EU-Länder betroffen
Putin verbietet Lebensmittel aus dem Westen

Der Kremlchef reagiert auf die Sanktionen: Westliche Lebensmittelhersteller müssen nun wegen der Ukraine-Krise auf den riesigen russischen Markt verzichten. Gegen Agrarimporte aus den USA wird besonders hart ausgeteilt.
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Moskau/Donezk/BerlinRussland kontert die westlichen Sanktionen im Ukraine-Konflikt mit einem einjährigen Einfuhrverbot für zahlreiche Agrarprodukte und Lebensmittel. Betroffen seien jene Länder, die Strafmaßnahmen gegen Moskau erlassen hätten, teilte Kremlchef Wladimir Putin in einem am Mittwoch in Moskau unterzeichneten Dekret mit. Dazu zählen die EU und die USA sowie weitere Länder wie Kanada, die Schweiz und Japan.

Alexej Alkexeenko von der russischen Gesundheitsaufsichtsbehörde sagte der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Mittwoch, alle Agrarimporte aus den USA würden unter das Verbot fallen. „Alle Produkte, die dort produziert wurden und nach Russland gebracht werden, werden verboten.“ Eine vollständige Liste werde erst am Donnerstag veröffentlicht, aber er denke, dass auch alle Importe von Obst und Gemüse aus der EU betroffen seien, sagte Alkexeenko weiter.

Der Schritt diene den nationalen Interessen und der Sicherheit Russlands, hieß es in dem Ukas. Die Sanktionen seien aus Sicht Moskaus mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. „Klagen gegen Russland schließen wir aus“, hieß es.

Der Fokus liegt nun auf Waren aus Südamerika

Im Gegenzug will Russland mehr Waren aus Südamerika importieren. Gespräche seien für diesen Donnerstag mit den Botschaftern Ecuadors, Brasiliens, Chiles und Argentiniens geplant, meldete die Agentur Interfax. Die Lebensmittelaufsicht ließ 91 brasilianische Lebensmittelhersteller für den russischen Markt zu.

Russland hatte zuletzt bereits mehrere Importverbote für westliche Produkte erlassen, diese aber mit Hygienefragen und Verbraucherschutz begründet. Nun wies Putin die Regierung zu einer strengen Preiskontrolle an, damit die Maßnahmen nicht zulasten der Verbraucher gingen. Er erwarte von den Ministerien in Zusammenarbeit mit der Polizei ein genaues „Monitoring der Warenmärkte“. Nach einem Importstopp für Obst aus Polen hatten Moskauer Medien bereits vor Preisanstiegen von etwa 40 Prozent etwa bei Äpfeln gewarnt.

Westliche Lebensmittel sind in Russland bisher überall erhältlich. Allerdings greifen viele Russen eher auf heimische Produkte zurück, weil Westware in der Regel deutlich teurer ist. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums lieferten US-Unternehmen 2013 Lebensmittel und Agrarprodukte im Wert von 1,3 Milliarden Dollar nach Russland.

Die USA haben sich vom Einfuhrverbot unbeeindruckt gezeigt. Der Schritt würde nur die Isolation Russlands erhöhen und dessen eigener Wirtschaft schaden, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Laura Lucas Magnuson, am Mittwoch.

Magnuson wies daraufhin, dass auch die russische Zentralbank davor gewarnt habe, dass ein Importverbot auf Lebensmittel die Inflation erhöhen und die Kaufkraft russischer Bürger schmälern würde. Die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen des Westens hätten die russische Wirtschaft bereits deutlich geschwächt. „Ausländische Investoren bleiben zunehmend fern und russische Investoren flüchten“, so Magnuson. Vor den Strafmaßnahmen der USA und der EU sei für das laufende Jahr bereits eine Kapitalflucht von rund 100 Milliarden Dollar (74,7 Mrd. Euro) erwartet worden.

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  • Der Westen wird bald merken, dass er sich mit den Sanktionen selbst am meisten schadet.
    Aber das sit alternativlos.

  • Der Westen wird bald merken, dass er sich mit den Sanktionen selbst am meisten schadet.
    Aber das sit alternativlos.

  • Russland hat uns noch nie überfallen. Umgekehrt schon, sogar zweimal.

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