EU-Justizkommissarin
Weg mit dem Kartell der Ratingagenturen

Die EU-Justizkomissarin Vivane Reding schwingt den Hammer. Die drei Ratingagenturen Standard & Poors (S&P), Moody's und Fitch bilden ein Kartell, das zerschlagen werden sollte.
  • 18

BerlinEU-Justizkommissarin Viviane Reding hat eine Zerschlagung der Ratingagenturen ins Spiel gebracht. „Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen“, sagte Reding der Zeitung „Die Welt“ mit Blick auf die drei großen Agenturen Standard & Poors (S&P), Moody's und Fitch. Es seien mehr Transparenz und Wettbewerb bei der Bewertung von Unternehmen und Staaten nötig.

„Ich sehe zwei mögliche Lösungen: Entweder beschließen die G20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus den drei Agenturen sechs zu machen. Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen.“

Es dürfe nicht sein, dass ein Kartell dreier US-Unternehmen über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheide. Wie das Blatt unter Berufung auf EU-Kreise weiter berichtet, wird mittlerweile in der Europäischen Union ein Schuldenschnitt für Griechenland „als extreme Option“ nicht mehr ausgeschlossen.

Ein Forderungsverzicht der Gläubiger sei im Umfeld der Euro-Finanzminister in den vergangenen Wochen intern bereits mehrfach beraten worden, schreibt die Zeitung weiter. Ein ranghoher EU-Diplomat sagte dem Blatt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es spätestens bis Dezember zu einer Umschuldung kommt, ist sehr hoch.“

Kommentare zu " EU-Justizkommissarin: Weg mit dem Kartell der Ratingagenturen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Bernd, kuac

    Es stimmt schon, daß die Einschätzungen der Ratingagenturen bei der Entwicklung der Immobilien- und Finanzblase falsch waren. Wie übrigens fast alle anderen Meinungen - bis auf ganz wenige Einzelstimmen - auch daneben lagen.

    Allerdings wären von den Bankern selbst ohne Ratings auch keine richtigen Ergebnisse zu erwarten gewesen. Deren 'Habgier' und Traum von endlosem Kreditwachstum hätten noch nicht einmal warnende Ratings ausgebremst.

    In der aktuellen Situation sind jedenfalls die drei großen Agenturen wichtige Gegenpositionen zu den Europolitikern. Sie beginnen übrigens auch schon mit Kritik an der amerikanischen Finanzpolitik.

  • Schön langsam beginne ich mir wirklich ernsthafte Sorgen um die Verfassung der EU-Führung zu machen. Solche billigen Ablenkungsmanöver zeigen die zunehmende Verzweiflung..

    LG,
    http://zuwi.at

  • Die Zwangsheirat "Eurozone", die die Deutschen nie wollten ist das Problem und nicht die Ratingagenturen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%