Euro-Bonds
Das 17-Milliarden-Euro-Gerücht

Kommen die Euro-Bonds, muss Deutschland höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen, das ist klar. Nun werden die Mehrkosten konkretisiert: 17 Milliarden Euro teurer würde es für Deutschland, frisches Geld zu besorgen, so ein Gerücht. Wie belastbar die Berechnung ist, bleibt unklar. Die politische Botschaft aber ist angekommen.
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BERLIN. Seit einigen Tagen geistert eine Zahl durch das politische Berlin, die Politiker der Koalition und Opposition gleichermaßen aufschreckt: 17 Milliarden Euro müsste der Bund mehr an Zinsen zahlen, wenn sich die Euro-Länder künftig nicht mehr unabhängig voneinander auf den Kapitalmärkten refinanzieren würden, sondern über gemeinschaftliche Euro-Bonds. Der Nachteil für Deutschland ergäbe sich daraus, dass sich Bund und Länder deutlich günstiger an den Finanzmärkten frisches Geld besorgen können als alle anderen Euro-Staaten.

Ein solcher negativer Zusammenhang besteht zweifellos. Völlig unklar ist jedoch, wer die Zahl überhaupt berechnet hat. Sowohl das Kanzleramt wie auch das Bundesfinanzministerium wiesen den Vorwurf zurück, Urheber der Berechnung zu sein. „Das kommt nicht aus unserem Haus“, hieß es auf Nachfrage.

Wichtiger als die Frage nach der Urheberschaft des 17-Milliarden-Euro-Gerüchts ist die politische Botschaft, die die Bundesregierung damit verbreiten will: Euro-Bonds belasten den deutschen Steuerzahler. Denn anders als Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker lehnen Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble Gemeinschaftsanleihen bisher kategorisch ab.

In Regierungskreisen wurden gestern jedoch Zweifel an der Richtigkeit der möglichen Zusatzbelastungen durch die Einführung von Euro-Bonds laut. „Die 17 Milliarden Euro ergeben sich aus einer rein statistischen Betrachtung. Tatsächlich kann der Wert höher oder niedriger liegen“, sagte ein Regierungsvertreter dem Handelsblatt.

Wie auch immer – die politische Botschaft ist in Europa angekommen.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " Euro-Bonds: Das 17-Milliarden-Euro-Gerücht"

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  • @Arminius

    Sie denken ziemlich simpel, um mit Juncker zu sprechen. Glauben Sie, die gute deutsche bonität ist vom Himmel gefallen? Die Härte der Deutsche Mark ist eben die Härte der Deutschen (oder anderer nördlich geprägter Völker) - auch zu sich selbst. Über diese wird gejammert aber deren Früchte wollen alle naschen. Ziemlich schizo!

    Es macht nun einmal keinen Sinn, uns selbst zu kasteien (Schuldenbremse, Hartz-Refomen etc.) und die langfristigen Vorteile, die daraus resultieren zu verschenken. Das heißt, wir müssten zwingend -wenn wir nicht mit dem Klammerbeutel gepudert sind und uns selbstversklaven wollen- auch eine mediterrane Laissez-faire-Haltung annehmen, wenn es gemeinsame Zinsen gäbe.

    Nein, nur umgekehrt wird ein Schuh draus: wer die kurzfristigen Vorteile von Laissez-faire aufgibt, wird auch langfristig dieselben Zinssätze wie Deutschland erhalten. Auf diese Weise entsteht auf natürliche Weise statt durch Manipulation der gewünschte einheitliche Zinssatz.

    Überhaupt ist Staatsverschuldung zur Vertuschung der unbeantworteten sozialen Frage der völlig falsche Hebel. Die Frage "Was macht die Gesellschaft mit nach kapitalistischer Verwertungslogik überflüssigen Mitgliedern?" ist der Kern des Problems, diese steht auf der Tagesordnung und diese muss endlich (in Freiheit!) beantwortet werden. Wobei sich schon abzeichnet, dass es an der Logik, statt an den Menschen liegt. Auf jeden Fall ist alles andere letztlich systemerhaltende Verschleierung.

  • Deutsche Politiker verkaufen aus Profilierungssucht den vom Deutschen Volk in Jahrzehnten aufgebauten sozialen Wohlstand und um sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Es ist nur die Frage, ob es eine gute oder eine böse Geschichte wird!

  • "Der Nachteil für Deutschland ergäbe sich daraus, dass sich bund und Länder deutlich günstiger an den Finanzmärkten frisches Geld besorgen können als alle anderen Euro-Staaten. "
    Hier steckt die ganze Wahrheit, nicht die Höhe der Zinsen, scheint für unsere Polit-Elite wichtig zu sein, wichtig für sie ist dass Deutschland den Vorteil gegenüber den anderen Euro-Staaten behält.
    Weil absolut könnten die Zinsen für Deutschland, wegen der Unsicherheit des Euros, sogar höher liegen wenn keine Euro-bonds kommen.
    Man will nur besser als die andere Euro-Staaten bleiben. Den Vorteil behalten, kostet was es wolle. Das nennt man destruktiver Wettbewerb. Deutschland scheint zu übersehen dass die Gefahr außerhalb Europas kommt.
    MarketWatch: "European Union leaders failed to come up with a plan for near-term deficit problems at their meeting"
    Der ewige National-Egoismus werden wir in Europa nie los!

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