Euro, Franc und Gummistempel Frankreich spielte den Euro-Austritt durch

Unter dem Projekttitel „Black Swan“ ließ die französische Regierung 2011 einen Austritt aus dem Euro durchspielen. Das Ergebnis war keineswegs eine Stärkung der Wirtschaft – sondern ein Horrorszenario.
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Frankreich hat 2011 den Austritt aus dem Euro durchspielen lassen. Quelle: dpa
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Frankreich hat 2011 den Austritt aus dem Euro durchspielen lassen.

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ParisFrankreichs Regierung hat auf dem Höhepunkt der Eurokrise 2011 die Folgen eines Austritts des Landes aus dem Europäischen Währungssystem analysieren lassen. Der damalige Finanzminister Franҫois Baroin macht den Inhalt der Expertise erstmals in einer Politik-Dokumentation öffentlich, die der französische TV-Sender France 5 am kommenden Dienstagabend ausstrahlen wird. Seiner Aussage nach wären die wirtschaftlichen Folgen verheerend und zum Teil unkontrollierbar.

Für die Expertise mit dem Decknamen „Black Swan“ ließ Baroin drei Experten arbeiten, die zu striktem Stillschweigen verpflichtet wurden. „Die Konsequenzen waren eindeutig: eine Abwertung der neuen französischen Währung um 30 Prozent, der Anstieg der staatlichen Verschuldung auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung und ein Kaufkraftverlust der abhängig Beschäftigten zwischen 20 und 30 Prozent.“ sagt Baroin in der Sendung, die das Handelsblatt vorab sehen konnte.

Interessanterweise würde die Abwertung der Währung nicht zu einem Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit führen, wie manche Befürworter eines Euro-Austritts immer wieder behaupten: „Wir kamen zu dem Ergebnis, dass unmittelbar nach dem Austritt im Privatsektor der Wirtschaft eine Million Arbeitsplätze verschwinden würden“, enthüllt Baroin, der heute Senator ist.

Eine weitere Konsequenz wäre „Black Swan“ zufolge der teilweise Zusammenbruch des Bankensystems gewesen, „falls der Staat die Banken nicht nationalisieren würde.“

In der Sendung berichtet Baroin diese recht schockierenden Ergebnisse mit ruhiger Stimme und sagt dann: „Das war der friedliche Teil der Analyse, einen anderen, hässlicheren Teil der Folgen konnten wir nicht durchspielen: Was geschieht auf Finanzmärkten, die für Spekulation anfällig sind, wenn eine für die globalisierte Wirtschaft so wichtige Währung wie der Euro von einem Tag auf den anderen nicht mehr existiert?“

In der Dokumentation mit dem Titel „Und wenn Frankreich aus dem Euro ausscheiden würde?“ kommt auch der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank Ottmar Issing zu Wort. „Niemand weiß, wie eine Bevölkerung auf eine so radikale wirtschaftliche Veränderung reagiert,“ warnt Issing.

Er hält es für eine Illusion, dass ein großes Land wie Frankreich sich mit einer massiven Abwertung seiner Währung Vorteile verschaffen könnte: „Wenn Frankreich mit künstlich verbilligten Produkten etwa auf den deutschen Markt käme, würden die deutschen Unternehmen das nicht tatenlos hinnehmen.“ Dem Ex-Chefvolkswirt würden sie nach Mitteln und Wegen suchen, die neue Konkurrenz abzuwehren. „Frankeich hätte mittelfristig nichts gewonnen“, folgert er.

Geldpolitik mit dem Gummistempel
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20 Kommentare zu "Euro, Franc und Gummistempel: Frankreich spielte den Euro-Austritt durch"

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  • Sorry, aber das Forum wird immer abschreckender. Ist das gewollt?

  • Der Ausstieg kann nur von den starken Ländern ausgehen: https://ureissner.wordpress.com/eine-seite/ Der Unterschied zu den Schwachen: https://ureissner.wordpress.com/ausstieg-griechenlands-aus-dem-euro/

  • Der Ausstieg kann nur von den starken Ländern ausgehen.

