EuGH kippt Preisbindung: Deutsche Versandapotheken proben den Aufstand

EuGH kippt Preisbindung
Das Geschäftsmodell der Apotheken ist in Gefahr

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Deutsche Versandapotheken proben den Aufstand

Der Apothekerverband sieht daher jetzt die deutsche Politik gefordert. Der Gesetzgeber müsse schon aus eigenem Interesse seinen Handlungsspielraum wiederherstellen. „Eine denkbare Lösung wäre ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland. Europarechtlich wäre das zulässig. Klar ist, dass die Arzneimittelpreisverordnung für deutsche Apotheken weiterhin gilt“, sagte Schmidt.

Deutschlands Versandhändler sehen das ganz anders. Sie forderten den Gesetzgeber auf, nun die Preisbindung für Apotheken im Inland aufzuheben. „Nach diesem Urteil muss der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten. Es kann nicht sein, dass es nach dem EuGH-Urteil zu einer Inländerdiskriminierung kommt. „Warum sollten deutsche Versandapotheken etwas nicht dürfen, was Versender aus anderen europäischen Ländern dürfen?“, hieß es in einer ersten Stellungnahme des Bundesverbands der Versandhändler.

Indirekt drohte der Verband damit, dass nun auch inländische Versandapotheken Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente gewähren wollen, um sich anschließend wegen Verstoßes gegen das Rabattverbot verklagen zu lassen. „Der Verband werde solchen Apotheken zur Seite stehen“, hieß es.

Im Bundesgesundheitsministerium reagierte man reserviert auf die Entscheidung aus Luxemburg. Unmittelbare Folge der Entscheidung sei nur, dass die deutsche Regelung zum einheitlichen Apothekenabgabepreis bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auf Versandapotheken mit Sitz im EU-Ausland künftig nicht mehr anwendbar sei. Ob dies auch Konsequenzen für die im Inland weiter geltenden Regelungen haben müsse, werde die Bundesregierung nun prüfen. Grundsätzlich habe die Gewährleistung einer flächendeckenden, wohnortnahen Arzneimittelversorgung weiterhin Priorität.

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Kommentare zu " EuGH kippt Preisbindung: Das Geschäftsmodell der Apotheken ist in Gefahr"

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  • @Enrico "FatFinger" Caruso, 19.10.2016, 16:49 Uhr:

    "Aber hat in der deutschen Bevölkerung irgend jemand nach ausländischen Apotheken verlangt? Ich jedenfalls nicht."

    Sie vielleicht nicht, aber andere schon.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ralphi rauch doch nicht so viel, Gruß Fink

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