EU-Russland-Gipfel
Medwedjew, der Staat und die Wirtschaft

Den Ort für den Gipfel mit der EU hätte der Kreml kaum besser wählen können. In Chanti-Mansijsk zeigt sich die russische Provinz von ihrer allerbesten Seite, Öl und Gas haben der Region Reichtum beschert. Doch gerade die Exportschlager Russlands sind es, die den westlichen Nationen Sorge bereiten. Eine skeptische Bilanz.

CHANTI-MANSIJSK. Propere Apartmenthäuser säumen die sauberen Straßen, über der Stadt mit ihren 60 000 Einwohnern thront eine neue Kirche in Gold und Marmor, die Region hat die höchste Geburtenrate im Land. Und kein anderer als Stararchitekt Sir Norman Foster will hier ein futuristisches Geschäftszentrum in den sibirischen Sumpf stellen, die Baugrube ist schon ausgehoben. Keine Frage: Wenn Russlands Provinz im Jahr 2020 überall so aussieht, dann hat es das Land geschafft.

Die Region verdankt ihren Reichtum den Rohstoffen, die Russlands Wirtschaftsboom losgetreten und dem Land in der Welt wieder Macht und Einfluss beschert haben: Öl und Gas. Knapp 40 Prozent aller Ölexporte des Landes stammen von hier, die Steuerüberweisungen der Region in Westsibirien machen 15 Prozent des russischen Staatshaushalts aus. Chanti-Mansijk ist das Stein gewordene Symbol des russischen Rohstoffaufschwungs - nicht ohne Grund heißt die Region im Volksmund "die Emirate".

Viel hängt von ihr ab: Die EU deckt rund 44 Prozent ihres Erdgas- und 27 Prozent des Rohölverbrauchs aus Russland, in den kommenden 20 Jahren dürfte vor allem beim Gas die Menge weiter steigen - trotz der Suche der Europäer nach alternativen Bezugsquellen. Aus westlicher Sicht stehen im Verhältnis zu Russland daher vor allem zwei Fragen im Vordergrund: Kann das Land seinen Lieferverpflichtungen nachkommen? Und welche Sicherheit besteht für die internationalen Firmen, die in Russland Rohstoffe aus dem Boden holen?

Die Antworten können derzeit kaum zufriedenstellen: So ist Russlands Ölförderung seit Jahren erstmals rückläufig. In den ersten Monaten 2008 fiel die Förderung leicht auf 9,72 Mill. Barrel pro Tag. Russland zahlt den Preis für eine verfehlte Energiepolitik. Hohe Steuern und der zunehmende Einfluss des Staates haben jährliche Produktionszuwächse von fast 20 Prozent zur Jahrtausendwende in ein Minus verwandelt. In Westsibirien gelten die Quellen inzwischen als "reif", sie weiter auszubeuten ist teuer und erfordert den Einsatz modernster Technologien. Bei neuen Projekten wie dem in der arktischen See gelegenen Schtokman-Feld oder der Entwicklung der Jamal-Halbinsel hat die Arbeit gerade erst begonnen.

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