Euro-Bonds
Ein schlechtes Geschäft für Deutschland

Die Euro-Bonds bedeuten für Deutschland in erster Linie: eine stärkere Zinslast. Noch sind die Verhandlungen über die verschiedenen Varianten nicht abgeschlossen. Eine gesamtschuldnerische Haftung könnte vermieden werden?
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Düsseldorf/BerlinGeteilter Zins ist halber Zins - jedenfalls für die hochverschuldeten Euro-Staaten. Sie müssen Investoren Renditen bis zu sieben Prozent bieten, während Deutschland sich für nahezu null Prozent am Markt refinanziert. Mit der Einführung von Euro-Bonds würde der Zinssatz gemittelt - für Deutschland ein schlechtes Geschäft. Der Bundesfinanzminister müsste weit mehr Geld für den Schuldendienst ausgeben als heute.
Wie stark die Zinslast für Deutschland anstiege, lässt sich im Voraus kaum sagen. Das Bundesfinanzministerium schätzt die Mehrkosten auf bis zu 25 Milliarden Euro im Jahr. Das Ifo-Institut nannte sogar einen Betrag von 47 Milliarden Euro jährlich. Die tatsächlichen Kosten hängen davon ab, wie sich die Lage an den Finanzmärkten entwickelt. Ein großer, liquider Euro-Kapitalmarkt könnte helfen, das Zinsniveau in der Euro-Zone insgesamt zu senken. Ebenso wenig lässt sich heute sagen, wie schnell und vollständig die nationale Staatsfinanzierung auf Euro-Bonds umgestellt wird. Dazu liegen mehrere Modelle auf dem Tisch. Das radikalste kommt von der
EU-Kommission. Sie hat eine EU-Schuldenagentur vorgeschlagen, welche die Staatsfinanzierung auf einen Schlag übernehmen soll. Für Deutschland wäre das die teuerste Variante. Ein zweites Modell der EU-Kommission sieht vor, lediglich die Schulden oberhalb des EU-Grenzwerts von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines jeden Landes zusammenzulegen.

Euro-Bonds bringen ein zweites Problem mit sich, das aus deutscher Sicht noch viel problematischer ist: die gesamtschuldnerische Haftung. Sollte ein Land zahlungsunfähig werden, müsste der Rest der Euro-Zone dessen Schulden bedienen. Vor allem deshalb gelten Euro-Bonds zum jetzigen Zeitpunkt als politisch nicht durchsetzbar.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Euro-Bonds: Ein schlechtes Geschäft für Deutschland"

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  • Gestern hat ein Freund EUROBONDS wie folgt kommentiert: Wenn ein Nachbar finanzielle Probleme hat, so würde man ihm vermutlich helfen, sein überleben abzusichern. Möglicherweise würde man den Einkauf übernehmen oder ein paar Monate die Miete erledigen. Aber man würde auf keinen Fall ein gemeinsames Konto eröffnen, auf welches der Nachbar uneingeschränkt Zugriff hat. EUROBONDS sind so ein gemeinsames Konto.
    Und wieso sollen deutsche oder österreichische Steuerzahler (oder wer auch immer) für die Steuern einspringen, die zum Beispiel griechische Gutverdiener nicht abliefern?
    Also: Ich bin ganz deutlich gegen EUROBONDS.

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