EU-Kommissarin warnt vor Aufweichung der Wettbewerbskontrolle

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EU-Kommissarin warnt vor Aufweichung der Wettbewerbskontrolle

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes weist den Vorwurf zurück, die EU-Wettbewerbskontrolle verhindere die Entstehung „europäischer Champions“. „Wir sollten eine Firmenfusion nicht auf Grund der Annahme erlauben, dass große europäische Unternehmen besser auf dem Weltmarkt konkurrieren können“, sagte Kroes dem Handelsblatt.

BRÜSSEL. „Wenn man Firmen vor wirksamem Wettbewerb in der EU schützt, werden sie selbstzufrieden und bequem – und damit in keiner Weise ,europäische Champions’, die sich international an die Spitze setzen können“, sagte Kroes.

Das Interview im Wortlaut:

Handelsblatt: Teilen Sie Befürchtungen, dass die EU-Wettbewerbskontrolle „europäische Champions“ verhindert?

Kroes: Wir sollten eine Firmenfusion nicht auf Grund der Annahme erlauben, dass große europäische Unternehmen besser auf dem Weltmarkt konkurrieren können. Die Größe ist nicht entscheidend. Die Unternehmen, die sich am besten im internationalen Wettbewerb behaupten, sind die, die ihren Kunden innovative Produkte oder gute Dienste zu günstigen Preisen anbieten, weil sie harten Wettbewerb in ihren Heimatmärkten spüren. Wenn man Firmen vor wirksamem Wettbewerb in der EU schützt, werden sie selbstzufrieden und bequem – und damit in keiner Weise „europäische Champions“, die sich international an die Spitze setzen können.

Handelsblatt: Also müssen die Champions ohne „Geburtshilfe“ auskommen?

Kroes: Ich bin für europäische Champions – solange sie aus dem Markt heraus entstehen. Regierungen sollten keine Gewinnerbranchen herauspicken – das geht unweigerlich schief, wie etwa der französische „Plan Calcul“ zur Schaffung eines heimischen Computerriesen zeigt. Und wir sollten auch nicht die Wettbewerbsregeln großzügiger auslegen, um Champions zu schaffen.

Handelsblatt: Stört die Wettbewerbskontrolle die EU-Wachstumsstrategie?

Kroes: Wettbewerb fördert die Wettbewerbsfähigkeit, und deshalb ist die konsequente Anwendung der Kartell-, Fusions- und Beihilferegeln eine entscheidende Komponente der Lissabon-Agenda. Darüber bin ich mit Günter Verheugen und dem Rest der Kommission einig.

Handelsblatt: Muss Ostdeutschland künftig ohne Beihilfen auskommen?

Kroes: Das Leitprinzip für die Reform der Regionalbeihilfen ist, dass Finanzhilfe für große Firmen nur in benachteiligten Regionen erlaubt werden sollte, um diese in die Lage zu versetzen, zum EU-Durchschnitt aufzuschließen. Die fünf neuen Länder kommen weiter genauso für Beihilfen in Frage wie ganz Griechenland, weite Teile Portugals und Spaniens, der Mezzogiorno in Italien, die nördlichen Gebiete Schwedens und Finnlands und einige Regionen in Großbritannien, Irland und Österreich.

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