EU kritisiert Airport-Chefs

Lufthansa weckt Hoffnung auf pünktliche Flüge

Nach tagelangen Winterkapriolen auf Europas Flughäfen mit zigtausenden gestrandeten Passagieren schlägt Brüssel Alarm. EU-Verkehrsminister Siim Kallas rügt die verantwortlichen Airport-Chefs und bestellt sie zum Rapport. Lufthansa hofft nun, ab Mittwoch wieder "nahezu normal" fliegen zu können.
9 Kommentare
EU-Kommissar Siim Kallas: "Situation ist inakzeptabel" Quelle: Reuters

EU-Kommissar Siim Kallas: "Situation ist inakzeptabel"

(Foto: Reuters)

HB DÜSSELDORF. Lufthansa-Kunden dürfen ab Mittwoch wieder auf einen regulären Flugbetrieb bei der größten deutschen Fluggesellschaft hoffen. Nach dem Wetterchaos der vergangenen Tage sehe das Unternehmen „gute Chancen für einen nahezu normalisierten Flugbetrieb“, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Alle internationalen Flüge und nahezu alle Flüge innerhalb von Europa sollen stattfinden. Ausgenommen sind jene Flughäfen, die wegen weiterhin schlechter Wetterbedingungen nicht uneingeschränkt angeflogen werden können wie etwa London.

Die Lufthansa hatte wegen der starken Schneefälle in den vergangenen Tagen für ihr Drehkreuz in Frankfurt einen Sonderflugplan eingesetzt. Am Dienstagmorgen war der dortige Flughafen erneut mehrere Stunden gesperrt. Über 400 Flüge fielen aus. Auch bei innerdeutschen Flügen zeigte sich Lufthansa optimistisch, wieder einen fast normalen Flugbetrieb anzubieten. Wetterbedingte Streichungen sollten die Ausnahmen bleiben, sagte die Sprecherin.

Zuvor war die Situation so eskaliert, dass sich sogar die EU eingeschaltet hatte. "Diese Situation ist inakzeptabel und darf nicht wieder vorkommen", sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Dienstag in Brüssel mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Er kritisierte die schlechte Organisation der europäischen Flughäfen, die zu wenig Enteisungsmittel auf Lager hätten. In den kommenden Tagen erwarte der Kommissar von dem Treffen mit Verantwortlichen aus ganz Europa Erklärungen und Pläne, um Abhilfe zu schaffen.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Flughäfen - darunter London, Frankfurt, Paris und Brüssel - vorübergehend den Betrieb eingestellt. Die EU-Kommission fordert, dass Airports auch bei Schnee und Eis in der Lage sein müssen, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. "Bessere Vorbereitung, so wie es in Nordeuropa gemacht wird, ist kein optionales Extra, sondern muss mit dem nötigen Aufwand geplant werden", verlangte der EU-Verkehrskommissar.

Das Winterwetter behindert auch am Dienstag den Flugverkehr in Europa massiv. Nach anfänglichen Zeichen der Entspannung ging das Chaos an den Flughäfen in Deutschland, England und Frankreich weiter. Bei der Deutschen Bahn gab es erneut zahlreiche Verspätungen, aber nur wenige Zugausfälle.

Der Flughafen Frankfurt musste am frühen Dienstagmorgen wegen neuer Schneefälle gesperrt werden. Am Vormittag konnte der Betrieb zwar wieder aufgenommen werden, zahlreiche Verbindungen zum Beispiel nach London wurden aber gestrichen. Vorerst war am wichtigsten deutschen Luftfahrtdrehkreuz nur eine der drei Bahnen freigegeben. Für den Nachmittag werden weiter erhebliche Behinderungen und Flugausfälle erwartet.

Ein Fraport-Sprecher wies darauf hin, dass der heftige Schneefall nicht vorausgesagt worden war. Stattdessen habe der Wetterdienst nur vereinzelte Niederschläge und leichten Schneefall prognostiziert. Dem Winterdienst sei es daher trotz Dauereinsatzes nicht gelungen, die Bahnen am Morgen schneefrei zu halten, und in so einem Fall gehe Sicherheit vor. Deshalb sei die vorübergehende Stilllegung des Flughafens beschlossen worden. „Safety first - Sicherheit ist oberstes Gebot“, betonte der Flughafensprecher. In der Nacht hätten nur noch vereinzelt Passagiere auf dem Flughafen übernachtet, die weitaus meisten Gestrandeten seien in Hotels untergebracht worden.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EU kritisiert Airport-Chefs - Lufthansa weckt Hoffnung auf pünktliche Flüge

9 Kommentare zu "EU kritisiert Airport-Chefs: Lufthansa weckt Hoffnung auf pünktliche Flüge"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit anderen Worten: Fliegen wird teurer werden - was sonst. Ansonsten habe ich fuer die Nummer der Laiendarsteller an den Flughæfen kein Verstændnis. Kaum das ein Fløckchen vom Himmel fællt, werden alle hysterisch, weil sie ahnen, dass sie nur das gerade Notwendige an Hilfsmitteln im Hause haben. Anschliessend geben sich alle ordentlich gegenseitig die Schuld und niemand will es gewesen sein.
    Thema bruesseler buerokratie: Mich wundert nur, dass keine Vorschlæge kamen, eine Schneekettenpflicht fuer Flugzeuge zu erlassen.

    ich schipp mich jetzt Richtung Weihnachten, frohes Fest und weiterhin schøne bescherungen, alle miteinander!

