EU-Pläne
Kampfansage an schwimmende Klimakiller

Fracht- und Passagierschiffe können beim Schadstoffausstoß locker mit Flugzeugen mithalten. Die Europäische Union will den Emissionshandel daher nicht nur auf die Luftfahrt, sondern auch auf den internationalen Schiffsverkehr ausweiten. Die Reeder reagierten prompt.

BRÜSSEL. Anlass für den EU-Vorstoß ist der hohe Schadstoffausstoß durch den kommerziellen Schiffsverkehr. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist die Seeschifffahrt für 2,7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Dies entspreche etwa der Größenordnung des Luftverkehrs. Zudem emittieren Schiffe zehn Prozent des globalen Schwefeldioxids und bis zu einem Viertel der Stickoxide.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO habe bei der Lösung dieses Problems keine Fortschritte erzielt, sagte der SPD-Europaabgeordnete und Verkehrsexperte Willi Piecyk. Deshalb müsse jetzt die EU die Reeder über den Emissionshandel zu größeren Anstrengungen beim Abbau von Kohlendioxid und im Kampf gegen den Klimawandel verpflichten.

Die Pläne der EU-Kommission stoßen bei Europas Reedern auf vorsichtige Zustimmung. „Grundsätzlich stehen wir dem Emissionshandel offen gegenüber“, sagte der stellvertretende Generaldirektor des Europäischen Reeder-Verbandes ECSA, Tim Marking. Zweifel gebe es aber an der praktischen Umsetzbarkeit. So sei es schwierig, Informationen über den Kohlendioxidausstoß jedes einzelnen Schiffes zu bekommen. Dies betreffe besonders Schiffe unter Billigflaggen aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

Die Pläne von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sehen vor, dass Frachter und Passagierschiffe künftig CO2-Zertifikate vorweisen müssen, wenn sie einen Hafen in der EU anlaufen. Um zu beurteilen, ob die vorliegenden Zertifikate ausreichen oder die Reederei weitere Emissionsrechte zukaufen muss, sind Daten über den CO2-Ausstoß eines Schiffes nötig. Dies sei wegen der unterschiedlichen Motoren und Kraftstoffqualitäten sehr kompliziert, betonte Marking. Für die europäischen Reeder aber könne der Emissionshandel durchaus attraktiv sein, da ihre Schiffe modern und deshalb oft umweltfreundlicher seien als die der Konkurrenten.

Die Bundesregierung äußerte sich positiv zu den Plänen der EU-Kommission. Strenge Standards für den internationalen Schiffsverkehr würden Umweltrisiken und Sozialdumping entgegenwirken, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller, dem Handelsblatt. Deshalb sei aus Sicht der Bundesregierung eine Ausweitung des Emissionshandels zu begrüßen. Die EU-Länder müssen den Plänen zustimmen. Widerstand könnte dabei vor allem aus Griechenland und Zypern kommen, die über große Flotten verfügen, heißt es in der Kommission.

Seite 1:

Kampfansage an schwimmende Klimakiller

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%