EU-Schuldenkrise Schäuble stärkt Griechen den Rücken

Der Finanzminister bekennt sich zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone – noch vor dem Bericht der Troika. Einen Staatsbankrott werde es nicht geben, sagte Schäuble. Ein Aufschub für die Sparmaßnahmen deutet sich an.
Update: 14.10.2012 - 11:27 Uhr 106 Kommentare
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Kein Staatsbankrott Griechenlands. Quelle: dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Kein Staatsbankrott Griechenlands.

(Foto: dapd)

Singapur/AthenBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich erstmals eindeutig für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen. „Es wird nicht passieren, dass es in Griechenland einen Staatsbankrott gibt“, sagte Schäuble am Sonntag in Singapur auf einer Veranstaltung der deutschen Außenhandelskammer. Wenn Griechenland den Euro verlassen würde, resultierten daraus „riesige Probleme für alle“.

Bisher hatte Schäuble eindeutige Aussagen vermieden und Entscheidungen der Euro-Zone zu Griechenland davon abhängig gemacht, wie der Troika-Bericht Anfang November ausfallen wird. Bisher ist bei der Überprüfung der griechischen Reformen unklar, wie die neuen Haushaltslücken 2013 und 2014 geschlossen werden können.

Schäuble sagte, die Bundesregierung „vertraut darauf, dass Samaras das umsetzt, was er umsetzen muss“. Deutschland sei bereit, Griechenland beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung zu helfen. Schäuble wies darauf hin, dass auch wenn Griechenland aus dem Euro austrete, die griechische Bevölkerung weiter in Europa lebe, deshalb werde es für niemanden in Europa einfacher, wenn dies passiere. „Der Austritt ist keine Option“, sagte Schäuble.

Aus den Äußerungen des Bundesfinanzministers lässt sich ablesen, dass weitere Hilfen der internationalen Partner des Landes möglich werden dürften. Schäuble sendet die Botschaft, dass man Griechenland nicht fallen lassen wird.

Allerdings sagte der CDU-Politiker dem südeuropäischen Land einen steinigen und schmerzhaften weiteren Reformweg voraus. „Griechenland muss eine Menge sehr ernster Reformen vornehmen“, sagte er. Und das werde wehtun. Davon abzuweichen, würde riesige, unglaubliche Probleme aufwerfen, die auch auf die anderen Euro-Partner ausstrahlen. Er sehe aber eine wachsende Unterstützung in der griechischen Bevölkerung für diesen steinigen Reformkurs, den die Regierung Samaras gehe. Zu diesem Kurs gebe es keine Alternative. Dabei werde man Griechenland helfen. Dahinter stehe, dass man damit auch das wiederkehrende Vertrauen in Europa stärken wolle.

Griechenland will sich spätestens in der kommenden Woche mit seinen internationalen Geldgebern auf ein neues Sparpaket einigen. Bis zum EU-Gipfel am 18./19. Oktober werde Griechenland seine Differenzen mit der Troika überbrückt haben, sagte der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras der Zeitung „Kathimerini“ (Sonntagausgabe) laut Vorabbericht.

Die Gläubiger Griechenlands unterstützen einem Bericht zufolge die Forderung Athens nach einem Aufschub für neue Sparmaßnahmen. Die Gruppe aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF habe die Euro-Finanzminister in der vergangenen Woche gebeten, Griechenland zwei Jahre mehr Zeit für das Erreichen der vereinbarten Sparziele zu erreichen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe. Griechenland muss neue Sparmaßnahmen in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vorlegen, damit die Eurostaaten und der IWF eine neue Tranche Hilfsgeld in Höhe von 31,5 Milliarden Euro freigeben.

Kommunikation in Europa „ein Desaster“
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106 Kommentare zu "EU-Schuldenkrise: Schäuble schließt Euro-Austritt Griechenlands aus"

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  • @graeculus

    Der goldene Reiter kam wohl eher aus dem heutigen Staat Mazedonien ( Fyrom-Skopje aus Sicht ewig verwirrter "EU Hellenen"). Oder meinten Sie ihre nordgriechische Provinz Makedonien?.

    Auf guten Argumenten fällt ihnen wohl nur die übliche, beleidigende "Tavernenargumentation" ein.

    Ich durchschau ihr "Weltbild" nicht ganz. Obwohl, bei ihrer sehr eingegrenzten Oligarchenpresse...

  • Es heisst Makedonien. Und zweitens ist es offensichtlich, dass sie allein schon auf Grund ihrer Sprachkenntnis der deutschen Boulevardpresse völlig ausgeliefert sind.

  • @ r-tiroch@t-online.de
    Sie haben völlig recht, es ist unglaublich.

