EU-Schuldenkrise Die Woche der Wahrheit naht

Die Erwartungen an den Gipfel zur Schuldenkrise sind hoch. Die Märkte sind hoch nervös, ein Befreiungsschlag soll sie beruhigen. Die Einführung von Eurobonds wird wahrscheinlicher und auch der IWF meldet sich zu Wort.
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Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind sich einig - ohne Änderungen in den EU-Verträgen erteilen sie Euro-Bonds eine Absage. Quelle: Reuters

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind sich einig - ohne Änderungen in den EU-Verträgen erteilen sie Euro-Bonds eine Absage.

(Foto: Reuters)

Brüssel/Berlin/PassauNächste Woche ist es soweit: Die Europäische Union will bei ihrem Gipfel in Brüssel die Lösung der Schuldenkrise entscheidend voranbringen. Die Erwartungen an das Treffen sind hoch. Aus Sicht der Finanzmärkte muss der Politik endlich ein Durchbruch in der Schuldenkrise gelingen, ansonsten sei mit einer Zuspitzung der Krise zur Jahreswende und weltweit mit weiteren dramatischen Kursverlusten zu rechnen.

Die Finanzmärkte sind aktuell hochnervös. „Nächste Woche blicken alle auf den anstehenden Gipfel“, sagte Ken Polcari von ICAP Equities in New York. „Aber man darf nicht vergessen, dass dies bereits der 15. Gipfel der Krise ist.“ Immer wieder schürten solche Treffen die Erwartungen der Marktteilnehmer, und immer wieder seien sie enttäuscht worden. Die Europäer schienen schließlich doch den Ernst der Lage zu erkennen, sagte Phil Orlando von Federated Investors. „Sie machen sich endlich klar, dass dies ihr Lehman-Ereignis ist und sie dasselbe tun müssen, wie die USA in der Zeit von 2007 bis 2009.“

Kurz vor der Woche der Entscheidung gibt es erste Bewegungen. So wackelt die strikte Position Deutschland bei der möglichen Einführung der Eurobonds. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte diese bislang abgelehnt. In der Bundesregierung werden gemeinsame Staatsanleihen im Gegenzug für Änderungen an den EU-Verträgen hin zu mehr Haushaltsdisziplin nun auf Dauer nicht mehr ausgeschlossen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte zwar Eurobonds in der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag) zum jetzigen Zeitpunkt erneut strikt ab. Auf die Frage, ob Eurobonds eingeführt werden könnten, falls es Regeln für strikte Haushaltsdisziplin gebe, sagte er jedoch: „Wenn wir eine echte, stabile und nachhaltige Fiskalunion in Europa erreicht haben, hätten wir eine völlig neue und andere Situation.“ Auf die Nachfrage, ob am Ende dann Eurobonds stehen könnten, sagte er: „Da halte ich es mit der Bundeskanzlerin: Man soll das Pferd nicht von hinten aufzäumen.“

Auch der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger warnte davor, gemeinsame europäische Staatsanleihen kategorisch auszuschließen. Er sagte der „Welt“, Eurobonds könnten „einen Schlussbaustein bilden nach und neben den Konsolidierungsmaßnahmen und den Veränderungen im EU-Vertrag von Lissabon“. Der Energiekommissar und frühere baden-württembergische Ministerpräsident äußerte die Hoffnung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre bisherige ablehnende Position noch ändern werde. Niemand lege schon zum Auftakt von Verhandlungen alle Karten auf den Tisch.

Bis es am Freitag zu dem Treffen in Brüssel kommt, steht noch eine Vielzahl anderer wichtiger Termine auf dem Plan: Am Montagnachmittag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Paris, um mit Präsident Nicolas Sarkozy den EU-Gipfel vorzubereiten. Die beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Schuldenkrise und demonstrieren als „Merkozy“ genanntes Tandem öffentlich Einigkeit.

Obwohl es auch Differenzen in einige Punkten gibt, so herrscht in Sachen Vertragsänderungen doch weitgehend Einigkeit. Sowohl Merkel als auch streben an, dass die Haushaltspläne der Euro-Staaten schärfer kontrolliert und Haushaltssünder in der Euro-Zone bestraft werden müssen. Auch Sarkozy ist für rasche, automatischere und strengere Sanktionen.

Auch dem US-Finanzminister Timothy Geithner stehen nächste Woche zahlreiche Termine in Europa bevor. Am Dienstag kommt er zu Gesprächen mit hochrangigen Vertretern der Euro-Zone. Zunächst trifft er sich in Frankfurt mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dem neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sowie Bundesbankchef Jens Weidmann.

Am Mittwoch werde sich Geithner in Paris mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und in Marseille mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy beraten. Zum Abschluss stehe am Donnerstag ein Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti in Mailand auf dem Programm.

Hinter den Kulissen arbeitet inzwischen der Internationale Währungsfonds (IWF) auf eine Lösung der Staatsschuldenkrise hin, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Der Fonds hat Bereitschaft zur Vergabe von Krediten an angeschlagene Euro-Länder signalisiert.

