EU-Kommission

Schockfotos gegen Europas Nikotinsucht

Die EU will den Bürgern das Rauchen abgewöhnen. Schockbilder und großflächige Warnhinweise auf den Schachteln sollen dabei helfen. Diese Pläne hat die EU-Kommission nun offiziell vorgestellt.
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Tonio Borg zeigt den Prototyp einer Schockbild-Zigarettenschachtel. Quelle: dpa

Tonio Borg zeigt den Prototyp einer Schockbild-Zigarettenschachtel.

(Foto: dpa)

BrüsselWarnhinweise auf Zigarettenpackungen sollen größer werden: 75 Prozent der Vorder- und Rückseite will die Brüsseler EU-Kommission künftig für solche Botschaften und Schockbilder reservieren. Dies ist Teil eines neuen Gesetzesvorschlags zur Eindämmung des Rauchens, den EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Mittwoch in Brüssel vorstellte.

Derzeit müssen Warnhinweise auf den beiden großen Seiten nur etwa halb so groß sein. Auf allen Packungen sollen Fotos von Raucherlungen oder anderen abschreckenden gesundheitlichen Folgen zu sehen sein. Wenn Europaparlament und die nationalen Staaten zustimmen, könnten die neuen Vorgaben von 2015 an gelten. Der neue Vorschlag ziele darauf ab, Tabakprodukte und das Rauchen gerade für Jugendliche weniger attraktiv zu machen, sagte Borg.

Die gruseligsten Zigarettenschachteln der Welt
huGO-BildID: 2131373 Picture shows cigarette brands of German tobacco company Reemtsma, taken in Hamburg, northern Germany, on Thursday, March 7, 200
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Vor zehn Jahren sahen deutsche Zigarettenpackungen noch so aus. Der Warnhinweis der „EG-Gesundheitminister“ fand sich lediglich klein gedruckt am unteren Rand. Seit dem hat sich in der Gestaltung der Packungen weltweit viel getan.

ZIGARETTEN
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Ab 2003 wurden die Warnhinweise EU-weit größer und einheitlich gestaltet. Von abschreckenden Bildern war damals noch nicht die Rede - und bis heute ist das in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern auch noch nicht üblich.

CIGARETTE PLAIN PACKAGING
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Ganz anders in Australien. Das oberste Gericht des Landes erklärte es Mitte August 2012 für rechtlich zulässig, dass Zigarettenpackungen nicht nur mit abschreckenden Bildern und großen Warnhinweisen versehen werden müssen. Es darf zudem nur der Markenname des Herstellers in einfacher Schrift aufgedruckt sein.

File photo of a handout image showing a composite image of a box of cigarettes with generic packaging and health warning
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Mit der Vorschrift zur einheitlichen und neutralen Gestaltung ist Australien derzeit Vorreiter. Die neue Packungsgestaltung soll ab Ende Dezember 2012 greifen.

Australia Tobacco
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Das australische Gesundheitsministerium hält eine breite Palette an Bildern bereit. Auch in anderen Ländern sind solche drastischen Abbildungen üblich, allerdings darf dort noch das Logo einer Marke verwendet werden.

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In Neuseeland gilt seit 2008 bei der Bildwahl eine ähnliche Vorschrift wie in Australien. Hier versuchen die Packungsdesigner, Mitleid zu erwecken und so Käufer abzuschrecken.

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Kein medizinisches Sachbuch braucht sich hinter den neuseeländischen Abbildungen zu verstecken. Ironischerweise trägt die Webseite des Gesundheitsministeriums eine Warnung vor dem Schockpotenzial der Bilder. Im Laden fehlt ein solcher Hinweis jedoch.

Borg will zudem Geschmacksstoffe wie Menthol weitgehend verbannen - sie dürften nur noch eingesetzt werden, wenn sie das Tabakaroma nicht verändern. „Die Verbraucher dürfen nicht in die Irre geführt werden“, erklärte Borg. „Tabakerzeugnisse müssen wie Tabakerzeugnisse aussehen und schmecken, und dieser Vorschlag stellt sicher, dass ansprechende Verpackungen und Aromen nicht als Marketingstrategie eingesetzt werden.“ Die Richtlinie sieht auch vor, die bisherigen Mengenangaben über Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid wegzulassen. Dafür sollen die Verpackungen den Hinweis tragen, dass Zigarettenrauch mehr als 70 krebserregende Stoffe enthält.

Während Markenlogos erlaubt bleiben sollen, will Borg zusätzliche Werbebotschaften auf den Packungen für Zigaretten und losen Tabak zum Selberdrehen verbieten. Bereits jetzt sind Formulierungen wie „mild“ und „leicht“ tabu. Künftig sollen auch Formulierungen wie „natürlich“ oder „biologisch“ verboten sein. Auch nikotinhaltige Produkte wie die immer beliebter werdenden elektronischen Zigaretten sollen künftig mit Gesundheitswarnungen gekennzeichnet werden. Überschreiten Produkte einen bestimmten Nikotinwert, müssen sie zudem als Arzneimittel zugelassen werden.

