EU-Schätzungen
Kein Ende der Durststrecke für Spanien

Entgegen den Hoffnungen der Regierung erwartet die EU-Kommission auch im nächsten Jahr einen Konjunktureinbruch in Spanien. Premier Mariano Rajoy sieht indes Licht am Ende des Tunnels. Nächstes Jahr werde besser.
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MadridSpanien droht eine härtere und längere Durststrecke. Die EU-Kommission sagt dem Land einem Medienbericht zufolge für 2013 einen stärkeren Konjunktureinbruch voraus als ihn die Regierung in Madrid erwartet. Ministerpräsident Mariano Rajoy hingegen geht davon aus, dass sein Land die wirtschaftliche Talsohle in diesem Jahr hinter sich lässt.

"2014 wird es Wachstum in Spanien geben. 2012 wird das schlimmste Jahr gewesen sein und das nächste Jahr wird besser werden", sagte Rajoy am Dienstag in einem Hörfunk-Interview. Größtes Problem für die Wirtschaft seien Finanzierungsengpässe. Ob Spanien einen Antrag auf europäische Hilfsgelder stellen wird, ließ Rajoy erneut offen.

Die EU-Kommission legt am Mittwoch in der Herbstprognose ihre Schätzungen für den Konjunkturverlauf in den EU-Ländern vor. Nach einem Zeitungsbericht sagt die Brüsseler Behörde Spanien für 2013 einen dreimal so starken Rückgang der Wirtschaftsleistung voraus wie die Regierung in Madrid. Das Bruttoinlandsprodukt werde demnach um 1,5 Prozent fallen, berichtete die Tageszeitung "El Pais" unter Berufung auf den Entwurf der Kommission.

Die Regierung geht nur von einem Minus von 0,5 Prozent aus. Für dieses Jahr rechnet die Kommission mit minus 1,6 Prozent. 2014 erwartet sie demnach ein Wachstum von 0,5 Prozent, während die Regierung dann sogar ein Plus von 1,2 Prozent anpeilt. Auch für den Abbau des spanischen Staatsdefizits sind die Experten in Brüssel deutlich pessimistischer als Rajoy und sein Kabinett.

Spaniens Wirtschaft kommt nach dem Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise nur schwer wieder auf die Beine. Derzeit steckt das Land tief in der Rezession und Rajoys Sparkurs bremst das Wachstum zusätzlich. Dies signalisieren auch neue Daten vom wichtigen Dienstleistungssektor. Die Service-Firmen verbuchten wie seit 16 Monaten schrumpfende Geschäfte, wie aus einer Markit-Umfrage hervorgeht.

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Rajoy: „Dann wäre das Ganze nicht sinnvoll“

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  • Das Spanien Regierung nicht unter den Rettungsschirm ESM will, ist mir schon klar, den dann würde man die vielen Finanzleichen im Keller finden, die man als stolzer Spanier verschweigt. Zum Beispiel, das die die Spanischen Regionen ihre Rechnungen nicht bezahlten und die Apotheken seit Mai auf ihr Geld in der Höhe von 450 Millionen warten.

  • @Ichbinsdoch: ....Warum das System noch nicht kollabiert ist, scheint ein Wunder zu sein. Oder eher alles ein gut geplanter "Putsch" gegen die Demokratie und angeblich "soziale Marktwirtschaft" ?

    Ohne weiter Worte: Wikipedia liefert die Erklärung zum Dilemma:

    Eigeninteresse der Gemeinschaften:
    Eine Gemeinschaft entwickelt ein Eigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen der Lebensführung der Mitglieder bemisst und entsprechend auf vielerlei Weise miteinander verflochten ist. Bestärkt wird dies durch eine deutliche Trennungslinie zwischen uns und den Anderen. Nicht selten fällt deshalb der Austritt aus der Gemeinschaft nicht leicht, wird auch behindert oder moralisch diskreditiert („Untreue“), denn einen argumentativ vorbringbaren Einzelzweck haben sie gerade nicht. Politische Zwangsverbände werden oft als „Gemeinschaften“ deklariert, um ihre Mitglieder moralisch an sie zu binden, am nachhaltigsten in totalitären Diktaturen.

    Grenzen der Vergemeinschaftung:
    Menschliche Individuen (soziale Akteure) können „Gemeinschaften“ nur begrenzt bilden. Es ist ihnen praktisch nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt in allen ihren sozialen Beziehungen gemeinsame Ziele zu verfolgen oder jegliche Handlungen gemeinschaftlich durchzuführen. Im theoretisch strengen Sinne ist es ihnen sogar nie zur Gänze möglich, obwohl sie es anders empfinden können. Der Begriff „Gemeinschaft“ ist daher oft eine missbrauchte Fiktion. Der Begriff dient dann zumeist dazu, Menschen zu von Zweckorganisationen oder von einzelnen charismatischen Personen gewünschten Handlungen zu drängen, indem der Eindruck erweckt wird, dieses Handeln geschehe für ihm teure oder lebenswichtige Gemeinschaften (vgl. Ideologie, Derivation). So propagierten die Nationalsozialisten den Begriff der „Volksgemeinschaft“, um die von ihnen beherrschten Menschen für ihre Ziele zu gewinnen und um Unerwünschte auszuschließen.

  • Warum das System immer noch nicht kollabiert ist, liegt daran, dass die Deutsche noch ca. 10 Billionen € noch auf der Hohen Kante haben! Die Zahl der deutschen Millionäre stieg durch die Krise ab 2008 von 834.000 auf über 1.125.000 Personen (Firmen nicht mitgerechnet!).

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