"EU-Zeitplan unrealistisch"
Euro-Zahlungsverkehr bleibt wohl länger uneinheitlich

Das von der EU-Kommission verfolgte Ziel, bis zum Jahr 2010 einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum zu schaffen, wird nicht mehr nur von den Banken in Frage gestellt. Mittlerweile haben auch die Zentralbanken ihre Zweifel.

HB FRANKFURT. Nach den Worten von Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans-Georg Fabritius können die national unterschiedlichen Systeme für bargeldloses Bezahlen bis 2010 noch nicht ganz abgeschafft werden. „Eine vollständige Migration der nationalen Verfahren bis 2010 halte ich für unrealistisch“, sagte Fabritius am Dienstagabend bei einem Empfang der Bundesbank in Frankfurt. Doch zumindest eine kritische Masse an Zahlungen müsse zu diesem Zeitpunkt auf die einheitlichen europäischen Instrumente wechseln.

Auch der führende Zahlungsverkehrsexperte der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Michel Godeffroy, hält eine vollständige Umstellung bis 2010 für nicht mehr machbar. Die EZB beharre nicht länger darauf, dass schon die gesamte Infrastruktur der Banken dann vereinheitlicht sei, sagte er am Rande einer Finanzkonferenz in Frankfurt.

Die Geschäftsbanken haben schon länger erklärt, diesen Zeitplan nicht einhalten zu können, da die Wechselbereitschaft ihrer Kunden über das Tempo der Umstellung entscheiden müsse und eine Umstellung sich langsamer vollziehen werde. Die EU-Kommission setzt bisher auf die Selbstregulierung der Banken, hat aber angedroht, Standards vorzuschreiben, wenn das Projekt weiter nur schleppend vorankommt. Die Zentralbanken sind als beratende Partner von Banken und Kommission aktiv am Aufbau der Single Euro Payment Area (SEPA) beteiligt.

Godeffroy zufolge hat die EZB Verständnis für die Kritik der Banken an dem Mammutprojekt, das vom Aufwand her der Euro-Einführung 1999 gleichen soll. Denn SEPA komme vor allem den Kunden zu Gute, da das unbare Bezahlen im Inland und über Grenzen hinweg im gesamten Euro-Raum einheitlich, einfacher und billiger werden soll. Die Kosten dafür müssten aber die Banken aufbringen, die gleichzeitig mit sinkenden Erträgen im Zahlungsverkehr fertig werden müssten. Der EZB-Direktor betonte zugleich, dass das Projekt als solches nicht in Frage gestellt werden dürfe. Die Vereinheitlichung von Überweisungen oder Kartenzahlungen sei zwingende Folge der Währungsunion, mit der vor drei Jahren das gemeinsame Bargeld eingeführt wurde. „SEPA ist keine Option, es ist die technische Konsequenz einer politischen Wahl.“ Es komme nun darauf an, die Vorbereitungen voranzutreiben, so dass das Projekt unumkehrbar werde.

Doch politische Entscheidungen seien nicht nach Zeitplänen vom Reißbrett umzusetzen, wie Martine Brachet von der europaweit agierenden französischen Bank Societe Generale verdeutlichte. Als Großbank erwarte ihr Haus von den europäischen Standards eine echte Vereinfachung im Massenzahlungsverkehr. Doch dafür seien enorme Investitionen notwendig, die erst wieder hereingeholt werden müssten. Nach ihrer Schätzung wird das mindestens zehn Jahre dauern. Während grenzüberschreitend arbeitende Großunternehmen die neuen Instrumente kaum erwarten könnten, hätten kleine und mittelgroße Firmen wenig Interesse.

Die gleiche Spaltung gebe es unter den Banken: „Die größten Player werden mitmachen, aber ich fürchte, längst nicht alle“, sagte sie auf der Veranstaltung im Rahmen der „Euro Finance Week“. Für die Firmenkunden sei die Umstellung aber nur sinnvoll, wenn sie alle Banken in Europa mit der Einheitszahlung erreichen könnten. „Es gilt: Alle oder keiner“, sagte Brachet. Godeffroy erwartet von den Banken, dass sie nun ein realistischeres Datum unterbreiten. Die Banken sollten festlegen, bis zu welchem Termin sie SEPA vollenden können und neue Ziele bis 2010 definieren.

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