EU hält an Hilfspaket fest: Kein Nachschlag für Zypern

EU hält an Hilfspaket fest
Kein Nachschlag für Zypern

Die Euro-Finanzminister haben für das Milliarden-Hilfsprogramm grünes Licht gegeben. Zusätzlicher Finanzbedarf und zusätzliche Forderungen von Staatspräsident Anastasiades lösen jedoch Unruhe aus.
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Das internationale Hilfspaket zur Rettung Zypern steht - die zugesagten Kredithilfen von 10 Milliarden Euro reichen aber bei weitem nicht aus. Wie Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem am Freitag in Dublin sagte, billigten die Euro-Kassenhüter die Zypernmilliarden, von denen neun Milliarden von den Europartnern stammen, der Rest vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Um den gesamten Finanzbedarf der pleitebedrohten Inselrepublik zu decken, sind inzwischen 23 Milliarden Euro statt bislang gut 17 Milliarden Euro notwendig.

Zypern muss davon selbst 13 Milliarden tragen, mehr als fünf Milliarden Euro mehr als ursprünglich angenommen. Das Euro-Krisenland soll die zusätzlichen Gelder aufbringen, beispielsweise über einen Zwangsbeitrag von Anlegern mit Bank-Guthaben von mehr als 100.000 Euro. Geplant sind zudem höhere Unternehmenssteuern, eine Abgabe auf Kapitalgewinne und Einnahmen aus Privatisierungen. Durch den Absturz der Wirtschaft und den zusätzlichen Geldbedarf zur Rettung des maroden Bankensektors hatten sich die Finanzlöcher zuletzt dramatisch erhöht.

Staatspräsident Nikos Anastasiades sagte am Freitag, das Land brauche zusätzliche Unterstützung. Um seine Äußerungen gab es zunächst Verwirrung. Denn Anastasiades hatte mit Verweis auf einen Brief an die Spitzen der EU erklärt, er wolle „zusätzliche Hilfe angesichts der kritischen Momente (die die Insel erlebt) als Ergebnis der Finanzkrise, aber auch der Maßnahmen, die uns aufgezwungen wurden“. Dies war als ein Antrag auf die Aufstockung der EU-Hilfen verstanden worden. Nach Angaben eines zyprischen Regierungssprechers geht es dabei aber nicht um eine Aufstockung des Hilfspakets.

„Das, was der Präsident meinte, sind Subventionen und Gelder aus Kohäsionsfonds der EU, die mehr Wachstum erzeugen werden“, sagte der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianides dem staatlichen Fernsehen (RIK). Die Bitte des Präsidenten um mehr Unterstützung der EU-Institutionen habe „nichts zu tun mit dem aktuellen Hilfsprogramm“, sagte auch ein zyprischer Diplomat der dpa am Freitag in Brüssel.

Die Bundesregierung lehnt eine Aufstockung des Hilfspakets ohnehin ab. Am Hilfsbeitrag der Europäer und des IWF von 10 Milliarden Euro werde nichts geändert, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums am Freitag in Berlin: „Dieser Betrag steht auch nicht zur Disposition.“ Es gebe keinen Anlass, da irgendwelche Anpassungen vorzunehmen.

CDU-Haushaltsexperten Klaus-Peter Willsch sagte Handelsblatt Online: „Wir werden doch hier nach Strich und Faden belogen: Erst wird uns gesagt, dass Zypern mit seinem Beitrag von 5,8 Milliarden bis ans äußerste seiner Möglichkeiten gegangen sei und jetzt sollen sie auf einmal 6 Milliarden mehr wuppen können.“ Das sei mehr als ein Drittel seiner jährlichen Wirtschaftsleistung.

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Harte Maßnahmen für die Zyperer

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  • 'Nachrechner' sagt
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    @Rechner:Der Schuldner zahlt Nominalzinsen und nicht Realzinsen. --------------------

    Jacke wie Hose - den "nichtrealen" Teil des Nominalzinses dürfen Sie sich in der Realbetrachtung als Teil der Tilgung vorstellen.

