EU-Sondergipfel
Regierungschefs feilschen um die Top-Jobs

Den 27 Regierungschefs der EU steht eine lange Nacht bevor. Staatspräsidenten, Premierminister und die Bundeskanzlerin treffen sich in der kommenden Woche in Brüssel zum Abendessen, um zwei historische Personalentscheidungen zu treffen: Erstmals in der Geschichte der EU soll ein für zweieinhalb Jahre gewählter Präsident die im Europäischen Rat versammelten Regierungschefs führen. Zudem bekommt die Gemeinschaft ihren ersten Außenminister, offiziell Hoher Beauftragter für Außenpolitik genannt.
  • 0

BRÜSSEL/BERLIN. In Brüssel wird erwartet, dass das Rennen um die beiden Top-Jobs bis zum Schluss offen bleibt. Das Gipfeltreffen könne durchaus bis in die frühen Morgenstunden dauern, sagten Diplomaten. Dass die 27 Regierungschefs sich noch vor dem Gipfel einvernehmlich auf zwei Namen verständigen, gilt als unwahrscheinlich. Der schwedische Regierungschefs Fredrik Reinfeldt versucht zwar, einen Konsens herbeizuführen.

Doch der amtierende EU-Ratspräsident musste erkennen, dass dies eine undankbare Aufgabe ist. Er müsse bei der Personalsuche ein Gleichgewicht zwischen Links und Rechts, großen und kleinen Staaten, zwischen Norden und Süden, Osten und Westen sowie zwischen Männern und Frauen herstellen: "Es ist schwierig, all diese Kriterien gleichzeitig zu erfüllen."

In seiner Not versuchte der Schwede zu tricksen - und brachte einen dritten Posten ins Spiel: Der Stellvertreter des künftigen permanenten Ratspräsidenten. Dieses vorhandene Amt übt derzeit der Franzose Pierre de Boissieu aus. Reinfeldts Angebot dürfte sich vor allem an die mittel- und osteuropäischen EU-Staaten richten. Denn die wollen verhindern, dass die Westeuropäer die Spitzenämter unter sich aufteilen. Tatsächlich war aber genau das eigentlich geplant gewesen.

Deutschland und Frankreich hatten sich auf das Profil des künftigen EU-Ratspräsidenten verständigt: Es müsse ein amtierender oder ehemaliger konservativer Regierungschef aus einem kleinen Mitgliedsland der Euro-Zone sein. In der engeren deutsch-französischen Auswahl sind zwei Männer: Belgiens Premier Herman Van Rompuy und sein niederländischer Kollege Jan Peter Balkenende. Zudem hat Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker Interesse angemeldet. Er hat aber nur Außenseiterchancen, weil er in Paris nicht gut gelitten ist.

Seite 1:

Regierungschefs feilschen um die Top-Jobs

Seite 2:

Kommentare zu " EU-Sondergipfel: Regierungschefs feilschen um die Top-Jobs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%