EU-Spirituosenverordnung
Wodka-Streit beigelegt

Das Europaparlament hat am Dienstag mit einem nüchternen Kompromiss den seit Monaten andauernden Wodka-Streit beendet. Die Abgeordneten stimmten gegen ein striktes „Reinheitsgebot“ für das hochprozentige Getränk, forderten dafür aber spezielle „Vermerke“.

HB STRASSBURG. Wodka-Hersteller in der Europäischen Union dürfen auch in Zukunft mehr als nur Getreide und Kartoffeln für die Produktion ihres hochprozentigen Getränks verwenden. Allerdings müssen andere Zusätze wie Weintrauben oder Zuckerrüben auf dem Etikett vermerkt werden. Dies sieht eine neue Spirituosenverordnung vor, für die das Europaparlament am Dienstag in Straßburg stimmte.

Erheblichen Widerstand gab es von polnischer und skandinavischer Seite, da in diesen Ländern vielfach echter Wodka nur aus Kartoffeln und Getreide hergestellt wird, teilweise nach Jahrhunderte alter Tradition. Diese historische Herstellungsweise sollte geachtet werden, sagte der polnische Christdemokrat Boguslaw Sonik. Schließlich gäbe es in der EU sehr strenge Regeln für Rum oder Wein.

In anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien wird Wodka auf der Grundlage von Zuckerrübenmelasse, Trauben, Früchtemischungen, Soya, Molke oder Pressresten (Trester) hergestellt. „Alle Varianten werden als Wodka eingestuft. Das müssen wir schon aus Gründen des Welthandels tun. Alles andere wäre diskriminierend und die EU hätte sofort eine WTO-Klage am Hals“, sagte der Berichterstatter Horst Schnellhardt (CDU).

Die USA, die ihren Wodka aus Zuckerrohr herstellen, haben bei einer zu strengen EU-Regelung bereits mit eine WTO-Klage gedroht. Weltweit wird der Wodka-Umsatz auf etwa zwölf Mrd. Dollar geschätzt.

Traditionelle Obstbrände von hoher Qualität will die Volksvertretung allerdings in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung erhalten. Aromatisierende Zusätze sind künftig verboten. „Das sichert besonders kleineren Brennereien in Deutschland eine Überlebenschance“, sagte Schnellhardt.

Künftig geschützt sind nun geographische Ursprungsbezeichnungen wie Münsterländer Korn, Fränkischer Obstler oder österreichischer Jagertee. Der EU-Ministerrat dürfte diesen Kompromiss ohne Schwierigkeiten billigen und das neue Gesetz könnte noch in diesem Jahr in Kraft treten.

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