Pfeifentabak und Zigarillos sind außen vor
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16 Kommentare zu "EU-Kommission: Schockfotos gegen Europas Nikotinsucht"

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  • Ich bin dafür, dass Automobilhersteller Fotos von Unfalltoten auf die frische Lackierung kleben müssen. Es ist einfach nur noch armselig, was hier passiert. Wieviele Steuermilliarden nehmen die Staatsratsvorsitzenden in Europa durch die Zigarettenkonsumenten ein? Und wieviel Bevormundung werden sich de Menschen noch gefallen lassen?

    Meine Meinung als Nichtraucher: Jeder soll das Recht haben selbst zu entscheiden, welchem Laster er sich sein Leben lang hingibt.

  • Es ist wirklich rührend, wie sich die Eurokraten um unsere
    Gesundheit kümmern, andererseits uns das hochgiftige
    Quecksilber per Gesetz mittels Energiesparlampen verordnen.

    Wahrscheinlich wird man uns demnächst verordnen, bei dieser Kälte
    nicht ohne Mantel oder Jacke aus dem Hause zu gehen.

    Offensichtlich sind diese hochbezahlten, bestens versorgten
    und unfähigen EU-Beamten nicht ausgelastet. Ein gigantisches
    Sparpotenzial für das Euro-Budget.

  • Umerziehung beginnt im Kopf!
    Keine Angst: wir Gutmenschen kriegen alle Eure Laster in den Griff! Nur zu Eurem Besten, natürlich.
    Willkommen in der EUdSSR.

  • Bitte sofort europaweit Warnbilder von überversorgten EU-Beamten auf die Steuererklärung mit deren momentanen und zukünftigen Kosten. Denke das würde bei der nächsten Wahl helfen.

  • ...wie wäre es mal mit einer Vereinheitlichung der Regelungen für die Lohnsteuer und Lohn-Nebenkosten innerhalb Europas?
    Altersarmut ist kein Problem. Bevor das ein Problem wird, wird eher problematisch, daß Armut trotz Arbeit gefördert wird. Aber das ist egal, denn Altersarmut ist derzeit kein Problem.
    "Randgruppen" sind inländisch auch Freiberufler, Nicht-Lobbyisten, Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflichtige. Auf europäischer Ebene gibt es dann nur eine bemitleidenswerte "Randgruppe": Nichteuropakommissare/-innen http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/gutachten/ga201213/ga12_ges.pdf
    2.Kapitel III.1. ist auch typisch deutsch. Anstelle mal eine europaweite, koexistentielle Angleichung der Sozialversicherungs-Systeme zu artikulieren, wird direkt eingeschüchtert und abgeschreckt. Sehr weise...

  • Und wann sehen wir auf den Packugnen der Teifkühlhänchen die Bilder von den grauenhaften Zuständen in diesen Hähnchenbetrieben?
    Die Beame in der EU, sind schwer geisterkrank und gehören mal auf eine geschlosse Abteilung.
    Haben wir keine anderen Probleme?
    Demnächst finden wir auf Weinflaschen sicher auch Fotots von Rheumakranken, weil mal wieder eine studie herausgefunden hat, dass Weintrinken Rheuma auslöst.
    Was wollen die alleß Sich ein neues Volk schaffen, was nach den Regeln der EU-Diktatoren zu leben hat? Das wollen doch schon die Grünen.
    Also Leute, wir leben demnächst nach dem Motto
    "ich rauche nicht, ich trinke nicht und meine Kinder sind alle adoptiert"

  • Es gibt ja Behaelter fuer die Schachteln zum Kaufen, die diese Bilder wieder verdecken. Aber ansonsten finde ich die Idee gut. Ich habe auch Jahre geraucht wie ein Schlot. Jetzt saufe ich nur noch wie ein Loch ;-) Diese Bilder bringen zum Nachdenken. Moechte sowas auch auf den Alkoholprodukten haben. Und die Lebensmittelampel muesste kommen. Und wie hier schon vorgeschlagen Schlachthofbilder, Bilder von Kaefighaltung auf Eierpackungen, etc.


  • Mit solchen Bildchen bekommt man Wettbewerbseindämmung, Verbraucherschutz und auch Bürgernähe in einem Bild zusammengefasst vermittelt.

    Gut, daß wir Europapolitiker haben, die sich für uns unmündige Bürger um solche wichtigen Themen kümmern. Hut ab!

    Verbraucherschutz- und Gesundheitskommissar.

    Der Gegenpol des Wettbewerbs-KommissarIn.

    ...ich bin schwer beeindruckt.

  • geile Nummer; warum verbieten die denn nicht sofort die Produktion von Zigaretten, Alkohol und Klebstoff. Das kann man alles durch die Lunge und durch die Leber ziehen.

    Vllt. könnten Sie ja jetzt Mr. Struck als schlechtes Beispiel ...

    Irgendwann wird vorgeschrieben, das alle Europäer erst um 8 aufzustehen und um 22 Uhr in´s Bett zu gehen haben. Und zwar deshalb, weil die teuer bezahlten EU-Trottel darauf gekommen sind, das der ihre allerheiligen Energiesparlampen doch gesundheitsschädlich sind.

    Diese Reglementierungen gehen mir langsam auf´n Sack...

  • rauchen macht doch auch impotent...sehen wir dann auch hängende schwengel auf den schachteln? :-)

    bin gespannt, wann anstatt des hirsches eine zerfetzte leber auf der jägermeister-pulle auftaucht^^

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