EU-Kommissarin Margot Wallström statuiert ein personalpolitisches Exempel
Feministin siegt über Macho

BRÜSSEL. Von Margot Wallström hieß es einst, sie sei der einzige „Mann“ in der Prodi-Kommission. Fünf Jahre lang kämpfte die schwedische Sozialdemokratin in Brüssel resolut für die Interessen der Umwelt. Ihr tadelloser Ruf verhalf ihr zur Beförderung, als im vergangenen Jahr EU-Kommissionspräsident José Barroso die Geschäfte von Romano Prodi übernahm. Unter dem Portugiesen wurde Wallström Vizepräsidentin.

Gleichzeitig erhielt sie den Auftrag, eine neue Kommunikationsstrategie auszuarbeiten. Die Schwedin soll den europamüden Bürgern die Segnungen der EU erklären. Eifrig basteln ihre Dienststellen in diesen Wochen an einem PR-Konzept zur besseren Vermarktung Europas. Nur Wallströms wichtigster Mitarbeiter blockiert: Jorge De Oliveira E Sousa, Generaldirektor für Presse und Kommunikation, gilt in Wallströms Umfeld als Bedenkenträger, der die ehrgeizigen Pläne der Chefin torpediert, wo immer er kann.

Überraschend schnell hat die entschlussfreudige Kommissarin nun Konsequenzen gezogen und Sousa in die Wüste geschickt. Wie aus der Kommission verlautete, wird der 59-jährige Karrierebeamte die Brüsseler Behörde vermutlich schon im April verlassen, um „wissenschaftliche Weiterbildungsmaßnahmen“ aufzunehmen. Wie es hieß, soll der Portugiese in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden.

Die Personalentscheidung wurde in Kommissionskreisen als Paukenschlag empfunden. Denn Sousa ist das erste Opfer in einem Machtkampf, den die Brüsseler Elitebeamten derzeit mit der neuen Kommission austragen. „Die Generaldirektoren und andere Spitzenbeamte testen, wer wirklich das Sagen hat“, erläutert ein hoher EU-Funktionär. Im Falle Sousas habe „der portugiesische Macho gegen die schwedische Feministin den Kürzeren gezogen“.

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