    +++

    'Nachrechner' sagt
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    Wie viele Jahrzehnte soll diese Abzahlung den laufen?
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    Zwei oder drei, würde ich 'mal sagen.

    ...

    Die Tatsache, daß die ESM-Kredite meistens kürzere Laufzeiten haben darf man NICHT mit einer angenommenen Kreditrückzahlung nach drei, fünf oder sieben Jahren verwechseln.

    Den eher kurzen Kreditlaufzeiten der ESM-Kredite (Ausnahme: Griechenland) liegt vielmehr die Annahme zugrunde, daß die Restschuld - zumindest teilweise - nach Ablauf an den Finanzmärkten refinanziert werden kann.

    +++

    'Nachrechner' sagt
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    @Rechner: Zwischen der Sanierung der Passivseite der Banken über EZB/ESM und dem Vorhandensein beleihungsfähiger Aktiva gibt es keinen kausalen Zusammenhang.
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    Bei einer Sanierung wird nicht die "Passivseite der Banken" saniert, wie Sie zu glauben scheinen.

    Sondern es wird die Bilanz saniert so daß für sie

    Aktiva = Passiva + Eigenkapital (Eigenkapital >> 0)

    gilt.

    Im Fall der zyp. Banken geschieht das durch

    1. Abschreibung von Aktiva auf ihren (hoffentlich) realistischen Wert.

    2. Schnitt bei den Passiva (Einlagen - Kundenguthaben - Forderungen) durch Umwandlung in Eigenkapital.

    Was übrig bleibt ist eine sanierte Bilanz mit mehr Aktiva als Passiva.

    Und aufgrund der Beleihungskriterien der EZB ist das meiste was Banken so als Aktiva haben beleihungsfähig.

    Spätestens, nachdem es verbrieft wurde:

    "The ECB said it will start accepting residential and commercial mortgage-backed securities, securities backed by loans to small and medium-sized firms, car loans and leasing and consumer finance ABS, rated as low as BBB-."

    http://uk.reuters.com/article/2012/06/22/uk-ecb-collateral-idUKBRE85L0R020120622

  • R: Die Zentralbank (ESZB) übernimmt Verbindlichkeitenen der zyp. Banken gegenüber ihren Einlegern gegen Aktiva, die die Banken als Sicherheiten zur Verfügung stellen.

    Aha, also gegen Aktiva...und welche wären das dann konkret?

    R: Ich glaube kaum, daß diese 6250 Euro pro Nase so schnell ausgegeben werden.

    Ausgegeben nicht, abgehoben schon. Zumindest würde ich das so tun und Sie auch - nachdem was passiert ist in Zypern und wie sich dort so die Lage darstellt.

    Auch danke für ihre Erklärung, was den Abzahlungsplan betrifft. Auffällig ist dabei, dass Sie von einer stabilen Bevölkerungszahl ausgehen. Wenn man jedoch die Krisenstaaten anschaut, dann ist in jedem Land bisher eine Auswanderungswelle in Gang gekommen.

    Warum sollte dies in Zypern anders sein? Vor allen Dingen, da man bei Befragungen ja deutlich feststellen kann, dass die Jungen und "Fitten" sich genau mit diesem Gedanken befassen. Zurückbleiben werden Leute, die im Tourismus arbeiten und andere Selbstständige, sowie die Alten. Somit ist ihre Rechnung eine Überschätzung der zypriotischen Möglichkeiten bzw. des Willens, um den von ihnen nicht eingebrockten Schaden (es liegt ja bei den Banken und der Politik) auszulöffeln.

    Wie immer wird die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

  • @Rechner:Der Schuldner zahlt Nominalzinsen und nicht Realzinsen. Wie viele Jahrzehnte soll diese Abzahlung den laufen?

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