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12.02.2007 
Gefahr von Produktionsverlagerung

EU-Papier warnt vor Folgen strenger Abgaswerte

von Michael Scheerer

Die Bedenken in der EU-Kommission, dass gesetzliche Abgasnormen Produktionsverlagerungen zur Folge haben könnten, sind größer als bisher angenommen. Gerade Russland könnte davon profitieren. Die Hintergründe dieser Befürchtungen sind aber nicht so klar wie es zunächst scheint.

BRÜSSEL. In der EU-Kommission ist die Sorge vor den negativen wirtschaftlichen Folgen gesetzlicher Abgasnormen für Neuwagen größer als bisher bekannt war. Ein Arbeitspapier aus den Dienststellen von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas warnt vor der Verlagerung von Jobs in Drittländer, wenn die europäische Automobilindustrie wie geplant verpflichtet wird, den Kohlendioxidausstoß ab 2012 auf 130 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Vor allem Russland könne „als interessanter Produktionsstandort an Bedeutung gewinnen“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die interne Untersuchung der Brüsseler Behörde soll nicht veröffentlicht werden. Sie beruht in großen Teilen auf einer Studie des Gelsenkirchener KFZ-Experten Ferdinand Dudenhöffer über die Auswirkungen strengerer Abgasnormen auf die Struktur der europäischen Automobilmärkte. Eine Kommissionssprecherin sagte, die Erkenntnisse hätten lediglich der internen Vorbereitung des letzte Woche veröffentlichten CO2-Strategiepapiers gedient. Demnach soll die Autoindustrie den Kohlendioxidausstoß durch verbesserte Motoren auf 130 Gramm pro Kilometer senken. Weitere zehn Gramm Einsparung sollen etwa durch die Beimischung von Biokraftstoffen oder neue Reifen erzielt werden. Erst im Zusammenhang mit dem geplanten Gesetzgebungsvorschlag, der bis Mitte 2008 kommen soll, werde die Kommission eine Analyse über die Auswirkungen einer CO2-Höchstgrenze vorlegen, so die Sprecherin.

Anders als von der deutschen Automobilwirtschaft befürchtet, müssen sich laut der internen Expertise die Hersteller von PS-Boliden wie Porsche und BMW weniger Sorgen um den Standort machen als die Produzenten von Kleinwagen. „Höhere Kosten für die Entwicklung neuer, sparsamer Technologien drücken vor allem bei preiswerten Fahrzeugen auf die Margen“, sagte Dudenhöffer dem Handelsblatt. Daher seien französische und italienische Hersteller in der gleichen Ausgangslage wie ihre deutschen Konkurrenten.

Zwar lägen die CO2-Werte französischer Marken schon heute bei 150 Gramm pro Kilometer, während etwa die Volkswagen-Flotte einen Durchschnittswert von gut 162 Gramm aufweise. Doch ob Peugeot und Fiat die zu erwartenden Vorgaben aus Brüssel leichter erfüllen können als VW oder Opel, hänge von der konkreten Ausgestaltung der Grenzwerte im Gesetzgebungsvorschlag ab. In dem Kommissionspapier heißt es dazu, PS-starke Nobelmarken seien weniger betroffen, da deren Kostendruck bei der Produktion geringer sei als bei Klein- und Mittelklassefahrzeugen. Allerdings sei der „Innovationsdruck“ auch im Luxussegment hoch. In Brüsseler Branchenkreisen verlautete, kein Hersteller könne es sich leisten, seine Premium-Marken nicht auf den modernsten Stand der Umwelttechnik zu bringen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verheugen wird von EU-Beamten kritisiert

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