EU-Kommission zum Griechenland-Report
IWF-Kritik ist „falsch und unfundiert“

Der IWF hat in seinem Griechenland-Bericht nicht nur eigene Fehler eingeräumt, sondern auch der EU-Kommission schwere Versäumnisse vorgeworfen. In Brüssel reagiert man pikiert. Der IWF lasse wichtige Dinge außer Acht.
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BrüsselDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat mit seinen selbstkritischen Anmerkungen zum ersten Griechenland-Hilfspaket Verärgerung in Griechenland und bei der EU-Kommission ausgelöst. Zudem sorgte am Donnerstag der Hinweis von IWF-Missionschef Poul Thomsen, dass die Euro-Partner sich verpflichtet hätten, dem Land notfalls weitere Schuldenentlastungen zu gewähren, für harsche Reaktionen in der Bundespolitik. Carsten Schneider, der SPD-Haushaltsexperte, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den Bürgern noch vor der Wahlen im September klipp und klar zu sagen, das Griechenland zusätzliches Geld kosten werde.
Der IWF hatte in einer rückschauenden Bewertung "bedeutsame Versäumnisse" und Misserfolge beim Griechenlands-Hilfspaket von 2010 im Umfang von 110 Milliarden Euro eingestanden. Auch habe er seine Standards für die Schuldentragfähigkeit aufgeweicht. Letztlich hat das Programm nach dem Urteil des IWF das Vertrauen der Investoren nicht wiederhergestellt. Die Wirtschaft sei noch viel tiefer als erwartet in die Rezession gestürzt, während die Arbeitslosigkeit in immense Höhen schnellte. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote im dem Euro-Krisenland bei knapp 27 Prozent.

Der für Griechenland zuständige Missionschef Poul Thomsen räumte ein, dass etliche Annahmen, auf denen das erste Programm basierte, zu optimistisch gewesen seien. Als dies im Jahr 2011 klargeworden sei, habe es zu lange gedauert, bis der vieldiskutierte Schuldenschnitt vereinbart worden sei. "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn das schon früher in 2011 passiert wäre", sagte Thomsen.
Die EU wies diese Kritik zurück. Anders als vom Währungsfonds rückblickend empfohlen, hätte dieser im Frühjahr 2012 vollzogene Schritt keineswegs schon 2010 erfolgen können, sagte Kommissionssprecher Simon O'Connor.

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  • Ein Fehler nach dem anderen: es wird mit der EURO-Krise niemals aufhören, wenn es unverändert so weiter geht. Beginn war der Bruch des Lissaboner Vertrages, dann flossen die Milliarden und werden weiter fließen, kein Ende in Sicht. Die ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitäten sind im Mittelmeerraum total anders als in Mittel-und Nordeuropa. Die bayrischen väterlichen Kredite an den jungen GR-König zwischen 1830-40, der Ausschluss von GR aus der Münzunion um 1845 wg. Falschmünzerei und der Statistikbetrug 1998 zur Aufnahme von GR in den EURO-Raum- ja, was muss denn noch passieren, damit Einsicht einkehrt? Diese falsch verstandene Solidarität zahlen die tüchtigen Steuerzahler. Wenn die SPD/Grünen sogar noch eine EURO-Schuldenunion wollen, dann sollten junge Deutsche besser auswandern. 2012 haben die Deutschen bis zum 7. Juli für öffentliche Abgaben gearbeitet, dann wirds bestimmt Oktober oder noch später. Nein, danke, es reicht wirklich.

  • @lensoes
    "...ein sicheres Staatskonto, frei von Parteizugriffen..."
    Gibt es so was?

  • @dago138161
    1) "...werden Agrarprodukte importiert aus Ndl und F...."
    Das ist EU Verordnung, Mitglied zu sein bedeutet geben & nehmen.
    2) "...GR hat nichts im Euro-Raum verloren..."
    Sowohl die Kommunisten in Gr als auch die Neo-Nazis sind mit Ihnen einverstanden.

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