EU will Tüten verbieten

Kampf gegen die Plastik-Plage

Mehr als sieben Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr in die Weltmeere. Die EU will das ändern und den Staaten erlauben, Plastiktüten zu verbieten. Für einige ist der Vorstoß „völliger Unsinn“.
Update: 04.11.2013 - 15:48 Uhr 23 Kommentare
Mehr als 5000 gebrauchte Plastiktüten wurden im Juli am Strand von Niendorf zusammengeknotet, um auf die wachsende Menge von Plastikmüll in den Meeren aufmerksam zu machen. Quelle: dpa

Mehr als 5000 gebrauchte Plastiktüten wurden im Juli am Strand von Niendorf zusammengeknotet, um auf die wachsende Menge von Plastikmüll in den Meeren aufmerksam zu machen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWollte der Verhüllungskünstler Christo die Welt in Plastik packen, es würde nicht am Material scheitern. Die Menge an Plastiktüten, die allein in Deutschland im Jahr verbraucht werden, würde aneinandergelegt die Erde 39 Mal umrunden, schätzt die Umwelthilfe. Im Schnitt verbraucht jeder Bundesbürger 64 Tüten im Jahr, EU-weit sind es 198 Stück. Grund für EU-Umweltkommissar Janez Potocnik einen Anti-Plastiktüten-Aktionsplan aufzulegen. So sollen die 28 Mitgliedstaaten die Tüten mit Steuern belegen oder gleich ganz verbieten können. Ziel ist es, vor allem der Gebrauch von durchsichtigen, leichten Tüten zum Einpacken von Obst und Gemüse zu reduzieren. Die Vorschläge der Brüsseler Behörde müssen allerdings noch von den Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament abgesegnet werden.

Plastiktüten sind ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft. Jedes Jahr landen mehr als acht Milliarden Plastiktüten in Europa im Müll. Das verursacht enorme Umweltschäden“, sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik am Montag. „Einige Länder haben aber bereits großartige Fortschritte bei der Verringerung von Plastiktüten erzielt.“

„Wenn andere dem Beispiel folgen, könnten wir den Gebrauch um bis zu 80 Prozent reduzieren“, sagte Potocnik. In Dänemark, wo Einwegtüten besteuert werden, ist der Verbrauch pro Einwohner auf vier pro Jahr gesunken. Die Iren verbrauchen durchschnittlich 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Dort ist eine Abgabe von 22 Cent je Tüte fällig. Dagegen sind es in Ländern wie Polen, Ungarn, der Slowakei oder Portugal jährlich mehr als 460 Tüten pro Person, die nur einmal verwendet werden.

Potocnik betonte allerdings: „Verstehen Sie das nicht als Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten.“ Im Visier hat er Tüten mit einer Dicke von weniger als 50 Mikron – das entspricht 0,05 Millimetern. Es geht dem EU-Kommissar also nur um leichte Einkaufs-Tragetaschen. Gegen Mülltüten, Beutel für die Hinterlassenschaft beim Hundespaziergang oder schwere Plastik-Einkaufsbeutel richten sich die Pläne nicht. Derzeit dürfen die EU-Staaten die Tüten zwar besteuern, aber nicht verbieten.

Hinter dem Vorstoß der EU steckt der Versuch, die Vermüllung der Weltmeere in den Griff zu bekommen. Denn viele Tüten enden statt in Müllanlagen in der Natur, über Flüsse gelangen sie ins Meer. Weniger in Deutschland, vor allem aber in Ländern ohne eine vernünftige Abfall- und Kreislaufwirtschaft und mit riesigen Mülldeponien. Auf den Ozeanen treiben Plastikteppiche.