  • Ein Pilot-Maschine wurde kein Schnee Schippen.

  • ...und es sage mir niemand mehr, es gäbe keine einfachen Tätigkeiten mehr. bei der Schneeräumung könnte man so manchen Arbeitlosen auch ohne viele Diplome einsetzten.

  • in der Luftfahrtbranche läuft es halt genauso wie bei der bahn oder wie in den Kommunen. Das Zauberwort heißt: "Spar dich reich!" Wie kann man noch mehr Gewinne generieren? Einfach die Anzahl der Schneeräumkräfte halbieren, kein Salz mehr einkaufen und die Anzahl der Räumfahrzeuge auf Minimum senken. Dieser Winter ist kein anderer, als sonst. ich habe sogar in den Nachrichten gerade gehört, dass "der diesjährige strenge Winter den Verkehr lahm legt". Was den Verkehr wirklich lahmlegt, ist das Zu-Tode-Sparen am falschen Ende. Wie kann man jedes Jahr noch schönere Zahlen seinen Shareholdern präsentieren und sich dabei selbst jedes Jahr als Vorstand die bezüge aufs Neue im zweistelligen Prozentsatz erhöhen? ich muss als Häuptling bei den indianern sparen. Die Human Resource ist nunmal einfach ein Kostenfaktor, der abgeschafft gehört. Genauso wie Gerät, Hilfs- u. betriebsstoffe. Am besten wir setzen für alles nur noch Roboter ein. Vielleicht wollen die dann auch mal fliegen? Das könnten doch die Kunden der Zukunft sein. Wenn keiner mehr Geld verdient, dann haben die Vorstände endlich ihr Sparziel erreicht. Sie können sich dann alle hinter ihren Hochsicherheitsmauern verstecken und ihr Geld täglich durchzählen. Wir müssen uns dringend eine Alternative für die Human Resource überlegen. besonders für den Winterdienst. Den Winter haben wir doch nicht bestellt, also müssen wir den Schnee auch nicht wegräumen. Die Städte machen es vor. in unserem Wohngebiet waren seit Tagen keine Räumfahrzeuge mehr. ich habe vorhin auch erstmal wieder eine Stunde lang den Klimawandel vor meiner Haustür weggeschoben. Wir sollten alle unsere Abgaben und Gebühren an die Stadt zahlen und trotzdem alle Straßen selbst freihalten. Da wir schon DDR-Sparmethoden eingeführt haben, sollten wir auch deren improvisationstalent übernehmen. Erich Honecker hatte doch Recht: "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf." ich fühle mich in Deutschland immer mehr wie in der DDR.

  • ich möchte dem EU-Clown Slim Kallas gerne eine rote Clown-Nase aufsetzen und einen Schneeschieber in die Hand drücken. Wir wohnen in der Nähe von Frankfurt und haben trotz Regen noch 60 cm Schnee. Die Straßen sind wegen der bis zu 1,50 m hohen Schneehaufen nur einspurig befahrbar. Heute Morgen war ich auf unserem kleinen Grundstück eineinhalb Stunden Schnee schaufeln. in Frankfurt kommen die Flugzeuge im Minutentakt rein. ist doch klar, daß der Flughafen an der belastungsgrenze ist. Andere Flughäfen sind weniger ausgelastet bzw. Eis und Schnee sind dort üblich, dann rechnet sich betriebswirtschaftlich die bereitstellung von Wintertechnik. ich hoffe, daß alle, die hier laut schreien sich für diverse Katastrophen gut mit Lebensmitteln, Wasser, Heiz- und Kraftstoff bevorratet haben.
    Mal sehen was das Wetter morgen bringt.

  • "...Die EU-Kommission fordert, dass Airports auch bei Schnee und Eis in der Lage sein müssen, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten...".

    Das reicht mir nicht!! ich will auch bei Hochwasser, Vulkanausbrüchen und Nuklearekriegen so wie gebucht landen. Da muss er was machen, der Siim Kallas!!!

  • Soll man schmunzeln oder sicher ärgern über die Anmassung der bürokratenhengste aus brüssel. Für den Verkehr sind Lufthansa, Deutsche bahn, die Flughäfen und andere verantwortlich, aber sich nicht die EU. Wenn das möglich ist, würde die EU das Chaos noch vergrössern.

  • ich gebe Herrn Siim Kallas in seiner Kritik recht.
    Es kann nicht sein, daß Flughäfen und der Schienenverkehr nicht funktionieren.
    Es ist die Aufgabe von Landesregierungen und der bundesregierung sicherzustellen, daß es keine Probleme im Luft und Zugverkehr gibt.
    Er kann den Flughafenbetreibern oder den zuständigen Regierungen Empfehlungen aussprechen, aber einbestellen, das glaubeich nicht.
    Denn er ist kein Angehöriger einer frei gewählten EU-Regierung. Wie gesagt, anmahnen ja, aber nur über die nationalen Regierungen.
    Danke

  • Die EU soll sich endlich mal raushalten. Kriegt ihre eigenen Probleme nicht in den Griff und will allen vorschreiben, was sie zu tun haben.
    Die Situation, in die uns der ungeliebte Euro gebracht hat, ist weitaus unakzeptabler, als das Schneechaos.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%