EU-Justizkommissarin
Banker sollten „Bankster“ heißen

Die Banken ernten nach den Libor-Zinsmanipulationen harsche Kritik aus Brüssel. Justizkommissarin Viviane Reding spricht hämisch von „Bankstern“, denen in Zukunft eine strafrechtliche Verfolgung drohen solle.
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BrüsselDie EU zieht Konsequenzen aus dem Skandal um Manipulationen wichtiger Marktzinsen durch Banken. Tricksereien mit Marktbarometern wie dem Libor sollen in der Europäischen Union künftig generell strafrechtlich verfolgt werden.

Die EU-Kommission schlug deshalb vor, Benchmarks für Zinsen und Rohstoffe in den vorliegenden Gesetzentwurf zu Strafen gegen Marktmissbrauch aufzunehmen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier kündigte am Mittwoch in Brüssel außerdem an, zu prüfen, ob die Berechnung der einflussreichen Messlatten für die Zinsen gesetzlich geregelt werden muss.

Die EU-Kommission überschüttete die Banken mit Kritik. Barnier warf den Verantwortlichen vor, bar jeder Moral ihren Kunden geschadet zu haben. „Solches Verhalten muss bestraft werden - ohne Pardon", sagte er. EU-Justizkommissarin Viviane Reding kritisierte die Branche scharf: „Banken sollten sich nicht länger wie Kasinos verhalten können." Sie warf der britischen Notenbank vor, nicht früher auf Forderungen nach einer Änderung des Verfahrens reagiert zu haben.

Mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank, hat jahrelang den Londoner Marktzins Libor durch falsche Angaben zum eigenen Vorteil verzerrt. Auch das Pendant in der Euro-Zone, der Euribor, ist nach Erkenntnissen der Kommission wahrscheinlich manipuliert worden.

Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den von Banken gemeldeten Schätzungen zu ihren Refinanzierungskosten. Er ist Basis für weltweite Finanztransaktionen wie Hypotheken und Derivate im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Auch die Zinsen von Verbraucherkrediten hängen davon ab.

In den USA und in Europa ermitteln Strafverfolgungsbehörden bereits. Die britische Finanzaufsicht FSA konnte nur mit Hilfe einer anderen Behörde die Barclays Bank mit einer Geldbuße von 453 Milliarden Dollar bestrafen. Wäre die EU-Gesetzgebung schon inkraft, hätte die Finanzaufsicht leichter handeln können.

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Reding vergleicht Banker mit korrupten Kasino-Händlern

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  • Skrupellositiker?

  • ZUSTIMMUNG!!!

  • Mit Verlaub, die Alte hat sie doch nicht mehr alle. Ist dieser "Dame" überhaupt bewusst, dass sie wegen einiger wirklicher Verbrecher in diesem Business, Hundertausende anständige Bankangestellte ebenso kriminalisiert? Offenbar nicht.

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