EU-Gipfel
Krawalle beim Generalstreik in Griechenland

Am Tag des EU-Gipfels in Brüssel bringt ein Generalstreik das öffentliche Leben zum Stillstand. Zehntausend Bürger protestieren damit friedlich gegen weitere Sparmaßnahmen. Dann werfen Demonstranten die ersten Steine.
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AthenIn der griechischen Hauptstadt Athen ist es am Rande einer friedlichen Demonstration von zehntausenden Menschen zu Ausschreitungen gekommen. Etwa 200, zum Teil vermummte Demonstranten schleuderten Brandflaschen und Steine auf die Polizei. Die Beamten setzten Tränengas und Blendgranaten ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Auf dem Platz vor dem Parlament entstand ein beißender Geruch, wie das Fernsehen berichtete.

In Athen und anderen Städten Griechenlands waren am Donnerstag zehntausende Menschen auf den Straßen, um gegen das neue 13,5-Milliarden-Euro-Sparpaket zu demonstrieren. Im ganzen Land blieben Ministerien, Schulen und zahlreiche Behörden geschlossen. Ärzte behandelten nur Notfälle. Auch der Flug-, Schiffs- und Eisenbahnverkehr war von den Arbeitsniederlegungen betroffen.

Zu dem Ausstand hatten die beiden größten Gewerkschaften des Landes aus Protest gegen den Sparkurs der Regierung zum Ausstand aufgerufen. In Sternmärschen wollten die Demonstranten im Laufe des Tages vor das Parlament ziehen und sich dort zu einer Massenkundgebung versammeln. Die Sicherheitskräfte sperrten den zentralen Syntagma-Platz mit Metallbarrieren ab und zogen ein Aufgebot von rund 4000 Polizisten vor dem Parlament zusammen, wo in der Vergangenheit bereits mehrfach Massenproteste in Gewalt ausgeartet waren.

Griechenland steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und verhandelt mit den internationalen Gläubigern aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank über die Bedingungen für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche aus dem 130-Milliarden-Euro-Rettungspaket. Das Land muss dafür mindestens weitere 11,5 Milliarden Euro einsparen, was zusätzliche Einschnitte und Sozialkürzungen für die Bevölkerung bedeutet.

Dagegen machen die Gewerkschaften ADEDY und GSEE mobil, in denen rund mit zwei Millionen Griechen rund die Hälfte der Arbeitnehmerschaft organisiert sind. "Das neue Schmerz-Paket sollte nicht durchgehen", gab die ADEDY als Parole für den Protesttag aus. Die Regierung in Athen hat jedoch kaum eine Wahl. Ohne die ausländische Hilfe dürfte dem Land bereits im November das Geld ausgehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sie sollen streiken!
    Griechenland ist eine Demokratie. Die Griechen sind ein stolzes, souveränes Volk. Sie haben die Regierung, die sie gewählt haben. Und die können sie bestreiken, soviel sie wollen. Wir sollten uns da mit guten Ratschlägen komplett raushalten. Sie sollen ihre von den eigenen Politikern hausgemachten Probleme selber lösen. Stolz und unabhängig.
    Sie brauchen die Nazis und ihr Geld nicht.

    Und wir müssen unsere Probleme auch selber lösen:
    1. Wir müssen unsere eigenen Kleptokraten demokratisch zum Teufel jagen.
    2. Wir müssen unsere Politker wieder an ihren Eid erinnern: "Zum Wohl des deutschen Volkes". Vom Wohl der europäischen Banken und anderer Mafiosi ist da nichts zu lesen.
    3. Solange sie rechtskräftig sind, müssen wir auf bestehenden Verträgen bestehen. Europa darf KEIN rechtsfreier Raum bleiben. Das muss aufhören.
    4. Solange in Europa nicht ein Mindestmass an staatlicher Verwaltung wie Steuererhebung und Renten nur an lebende geregelt ist, geht es Brüssel überhaupt nichts an, wieviel Salz im Brot ist, welchen Durchmesser Äpfel haben, welchen RAL-Wert die Tomatenfarbe hat und was ich für eine Glühbirne einschraube.
    Und ganz nebenbei: Solange wir in Deutschland deutlich unter 50% der Feinstaubbelastung in Neapel und Athen liegen, haben sie da genug zu tun und sie sollen uns hier in Ruhe lassen.

  • Eurowahn
    das sehe ich auch so.
    Und ich hoffe, dass diese Streiks gan massiv weitergehen
    Es wird Zeit, dass unsere Euro-Fanatiker endlich begreifen, dass das Volk nicht mehr mitspielen will

  • das ist Unsinn. Griechenland leistet sich einen großen Militärhaushalt auf Grund der historischen Spannungslage mit der Türkei und nicht wegen irgendwelcher Banken. Desweiteren ist es ganz allein die Entscheidung der griechischen Regierungen gewesen, entsprechende Waffensysteme zu beschaffen. Jetzt den Verkäufer verantwortlich zu machen, ist absurd. Der Toyotahändler um die Ecke will mir auch ein neues Fahrzeug verkaufen, es liegt aber an mir zu entscheiden, ob ich mir einen Kauf finanziell leisten kann und ob ich einen neues Fahrzeug überhaupt brauche.

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