Rund zehn Millionen Tonnen Müll gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) pro Jahr in die Weltmeere, drei Viertel davon ist demnach Plastik. Das Material ist langlebig – Experten gehen von bis zu 450 Jahren aus. Partikel von Plastiktüten werden regelmäßig in den Mägen von Seevögeln, Schildkröten oder Walen gefunden. Die EU-Kommission schätzt, dass 94 Prozent aller Vögel in der Nordsee Plastik in sich aufgenommen haben. Außerdem sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger, die sich im Plastikmüll verheddern.

„Völliger Unsinn“
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23 Kommentare zu "EU will Tüten verbieten: Kampf gegen die Plastik-Plage"

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  • Das Thema gehört vor die UN. Basta! Was nützt der Kleinmurks in Brüssel, wenn es die ganze Welt betrifft? Brüssel ist mehr als überflüssig.

  • Plastiktüten verbieten. Glübirnen verbieten. Staubsauger regulieren. Kanalprüfungen diktieren. Gurkenkrümmung regulieren. Geht es noch banaler??? Für so einen Mist sitzen in Brüssel so große Wasserköpfe??? Wann wird dieser Bevormundungswahnsinn endlich gestoppt? In freien Märkten haben die Erzeuger den Fortschritt zu lösen und nicht der unproduktive Brüsseler Wasserkopf! Zur Europawahl müssen wir den Euro- und EU-Phantasten gehörig eins auswischen. Die vielen europakritischen Bewegungen sollten wir großen Zulauf geben, damit der Irrsinn zurückgeschraubt wird.

  • Natürlich gehört kein Plastik
    in die Meere aber nehmen wir folgendes an:

    1 t Müll entsprechen etwa 2 m³

    dann entsprechen

    7 Mio t etwa 14 Mio m³

    also 14.000.000 m³ Müll/Jahr

    die 3. Wurzel aus 14.000.000 sind 241,01

    also ein Würfel mit den Seitenlängen 241 x 241 x 241 m.

    Wenn seit 80 Jahren Plastik der gleichen Menge ins
    Meer gelangt ist, dann ergibt sich folgende Rechnung:

    14.000.000 m³ x 80 = 1.120.000.000 m³

    daraus die 3. Wurzel ergibt einen Würfel von
    1.038 x 1.038 x 1.038 m

    also im Prinzip 1 km³

    Wo liegt mein Denkfehler?



  • " Der Mensch ist eben so gestrickt, dass er erst handelt, wenn ihm der Dreck bis zur Nase steht und weit und breit kein Strohhalm mehr zu finden ist. Wer macht sich heute schon Gedanken über das, was einfach mal so in die Tonne wandert? Wer sein Gehirn nicht mehr so weit beanspruchen kann, dass er an der Kasse nicht ohne Tragetasche steht, der muss eben den Geldbeutel öffnen"

    Sehe ich auch so. Wer es bequem auf Kosten der Umwelt haben will, muss eben zahlen.
    Außerdem steht die EU will es den Ländern gestattten, also hätte ein Land mit einer Klage gegen Tütengifte dann keinen Erfolg. Es liegt also an den Ländern selbst, und nicht an der EU, diesmal nicht :)

  • Höchste Zeit, vernünftig zu werden. Bisher nehme ich Stoffbeutel mit zum Einkaufen, packe aber das Gemüse in die dünnen Tüten, die im Geschäft bereit liegen. Ab jetzt werde ich die, zu Hause ausgepackt, in die Stoffbeutel stecken, für den nächsten Einkauf.Wenn sie schmutzig sind, nehmen wir sie als Mülltüten. So einfach ist das. Denn bis das Gesetz endlich durch ist, gehen ja wohl noch ein paar Jahre ins Land.

