EU verhandelt weiter mit Teheran
Pakistan lieferte Iran Atom-Zentrifugen

Die pakistanische Regierung hat erstmals eingeräumt, Iran Geräte für sein Atomprogramm geliefert zu haben. Der frühere Chef des pakistanischen Atomprogramms, Abdul Qadeer Khan, habe dem Iran Zentrifugen geliefert, die für die Verarbeitung von Uran zu atomwaffenfähigem Material benötigt würden, sagte Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed. Seine Regierung habe davon nichts gewusst.

HB ISLAMABAD/GENF. Die Regierung in Teheran hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bereits darüber informiert, dass das Netzwerk um Khan ihr das für die Anreicherung von waffenfähigem Uran nötige Know-how angeboten habe. Iran ging nach eigenen Angaben aber nicht in vollem Umfang auf die Offerte ein. Von einer Lieferung von Zentrifugen war bislang jedoch nichts bekannt. Zentrifugen können auch für ein ziviles Atomprogramm eingesetzt werden, wie es Iran offiziell betreibt.

Die USA verdächtigen das Land, mit seinem zivilen Programm den Bau von Atomwaffen zu verdecken. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und der iranischen Regierung, um eine militärische Nutzung auszuschließen und Sanktionen zu vermeiden. Nach europäischen Angaben gehen die Gespräche planmäßig voran. Dagegen hatte Teheran zuvor von einer Vertagung auf den 23. März gesprochen.

Pakistan schloss eine Befragung Khans durch ausländische oder internationale Ermittler aus. Der Wissenschaftler gilt als „Vater der islamischen Atombombe“ und wird als Volksheld verehrt. Der frühere Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms hatte im Januar 2004 die Verantwortung für illegale Lieferungen an Iran, Libyen und Nordkorea übernommen. Wegen Verdiensten um die nationale Sicherheit war Khan von Pakistans Präsident Pervez Musharraf begnadigt worden. Die USA hatten Pakistan aufgefordert, den Skandal restlos aufzuklären.

Khan hatte mit seinem öffentlichen Geständnis Regierung und Armee entlastet. Die Armee hatte im fraglichen Zeitraum zwischen 1989 und 2000 die Kontrolle über seine Atomforschungslabors. Der Wissenschaftler hatte die Labors bis 2001 geleitet und war dann zum wissenschaftlichen Berater der Regierung ernannt worden. Khan studierte in Karachi, West-Berlin und Delft bei Den Haag. 1970 begann er, bei einem Zulieferer des deutsch-britisch-niederländischen Zentrifugenbauers Urenco zu arbeiten. Von Urenco soll Khan Blaupausen für Zentrifugen zur Urananreicherung gestohlen haben, bevor er sein Institut östlich von Islamabad gründete.

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