Anleger verdient hat.
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MailandIn Italien zeigen die Gipfelbeschlüsse bereits Wirkung. Schon am Freitag waren die Spreads – also die Risikoaufschläge, die Investoren für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen zahlen müssen – deutlich gesunken. Am Montag fielen sie weiter auf zwischenzeitlich 404 Punkte von 426 zum Marktbeginn.

Der Markt der italienischen Staatsanleihen reagiert damit auch auf den in der Nacht von Donnerstag auf Freitag beschlossenen Mechanismus, der vorsieht, dass der Rettungsfonds auch Staatstitel von jenen Ländern kaufen kann, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, bei denen aber die Spreads trotzdem ein bestimmtes Niveau überschreiten.

Auch die Aktienkurse der italienischen Banken legen am Montag erneut zu: bereits am Freitag hatte Unicredit stieg knapp 14 Prozent zugelegt, Intesa Sanpaolo fast neun Prozent und auch Monte dei Paschi um mehr als sieben Prozent. Monte dei Paschi hat erst vergangene Woche neue Staatshilfen in Höhe von fast zwei Milliarden Euro in Anspruch genommen. Die anderen italienischen Großbanken hatten dagegen anders als die deutschen Konkurrenten die Finanzkrise ohne jede Staatshilfe überstanden.

Der Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne lobte am Sonntag Abend den Ausgang des Brüsseler Gipfel: „Das verhindert ein Desaster, das die Menschen völlig unterschätzt haben. Monti ist wirklich großartig gewesen und hat ein Meisterwerk vollbracht. Auf internationalem Niveau haben wir glaube ich noch nie jemanden gehabt, der in der Lage gewesen wäre, dies zu tun“, sagte der Italo-Kanadier am Rande eines Unternehmenstermin in Turin.

„Es ist falsch, von Gewinnern und Verlieren zu sprechen“, sagte Marchionne. „Das Abkommen ist zum Besten Europas geschlossen worden, nicht für das eine oder andere Land“, kritisiert er die allzu landesspezifischen Kommentare. Dennoch sei in Europa noch viel zu tun und auch in Italien.

Das weiß auch Mario Monti. Er muss nach dem Gipfel-Erfolg zeigen, dass er es auch nach den Zugeständnissen von Deutschland ernst meint mit den Reformen und der Haushaltsdisziplin. Nachdem er am Tag vor dem Gipfel mit der Arbeitsmarktreform bereits die dritte große Reform seit seinem Amtsantritt im November durchgesetzt hat, steht nun die unter dem englischen Begriff „Spending Review“ auf dem Programm: Insgesamt neun Milliarden Euro will seine Regierung bei den Ausgaben streichen, um damit eine Mehrwertsteuererhöhung im Herbst zu verhindern. Für diese Aufgabe hat Monti sich den Parmalat-Sanierer als Spar-Kommissar an Bord geholt.

Er wird schon heute mit den Ministern zusammentreffen, um in den kommenden Wochen die Details bekannt zu geben.

 

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " EU-Gipfel: Italien schöpft neue Kraft"

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  • Ich beahupte ja nicht dass dieser Monti ein Mafiosi ist, aber seine Methoden sind der der Mafia ebenbürdig.

    Italien ist R E I C H. Das pro Kopf Vermögen liegt weit über dem der Deutschen, sogar noch vor dem der Japaner. Nach einer Statistik aus 2006 steht Italien an Platz 3 unter den G 7, Deutschland auf Platz 5. Weis das diese Umfallkanzlerin Merkel?

  • stimmt, außerdem, in Italien ist zwar Berlusconi nicht mehr an der Macht aber seine Verbindungen arbeiten immer noch bestens, naiv wer diesem System noch traut

  • Die Kraft kommt nicht aus Italien. Sie ist teutonisch. Leider.

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