EU und Indien
Freihandelsabkommen rückt näher

Lange traten die 2007 begonnenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien auf der Stelle - sehr zum Ärger der deutschen Exportwirtschaft. Nun sind beide Länder zuversichtlich, das Abkommen noch im Frühsommer 2011 ratifizieren zu können. Doch noch warten Hindernisse auf die Verhandlungspartner.
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NEU DELHI/BRÜSSEL. EU und Indien sind zuversichtlich, das zwischen beiden Ländern geplante Freihandelsabkommen noch im Frühsommer 2011 unter Dach und Fach bringen zu können. Das verlautete aus Kreisen der EU-Kommission im Vorfeld des heutigen Gipfels in Brüssel. "Ich bin optimistisch, dass wir im ersten Halbjahr 2011 zu einer Einigung kommen, vermutlich sogar noch vor Ostern", sagte auch Indiens Handelsminister Anand Sharma.

Die 2007 begonnenen Verhandlungen traten lange auf der Stelle - sehr zum Ärger der europäischen Exportwirtschaft. Indien sieht sich wegen seiner Rolle als künftige Wachstumslokomotive für Europas Unternehmen in einer starken Verhandlungsposition. Der indische Regierungschef Manmohan Singh sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso wollen heute Bewegung in die Gespräche bringen.

Der Handel zwischen Indien und der EU könne in den nächsten fünf Jahren hundert Milliarden Euro erreichen, sagte Handelsminister Sharma. Im Krisenjahr 2009 lagen lagen die Ausfuhren der EU Richtung Indien bei 27,6 Milliarden Euro, während die Einfuhren einen Wert von 25,3 Milliarden Euro hatten. Vom Beginn des Jahrtausends hat sich der Warenverkehr mehr als verdoppelt. Das Schwellenland mit seiner rasanten Entwicklung ist der neuntwichtigste EU-Handelspartner.

Bei einigen der zentralen Konflikte zeichnet sich eine Lösung ab. So besteht die EU-Kommission laut Sharma nicht länger auf einem erweiterten Patentschutz für Medikamente gegenüber Nachahmerprodukten. Während des Gipfels soll es eine entsprechende Erklärung geben. Indiens Pharmaindustrie ist weltweit einer der führenden Hersteller kostengünstiger Generika mit Exporten im Wert von mehr als 5,3 Milliarden Euro. Europäische Pharmakonzerne wie Bayer klagen über einen ungenügenden Patentschutz in Indien und verlangen strengere Vorschriften.

Auch bei der Forderung Neu-Delhis nach erleichterten Arbeitsvisa besonders für indische IT-Experten ist die EU laut Sharma zu Zugeständnissen bereit. "Bei der Freizügigkeit der Arbeitskräfte stehen wir kurz vor einer Einigung", sagte er. Im Gegenzug erwägt Indien, einige seiner geschützten Branchen für Auslandsinvestoren zu öffnen, darunter den Einzelhandel. Das ist eine zentrale Forderung der EU, um Handelskonzernen wie Carrefour und Tesco den Weg nach Indien zu ebnen.

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  • Exportland Deutschland braucht mehr Fachkräften. Fachkräfte dürfen Familieangehörigen nur dann mit bringen, wenn Deutsch-Sprachkenntnessen vorhanden sind.indien soll gleiche Regeln für deutsche Gastarbeiter in indien einführen. Deutsche industrie stellt keine top Manager aus dem Ausland. Ausnahme EU/Schweiz/USA. indien indien werden wir mehr deutsche Manager finden, die für indische Firmen arbeiten. "if i'm selling to you, i speak your language. if i'm buying, dann müssen Sie Deutsch sprechen." - Willy brandt Davon aus deutsche Gastarbeiter in indien wollen wir nicht wissen. industie in Deutschland nicht verstanden, dass "kein Kultur kann überleben, wenn es versucht Exklusiv zu sein." Gandhi

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