EU will Tüten verbieten
Kampf gegen die Plastik-Plage

Mehr als sieben Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr in die Weltmeere. Die EU will das ändern und den Staaten erlauben, Plastiktüten zu verbieten. Für einige ist der Vorstoß „völliger Unsinn“.
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DüsseldorfWollte der Verhüllungskünstler Christo die Welt in Plastik packen, es würde nicht am Material scheitern. Die Menge an Plastiktüten, die allein in Deutschland im Jahr verbraucht werden, würde aneinandergelegt die Erde 39 Mal umrunden, schätzt die Umwelthilfe. Im Schnitt verbraucht jeder Bundesbürger 64 Tüten im Jahr, EU-weit sind es 198 Stück. Grund für EU-Umweltkommissar Janez Potocnik einen Anti-Plastiktüten-Aktionsplan aufzulegen. So sollen die 28 Mitgliedstaaten die Tüten mit Steuern belegen oder gleich ganz verbieten können. Ziel ist es, vor allem der Gebrauch von durchsichtigen, leichten Tüten zum Einpacken von Obst und Gemüse zu reduzieren. Die Vorschläge der Brüsseler Behörde müssen allerdings noch von den Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament abgesegnet werden.

Plastiktüten sind ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft. Jedes Jahr landen mehr als acht Milliarden Plastiktüten in Europa im Müll. Das verursacht enorme Umweltschäden“, sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik am Montag. „Einige Länder haben aber bereits großartige Fortschritte bei der Verringerung von Plastiktüten erzielt.“

„Wenn andere dem Beispiel folgen, könnten wir den Gebrauch um bis zu 80 Prozent reduzieren“, sagte Potocnik. In Dänemark, wo Einwegtüten besteuert werden, ist der Verbrauch pro Einwohner auf vier pro Jahr gesunken. Die Iren verbrauchen durchschnittlich 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Dort ist eine Abgabe von 22 Cent je Tüte fällig. Dagegen sind es in Ländern wie Polen, Ungarn, der Slowakei oder Portugal jährlich mehr als 460 Tüten pro Person, die nur einmal verwendet werden.

Potocnik betonte allerdings: „Verstehen Sie das nicht als Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten.“ Im Visier hat er Tüten mit einer Dicke von weniger als 50 Mikron – das entspricht 0,05 Millimetern. Es geht dem EU-Kommissar also nur um leichte Einkaufs-Tragetaschen. Gegen Mülltüten, Beutel für die Hinterlassenschaft beim Hundespaziergang oder schwere Plastik-Einkaufsbeutel richten sich die Pläne nicht. Derzeit dürfen die EU-Staaten die Tüten zwar besteuern, aber nicht verbieten.

Hinter dem Vorstoß der EU steckt der Versuch, die Vermüllung der Weltmeere in den Griff zu bekommen. Denn viele Tüten enden statt in Müllanlagen in der Natur, über Flüsse gelangen sie ins Meer. Weniger in Deutschland, vor allem aber in Ländern ohne eine vernünftige Abfall- und Kreislaufwirtschaft und mit riesigen Mülldeponien. Auf den Ozeanen treiben Plastikteppiche.

Rund zehn Millionen Tonnen Müll gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) pro Jahr in die Weltmeere, drei Viertel davon ist demnach Plastik. Das Material ist langlebig – Experten gehen von bis zu 450 Jahren aus. Partikel von Plastiktüten werden regelmäßig in den Mägen von Seevögeln, Schildkröten oder Walen gefunden. Die EU-Kommission schätzt, dass 94 Prozent aller Vögel in der Nordsee Plastik in sich aufgenommen haben. Außerdem sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger, die sich im Plastikmüll verheddern.

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„Völliger Unsinn“

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  • Das Thema gehört vor die UN. Basta! Was nützt der Kleinmurks in Brüssel, wenn es die ganze Welt betrifft? Brüssel ist mehr als überflüssig.

  • Plastiktüten verbieten. Glübirnen verbieten. Staubsauger regulieren. Kanalprüfungen diktieren. Gurkenkrümmung regulieren. Geht es noch banaler??? Für so einen Mist sitzen in Brüssel so große Wasserköpfe??? Wann wird dieser Bevormundungswahnsinn endlich gestoppt? In freien Märkten haben die Erzeuger den Fortschritt zu lösen und nicht der unproduktive Brüsseler Wasserkopf! Zur Europawahl müssen wir den Euro- und EU-Phantasten gehörig eins auswischen. Die vielen europakritischen Bewegungen sollten wir großen Zulauf geben, damit der Irrsinn zurückgeschraubt wird.

  • Natürlich gehört kein Plastik
    in die Meere aber nehmen wir folgendes an:

    1 t Müll entsprechen etwa 2 m³

    dann entsprechen

    7 Mio t etwa 14 Mio m³

    also 14.000.000 m³ Müll/Jahr

    die 3. Wurzel aus 14.000.000 sind 241,01

    also ein Würfel mit den Seitenlängen 241 x 241 x 241 m.

    Wenn seit 80 Jahren Plastik der gleichen Menge ins
    Meer gelangt ist, dann ergibt sich folgende Rechnung:

    14.000.000 m³ x 80 = 1.120.000.000 m³

    daraus die 3. Wurzel ergibt einen Würfel von
    1.038 x 1.038 x 1.038 m

    also im Prinzip 1 km³

    Wo liegt mein Denkfehler?



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