EU-Lateinamerikagipfel: Abschlusserklärung unverbindlich
Chávez reicht Merkel die Hand

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist immer für eine Überraschung gut. Beim EU-Lateinamerika-Gipfel war es eine positive. Als sich die Leiter der Delegationen aus 60 Staaten am Freitagfrüh im Nationalmuseum vom Lima zum traditionellen Familienfoto versammelten, nutze er die Gelegenheit, Angela Merkel anzusprechen.

ap LIMA. Er habe sie nicht beleidigen wollen, sagte er der Bundeskanzlerin, und tauschte dann noch ein paar freundliche Worte mit ihr aus, wie später aus dem Umfeld Merkels kolportiert wurde. Anschließend nahm er für das Familienfoto relativ weit links in der zweiten Reihe Platz. Merkel stand dagegen ganz vorne, halbrechts von der Mitte, neben EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der argentinischen Präsidentin Cristina Fernandez Kirchner. Später kam Chávez nochmals auf Merkel zu und reichte ihr die Hand.

Mit seiner Geste befreite er den Gipfel überraschend von einer größeren Last. Seit dem letzten Wochenende hatte er heftig gegen Merkel gewettert, weil die ihm das Recht abgesprochen hatte, die Interessen anderer lateinamerikanischer Staaten zu vertreten. Zuerst rückte er sie in die Nähe von Adolf Hitler und noch kurz vor seinem Abflug nach Lima sprach er ihr jegliche Vernunft ab und forderte sie auf, sich wie eine Staatsfrau zu benehmen.

Beim Gipfel kam es dann doch fast so, wie der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der Chávez bestens kennt, bei seinem Treffen mit Merkel am Mittwoch prophezeit hatte: „Sie werden sich treffen, einen Kaffee trinken, und der Frieden wird wieder einkehren zwischen Caracas und Berlin.“

Nach dem Handschlag konnten sich Merkel und Chávez ganz den eigentlichen Gipfelthemen widmen: Armutsbekämpfung und Klimawandel. In einem 57 Punkte umfassenden Papier wurden Absichtserklärungen dazu festgehalten, die für die Teilnehmerstaaten allerdings nicht verbindlich sind.

Die Frage, ob sich der gigantische Aufwand für das eintägige Interkontinentaltreffen lohnt, stand daher schon vor der Eröffnungszeremonie im Raum. 15 europäische Staats- und Regierungschefs nahmen für ihre Präsenz bei dem eintägigen Treffen den weiten Weg in die peruanische Hauptstadt auf sich.

Zur Verkehrsberuhigung rief die Regierung kurzerhand zwei Feiertage aus und sperrte die Innenstadt weitgehend. 50 000 Polizisten wurden abgestellt, um den sicheren Ablauf der Mega-Konferenz zu gewährleisten. Zum Vergleich: Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Sommer waren „nur“ 16 000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

„Ich finde, dieser Gipfel ist richtig und lohnt sich“

Merkel wies Zweifel an der Angemessenheit des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag zurück. Die Kanzlerin nutzte das Treffen für eine Reihe bilateraler Treffen und verband die Reise mit dem Besuch weiterer lateinamerikanischer Länder. Nach Lima reiste sie aus Brasilien an, am (morgigen) Samstag geht es nach Kolumbien weiter und anschließend noch nach Mexiko.

Allein die Tatsache, dass die 60 Staaten beider Kontinente in einem solch prominenten Rahmen zusammenkommen, schafft nach Merkels Ansicht Vertrauen und kann Differenzen überbrücken. Der Gipfel sei eine „Chance, dass beide Kontinente sich näher kommen“, sagte sie unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung in Lima. Lateinamerika setze große Hoffnung auf die Partnerschaft mit Europa, und die Europäer seien gefordert, darauf einzugehen. „Ich finde, dieser Gipfel ist richtig und lohnt sich."

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