EU zeigt sich vor WTO-Runde kompromissbereit
EU erwägt Streichung von Exportzuschüssen

Die Europäische Union ist bereit zu Kompromissen: Einen Tag vor den WTO-Gesprächen in Cancun, sagte Handelskommissar Pascal Lamy, die EU sei in Teilen zum Abbau von Exportsubventionen bereit. Unterdessen forderten nackte Demonstranten Mexikos Präsidentengarde heraus.

HB LONDON/CANCUN. Handelskommissar Pascal Lamy sagte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der „Financial Times“, die EU sei bei bestimmten Produkten zum Abbau von Exportsubventionen bereit. „Wir sind bereit, Exportzuschüsse für Produkte von besonderem Interesse für Entwicklungsländer zu streichen, wenn die USA und andere bereit sind, ihre eigene Exportförderung anzugehen.“ Lamy nannte keine Details. Bei welchen Produkten die EU auf Exportsubventionen verzichten könnte, müssten die Verhandlungen ergeben, sagte er.

Agrarsubventionen sind ein sensibles Thema

Eine Einigung auf einen Rahmen für neue WTO-Handelsregeln im für Entwicklungsländer besonders wichtigen Agrarbereich gilt als Schlüssel für ein neues Welthandelsabkommen bis Ende kommenden Jahres. Die Welthandelsrunde beginnt am Mittwoch im mexikanischen Cancun. Neben Agrarreformen und internationalen Handelsregeln geht es auch um den Abbau von Einfuhrzöllen auf Industrieprodukte und die Liberalisierung des Dienstleistungsmarktes.

Zwar machen Agrarprodukte nur weniger als 10 Prozent des Welthandels aus, aber das Subventionsthema ist politisch so sensibel wie kaum ein anderes. Die USA und die EU stützen ihre Landwirtschaft mit Milliarden. Entwicklungsländer und große Agrarexport-Staaten wie Australien sehen sich durch diese Zuschüsse im Welthandel stark benachteiligt, da die subventionierten Bauern ihre Agrar-Exporte deutlich unter den Weltmarktpreisen anbieten könnten. Die EU will ihre Agrarsubventionen zunehmend von der Produktion abkoppeln, um den WTO-Anforderungen zu genügen.

Kriegsschiffe vor den Stränden Cancuns

Vor den Stränden des mexikanischen Karibikbadeortes Cancún patrouillierten unterdessen Kriegsschiffe: Zusammen mit knapp 3 000 von der Zentralregierung zusätzlich nach Cancún entsandten Polizeikräften sollen sie dafür sorgen, dass Globalisierungskritiker nicht die am Mittwoch beginnende Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) sprengen.

Doch die in Mexiko auch unter der Bezeichnung „Globalifóbicos“ (Leute mit einer Globalisierungsphobie) bekannten Globalisierungsgegner bewiesen bereits vor Konferenzbeginn Einfallsreichtum. Als harmlose Touristen getarnt, sickerten sie in die Hotelzone ein, legten an der Playa Langosta blitzschnell ihre Kleider ab und formten mit ihren nackten Körpern auf dem Sand den Schriftzug „Nein zur WTO“. Bevor die Polizei eingreifen konnte, zogen sich die „Globalifóbicos“ wieder an und fuhren mit Linienbussen in die auf dem Festland gelegene Innenstadt zurück.

Bürger Cancuns haben Angst vor Krawallen

Die Bürger Cancuns harren derweil ängstlich der Dinge, die da kommen werden. Alle privaten Schulen Cancúns haben aus Angst vor Krawallen geschlossen, die staatlichen Lehranstalten unterrichten nur außerhalb des Stadtzentrums. Da am nächsten Dienstag auch noch mexikanischer Nationalfeiertag ist, bedeutet dies für Cancúns Schüler einen ausgedehnten Extraurlaub.

Einige der radikalen Globalisierungsgegner hatten angekündigt, sie wollten Cancún in ein „zweites Seattle“ verwandeln. Dort hatte es bei einer WTO-Tagung Ende 1999 schwere Krawalle gegeben. Die Hotelzone, in der auch das Kongresszentrum liegt, wird für Demonstrationen gesperrt, was angesichts einer einzigen Zufahrt relativ einfach ist. Auf dem Meer patrouilliert weiter die Marine, damit sich die „Globalifóbicos“ nicht in Landungsbooten nähern. In der zum Land hin gelegenen Süßwasserlagune kann die Polizei auch auf natürliche Helfer zählen: Dort gibt es Krokodile. Vor zwei Jahren wurde schon einmal ein junger amerikanischer Tourist übel zugerichtet, als er sich nicht an das Badeverbot hielt.

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