EU-Schuldenkrise
Barroso bekommt heftigen Gegenwind

Europa streitet heftig über den richtigen Weg aus der Schuldenkrise. Mit seiner Kritik an den Ergebnissen des Krisengipfels zieht vor allem Kommissionspräsident Barroso den Ärger auf sich.
  • 16

Berlin/LuxemburgIm Windschatten des US-Schuldendebakels ist in der EU ein offener Streit über die Instrumente zum Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise entbrannt. Dabei bläst vor allem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso heftiger Gegenwind ins Gesicht. Der Portugiese hatte am Donnerstag - nur gut zwei Wochen nach dem Brüsseler Euro-Krisengipfel - eine Überprüfung aller Elemente des Rettungsschirms EFSF einschließlich dessen finanzieller Ausstattung verlangt. 

Dieser Vorstoß provoziert nun anhaltende Kritik: Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok rügte am Samstag im Deutschlandfunk: „Brüssel, muss man sagen, hat in dieser Woche nicht geschickt reagiert, weil es die Nerven verloren hat.“ Es gebe „zu viele Politiker, die in dieser Frage den Mund nicht halten können“. Die Bundesregierung wollte sich am Wochenende weder zur europäischen Schuldenkrise noch zur Abstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's äußern. „Einfach mal die Klappe halten“, wäre ein gutes Motto der Stunde, hieß aus deutschen Regierungskreisen lediglich. 

Bereits am Freitagabend hatte der Vorsitzende der Euro-Gruppe, der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker, deutliche Worte gefunden, ohne Barroso direkt zu erwähnen. Nach Junckers Ansicht sollten die 17 Euro-Staaten nicht über mehr Geld für den Krisenfonds EFSF streiten. Stattdessen sollten sie dafür sorgen, dass „bis Anfang September, spätestens Mitte September“ die bei dem Sondergipfel am 21. Juli beschlossenen neuen Befugnisse des Rettungsfonds in Kraft treten können. „Die Politik muss der Irrationalität der Finanzmärkte aktive Ruhe entgegensetzen“, sagte er in Luxemburg. Er halte nichts davon, durch „unüberlegte, zu divergierenden Interpretationen Anlass gebende öffentliche Äußerungen“ zum Nachdenken über zusätzliche Maßnahmen einzuladen. 

Nach Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordnetes Axel Schäfer muss bei der Umsetzung der Gipfelbeschlüsse jetzt aufs Tempo gedrückt werden. Die Euro-Schuldenkrise erst am 21. September auf die Tagesordnung des Parlaments zu setzen, sei angesichts der sich überschlagenden Entwicklungen viel zu spät, sagte Schäfer am Samstag. 

Der SPD-Finanzpolitiker Joachim Poß mahnte eine Führungsrolle der Politik an: „Die Finanzmärkte sind irrational. Die Politik muss eigentlich die Finanzmärkte führen. Die Politik muss klare Signale geben.“ Diese klare Signale der Politik habe es in den USA nicht gegeben, sagte Poß am Samstag der dpa. Aber auch in Europa handelten die Akteure „nicht so geschlossen, wie es notwendig ist, um diese Irritationen aus den Märkten zu nehmen“. 

Seite 1:

Barroso bekommt heftigen Gegenwind

Seite 2:

Kommentare zu " EU-Schuldenkrise: Barroso bekommt heftigen Gegenwind"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Klare Richtung vorgeben??Ja bitte,aber nicht indem man nur immer mehr Geld den Spekulanten in den Rachen wirft.Schafft endlich die Beitragsbessungsgrenze ab,führt einen 20% höheren Spitzensteuersatz ein.....Nehmt euch die Länder im Norden zum Vorbild.Die haben weniger Probleme.Kleine Schultern tragen kleine Lasten,große Schultern müssen große Lasten tragen!!!!Nur wenn die Politik das einsieht kann es wieder Hoffnung für Deutschland geben.Unsere Unternehmen bedenken eines nicht:niedrige Löhne=niedrige Rente!Dann können halt die Kinder der Unternehmer später nichts oder nur viel weniger verkaufen.Bei den Aussichten der Rentner reicht es nur noch für Nahrung.

  • Ah, Herr Barroso bekommt Gegenwind - nicht, daß er da noch umgepustet wird.

  • Asoziales primitives Geschwätz von einem anonymen Underdog!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%