  • Wie so oft ist es auch hier "nur" eine Frage der Erziehung. Und diese beginnt in den Kindergärten und Schulen.
    Nahezu täglich stolpere ich beim Joggen über herumliegende Schnapsflaschen, Plastiktüten verzieren die Landschaften so weit das Auge reicht. Doch außer mir macht sich keiner die Mühen, diesen Dreck ohne Entgelt von den Wegesrändern und aus den Straßengräben zu räumen.
    Fazit: Es geht nur über drakonische Erziehungsmaßnahmen.
    Die Einfuhr von Pfand auf alle Arten von Flaschen und Gläsern und empfindlichere Strafen bei Verstößen und Verklappung von Müll in der Landschaft mit Freiheitsentzug. Denn jedem sollte klar sein, dass er durch sein Fehlverhalten unmittelbar und direkt den Lebensraum für alle anderen verseucht und unbewohnbar macht. Hier gibt es wahrlich sehr viel zu tun. Der Vorschlag ist somit ein Denkanstoß in die richtige Richtung. Eine Steuer auf Plastiktüten geht jedoch am Ziel vorbei.

  • Vor 30 Jahren hieß es schon "Jute statt Plasik".Darüber wurden nur dumme Witze gemacht,selbstredend aus der gewissen politischen Ecke.Diese Initiative appellierte an die Freiwilligkeit,also die Vernunft,und weil das nicht funktioniert hat,es entspannt ignoriert werden konnte,muss es jetzt verboten werden.Das kommt 20 Jahre zu spät,aber so ist das mit der Vernunft.

  • @Fratzen
    Dann stellen Sie sich halt mal ihre neue heile Ökologiewelt...ohne Plastik, ohne Kunststoffe, ohne CO2, ohne Kohle, ohne Gas, ohne Strom, ohne Wasserverbrauch, ohne Energie, ohne Produktion usw. vor. Diese ökosozialistische Denkschule der EU Behörden will ALLES verbieten und will uns ein Leben in Armut und Mangel eines sozialistischen DDR-System aufzwingen! Die EU ist weder Innovativfreundlich, noch technikbegeistert. Die EU ist eine Behörde zur Einführung des Mangel und der Armut für die europäischen Bürger. Wer alles verteufelt und per Gesetz verbietet, was unseren modernen Wohlstand ausmacht. Kunststoffe, Autos, CO2, Strom und Energie, der darf sich nicht wundern, wenn er sich in einer neuen Armuts- und Mangelgesellschaft von Gewalt und Unruhen wiederfindet!

  • Der Plastikmüll in den Weltmeeren ist gigantisch und verheerend. Und verleidet den Appetit auf Fisch.
    Man sollte erstmal naheliegendes beantworten und angehen in der EU: Wer verursacht den Plastikmüll im Mittelmeer, in Ost- und Nordsee. Das dürfte so schwer doch gar nicht sein zu beantworten. Plastiktüten tragen in der Regel Reklame.
    Kommt ein Großteil davon nicht auch von der explosionsartig gewachsenen Zahl der Kreuzschiffe mit ihren tausenden Passieren und Besatzungen ?

  • Investieren Sie lieber in einen Kurs für Textverständnis. Zum einen geht Ihr Kommentar mal wieder zum größten Teil in Brüsselbashing unter, weil Sie nicht die finanziellen Mittel hatten sich 500 Glühbirnen auf Vorrat zu kaufen. Zum anderen geht es im Artikel darum, dass es von Brüssel aus eine juristische Norm geben soll, an derer es den souveränen Regierungen ermöglicht werden soll nach eigenem Ermessen dieses Anliegen umzusetzen.

    Der Rest bezieht sich nur darauf wie die einzelnen Lobbyisten das mal wieder angegangen haben wollen.

    Wenn Ihnen übrigens partout nichts gutes aus Brüssel einfallen will, denken Sie mal daran wie Sie ihr Handy aufladen, wenn Sie ihr Ladegerät vergessen. Oder wie es in Zukunft mit den Roaming Tarifen aussehen wird.

    Fällt Ihnen langsam auf dass sie immer, egal um welches Thema es geht, nur das sehen was Sie sehen wollen?

    Ich habe jedenfalls noch keinen Kommentar von Ihnen gesehen in dem sie auch nur im Geringsten eingesehen hätten dass es keine leichte Antwort zu dem Thema gibt.

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