EU-Initiative
Bundesregierung gegen Frauenquote in Aufsichtsräten

Die Bundesregierung sperrt sich gegen eine EU-weite Frauenquote in Aufsichtsräten. Die Initiative der EU-Justizkommissarin Viviane Reding soll blockiert werden. Berlin kann dabei auf Unterstützung anderer Länder hoffen.
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BrüsselDie Bundesregierung will den Vorstoß der EU-Kommission für eine europäische Frauenquote in Aufsichtsräten stoppen. Die Regierung gab an ihre Vertretung in Brüssel das Ziel aus, unter den EU-Ländern eine Sperrminorität gegen die Initiative zu organisieren, wie EU-Diplomaten am Mittwoch bestätigen. EU-Justizkommissarin Viviane Reding will dennoch weiter für die Quote kämpfen.

Die Weisung aus Berlin sei am Montagabend in der Vertretung Deutschlands bei der EU eingegangen, bestätigte ein EU-Diplomat einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung". In dem Schreiben heißt es, die Ständige Vertretung solle „ab sofort - auch auf Botschafterebene - gegenüber Partnern für die deutsche Haltung werben". Das Ziel: die „Ablehnung des Richtlinienvorschlags" durch „Bildung einer Sperrminorität".

Damit droht einem Herzensanliegen Redings das Aus. Denn außer Deutschland haben sich bisher EU-Diplomaten zufolge auch Großbritannien, die Niederlande, Tschechien, Ungarn, Schweden, Dänemark, Slowakei, Estland und Lettland kritisch zu dem Vorstoß der Luxemburgerin geäußert, der auch in der EU-Kommission nicht unumstritten ist. Stellen sich diese Länder an die Seite Deutschlands, verfügen sie über die notwendige Stimmenzahl, um Reding scheitern zu lassen.

Die Justizkommissarin will für die Zeit ab 2020 eine Quote von 40 Prozent des jeweils "unterrepräsentierten Geschlechts" in Aufsichtsräten gesetzlich verankern und so de facto Frauen in den Chefetagen Aufwind geben. Die Quote würde für große börsennotierte Unternehmen gelten. Firmen mit Staatsbeteiligung sollten hingegen vorangehen und die Quote 2018 einführen.

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Reding bekommt Rückendeckung von SPD und Grünen

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  • "Die Justizkommissarin will für die Zeit ab 2020 eine Quote von 40 Prozent des jeweils "unterrepräsentierten Geschlechts" in Aufsichtsräten gesetzlich verankern und so de facto Frauen in den Chefetagen Aufwind geben."
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    Hanebüchener Schwachsinn, den die GrünInnen und die Sozis natürlich sofort aufgreifen, weil es so schön emanzipatorisch und politisch korrekt ist. Als wenn hochqualifizierte Frauen, die auch noch bereit sind, 60...100 Stunden pro Woche zu arbeiten, mal eben so auf den Bäumen wachsen! Also wirklich! Wirklichkeits- und praxisfremde Quoten sind das letzte, was dieses Land braucht!

  • Weshalb sollte die Frauenquote nicht auch bei den exponierten Posten bei der EU und deren Gremien gelten?

    Das verstehe ich nicht!

    Wenn bei Unternehmen nicht die Qualifikation sondern das Geschlecht der Maßstab aller sein Dinge soll, dann geht das in der Politik erst recht.

  • Die EU-Politiker schon, gleichzeitig gibt es ja noch nationale Politiker, die eingreifen wenn es wichtig wird

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