Auf die Frage, warum sich der IWF nicht mit Krediten an Länder wie Spanien und Italien stärker engagiere, zeigte sich Lagarde dazu bereit. „Nach meinem Wissen ist dies aber noch nicht beantragt worden“, erklärte sie. Frankreichs ehemalige Finanzministerin forderte von den Euro-Ländern, schnell zu einer gemeinsamen und umfassenden Lösung der Krise zu finden. „Was wir brauchen, ist eine Konsolidierung der Finanzen, die fest verankert ist, entschlossen und unumkehrbar.“

„Zerfall von Euro-Zone muss verhindert werden“
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27 Kommentare zu "EU-Schuldenkrise: Die Woche der Wahrheit"

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  • Na Gabor ist ja ein Linker das kommt schon alles hin.

  • Raus aus dem Euro solange wir das noch können.

  • Ich zitiere:
    >>>>>>>>
    Frankreichs ehemalige Finanzministerin forderte von den Euro-Ländern, schnell zu einer gemeinsamen und umfassenden Lösung der Krise zu finden. „Was wir brauchen, ist eine Konsolidierung der Finanzen, die fest verankert ist, entschlossen und unumkehrbar.“
    <<<<<<<<
    Da kann man nur warnen:
    Ja, eine "unumkehrbare" Konsolidierung!!
    D.h.: Wenn jetzt in der Krise - unter Druck von allen möglichen Seiten - eine Zusage Deutschlands gemacht wird, sich zu seienen Ungunsten an der von anderen Euro-Staaten herbeigeführten Euro-Krise zu beteiligen, z.B. in Form von Euro-Bonds, dann so ist es natürlich im äußersten Interesse aller übrigen Euro-Länder, dass das von vorn herein "unumkehrbar" ist!

  • Ja, ich meine auch, dass hier mit der Eurobond-Einführung seitens der Systempresse ein ganz besonderes linkes Spiel durchgezogen wird. Auch sie sind, wie die Börsen, z. Zt. hochgradig nervös. Könnte ja nämlich sein, dass alle an der Regierung beteiligten Parteien bei ihren Nein zu den Eurobonds bleiben... ein geradezu unmögliches Ding!

  • Wieso isolieren? Finland ist strikt gegen Eurobonds.
    Natürlich sind alle Nehmerländer, die in der Überzahl sind dafür.

    Leider liest man in den deutschen Systemmedien selten etwas über die Euro-Einstellung in Finland und den Niederlanden.

  • Die Maerkte sind nervoes, die Maerkte sind hoch nervoes, die Maerkte sind in Panik! Das ist alles was den Blaettern einfaellt zu schreiben!
    Na gut, solange es die Maerkte sind und nicht die Menschen, was solls? Was sind den schon die Maerkte gegen 7 Milliarden Menschen? Ja klar, wesentlich wichtiger, weil sie die 99% der Ratten, wie sie es nennen, als Zinssklaven haelt und das ist das was die "Maerkte" so wichtig macht.
    Ach ja, fast haette ich es vergessen, es sind ja auch die "Maerkte" die sich die Medien halten fuer ihre Probaganda! Die dort Beschaeftigten haben es nur noch nicht alle gemerkt, dass sie zweimal versklavt sind!

  • Nur weil immer mehr darüber berichtet wird macht es das nicht richtiger!
    Keine Euro Bonds!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Angie bleib hart!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Warum sind manche Parteien die früher mal ne Volkspartei waren(SPD) so geil drauf die Renten/Sozialabgabenvon uns anderen Ländern zu übergeben?
    Das gibt einen sozialen Unfrieden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Fette Sozialabgaben auf Kapitalerträge (35%) + Steuern 15% müssen her und zwar Weltweit!!!!!!!!!
    Sonst bekommen die Staaten das nie in Griff.Wo war denn die ganze Zeit die " Soziale Marktwirtschaft"???????????????

  • Dem schließe ich mich an. Was das Handelsblatt hier treibt, ist nicht in Ordnung, leider. In der FAZ und bei FTD liest sich alles viel sehr viel nachvollziehbarer. Ich glaube ich geht es um den Anzeigenvertrieb.

  • Dieses ganze apokalyptische Stammtischgeschwätz hier nervt langsam. Komisch, dass gerade das Handelsblatt hier einen ganz bestimmten Typus von Bloggern magisch anzieht. Ach wie simpel und reflexartig sich hier die "German Angst" gepaart mit einer geradezu peinlich, rückwärtsgewandten D-Markt Romantik hochschaukelt. Viele Beiträge bedienen stets dasselbe Muster: "Ihr da Oben".. könnt machen was ihr wollt. Das bringt alles sowieso nichts - wir gehen unter..
    Keine Angst, auch morgen geht die Sonne wieder auf und die polternden Stammtischbrüder werden weiter ihr Bier in Euro bezahlen und danach gesättigt nach Hause wanken. Dann fallen Sie zufrieden und trunken in ihr Bett und basteln am nächsten groß möglichst anzunehmenden Albtraum.

  • An alle Euro-Armageddon-Zeitungen:
    Die Zinsen für Euro-Staatsanleihen fallen seit einigen Tagen massiv.

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