    ++++++++
    HB Video am 11.10.2012
    Schäuble lehnt Schuldenschnitt für Griechenland ab

    HB am 11.10.2012 Schäuble legt sich beim Thema Griechenland mit IWF an
    „ ….Wenn der Troika-Bericht von IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission zu den Reformschritten positiv ausfalle, könne die nächste Hilfetranche ausgezahlt werden - und wenn nicht, dann nicht. „

    HB am 12.10.2012: Lagarde und Schäuble balgen sich ums Geld
    …."Es bleibt abzuwarten, wie sich die Troika und Griechenland verständigen", wiederholt Schäuble gebetsmühlenhaft.

    HB am 14.10.2012: Schäuble schließt Euro-Austritt Griechenlands aus
    … „Der Finanzminister bekennt sich zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone – noch vor dem Bericht der Troika. Einen Staatsbankrott werde es nicht geben, sagte Schäuble. Ein Aufschub für die Sparmaßnahmen deutet sich an.
    +++++++

    Griechenland hat Narrenfreiheit, da es weiß, dass sowieso gezahlt wird.
    Dasselbe gilt für Schäuble, die Deutschen nehmen es hin, klaglos und werden ihn weiterhin wählen.

    Oder nicht? Wahlalternative 2013!

  • Man fragt sich nur, wie sie es schaffen, die Wahlumfragen so zu manipulieren, dass die Blockparteien des Totalen Euro scheinbar weiter die Macht unter sich ausmachen dürfen. Wer diese eigentlichen realitätsfernen Spinner noch wählt, der hat wirklich einen an der Ratsche oder wie sinnvoll ist es sich von einem Doktor verarzten zu lassen, der die Krankheit (Euro) für die Medizin hält...

  • Hier scheint sich eine wirtschaftskompetente Alternative zur Verbrennungspolitik deutscher Steuergelder zugungsten korrupter, keine Steuern zahlender Oligarchen und ihrer Netzwerke zu bilden: [...] +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

    Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
    „Kommentare sind keine Werbeflächen“
    http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nur am Rande:
    Inzwischen bricht das Thema sogar in völlig apolitischen Freizeit-Foren durch. Unter tiefbürgerlichen Vertretern des gehobenen Mittelstands, die da in ruhigen Zeiten eigentlich nur technische Fragen klären und ein bißchen Benzin-Smalltalk treiben wollen. Von ein paar isolierten Spinnern kann also schon lange nicht mehr die Rede sein.

    Und das wissen Ihre Auftraggeber auch.

  • Sehr gut, dass Sie sich die Muehe gemacht haben so ausfuehrlich zu rechnen. Eigentlich sollte jeder interessierte so ein Modell im Excellformat haben und dann mit den Parmetern rumspielen koennen. Dann sieht jeder, dass es keine andere Loesung gibt als den Staatsbankrott. Dann koennten wir wenigstens bald mit dem Wegraeumen der Truemmer anfangen

  • @ micha12
    Mit den paar gefehlten haben sie Recht. Die sind aber unbedeutsam. Wer nicht wählen geht, der vergibt seine Stimme der Nomenklatura ( so will es unser Wahlgesetz ). Nur wer andere Parteien Wählt, wählt die Nomenklatura ab !!! Zu wählen wird es viele Parteien geben : die Schönwetter-Partei, die Anti-€-Partei, die Schöne-Strasse-Partei, die Gerechtigkeits-Partei,die Piraten, Die Panther, die Anti-EU-Partei, etc, also eine Menge Parteien, die besser sind, als die Nomenklatura-Betrüger ! Und hier muß man das Volk aufklären : die Nichtwähler sind potenzielle wähler des heutigen Systems mit den verlogenen Parteien !

  • Oh karlosdallos, wenn Ihr Nachbar eine Billion Schulden hat, dann müssen Sie ihm verdammt lange eine Milliarde auf den Balkon werfen, bevor er reich werden kann.
    Was Sie falsch machen:
    Sie werden nix von der Kohle jemals wiedersehen, weder von der Billion noch von Ihren Milliarden ......

  • Der Kommentator hat doch auch nur Angst vor dem Abgrund nur versucht er diese auf ein anderes Feindbild (die "dummen Kommentatorren", statt die "verlogenen politiker") zu projezieren. Willkommen im Club Herr Anonym! Es wäre gut wenn die ganzen Phantasten und Lügner in Deutschland mal die Klappe halten und einer rationalen Euro-Politik unter Beteiligung der Bürger z.B. mit der Frage: Lieber eine Ende mit Schrecken oder weitere Rettungsversuche mit der Gefahr eines Schreckens ohne Ende, Platz machten.

    Ich habe es satt belogen und von Hanswursten die zufällig am völlig falschen Platz in einer sogenannten Regierung an Problemen herumdoktern, die sie offensichtlich nicht verstehn, für dumm verkauft zu werden!

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