  • Abwertungen werden nie den Wohlstand einer Industriegesellschaft erhöhen, weil die importierten Rohstoffe teurer werden. Die Wettbewerbsfähigkeit wird allenfalls kurzfristig erhöht. Diese Erfahrung haben wir doch in all den Jahren gemacht, in denen die DM gegenüber Franc und Lira stetig teurer wurde.
    Und jetzt versucht Draghi durch diese Politik des Abwertens der Währung Euro, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Seit Einführung der Währung Euro ist Deutschland beim Wohlstand in Europa vom ersten Platz auf den Platz 11 abgerutscht. Selbstverständlich stehen die Länder mit eigener Währung ganz oben. Siehe dazu Schweiz, Dänemark, Schweden. Und den Leuten wird wider besseres Wissen eingeredet: "Der Euro nutzt doch Deutschland am meisten". Fragt sich nur wer Deutschland eigentlich ist.

  • Sämtliche Irrtümer und Fehlschlüsse zum Geld haben eine einzige Ursache. Es ist offensichtlich nicht klar, was Geld ist. Geld ist nicht die Funktionen des Geldes auf Märkten der Wirtschaft. Papiergeld kann kein Tauschmittel sein., weil es keinen eigenen Wert besitzt. Als Papiergeld kann es nur und ausschließlich Zahlungsmittel sein. Als Zahlungsmittel ist es immer und in jedem Fall Kreditgeld. Damit die allgemeine Anerkennung dieses Papiergeldes gesichert wird muss es staatlich verbürgtes und garantiertes Geld sein. Das wurde bereits vor 300 Jahren entschieden. Nur als gesetzliches Zahlungsmittel, das nicht gefälscht werden darf und das Strafe androht, wenn jemand Geld fälscht oder/und gefälschtes Geld in Umlauf bringt. Das stand noch vor kurzem auf jedem Geldschein. Durch staatliche Garantie kann Papiergeld Wertaufbewahrungsfunktion ausüben, sonst niemals. Als Rechengeld braucht es gar kein Geld, weil es hier nur Maßeinheit ist. Was misst es dann überhaupt? Maß der Wertschätzung ist es jedenfalls nicht.
    Erst dann , wenn in diesen Grundsätzen Einigkeit besteht, lohnt es sich, über Währungen zu sprechen. Währungen müssen folglich alle Geldfunktionen garantieren. Dazu stehen sie mit anderen Währungen im Wettbewerb.
    Erst jetzt kommt Europa und der Euro ins Spiel. Der gemeinsame Markt hat zur gemeinsamen Währung geführt und mit der gemeinschaftlichen Wirtschaft und der gemeinschaftliche Währung die vereinzeten Volkswirtschaften abgelöst. Die Globalisierung erzwingt die Aufhebung der Volkswirtschaften in einem größerem Ganzen. Dieser Trend setzt sich bereits international fort. Hier finden sich auch die Gründe für die Währungskriege, die die Weltwirtschaft als Ganzes schädigen. Das sollte doch die letzte Weltfinanzkrise eindeutig bewiesen haben, oder? Wer das nicht einsieht braucht auch nicht diskutieren, weil nichts verstanden wurde.

  • Und wer hat den "Euroaustritt" durchgespielt und untersucht ?? Natürlich wieder private Beraterfirmen, Wirtschaftskanzleien und all die, die wie die Made im Speck im bestehenden System leben. Menschen, die am meisten vom Euro profitieren und den Euro auch in der Vergangenheit schön geredet haben. Die mit Aufträgen seitens der Politik Millionen gescheffelt haben. Fragen Sie doch mal eine Bank, ob die den Griechen Geld leihen würden, ohne Zusicherung der EU, im Notfall dafür einzustehen bzw. die faulen Kredite zu übernehmen. Immer, wenn das Eregebnis nichts so ist, wie man es sich wünscht, werden Horrorszenarien und Weltuntergangsängste geschürt. Und die Presse unterstützt diese Lügenmärchen !

  • Das "politische Projekt" Euro wird nur aufgelöst werden können, wenn man den Staatsbankrott der einzelnen Staaten in Kauf nimmt. Dazu wird es natürlich nicht kommen! Es wird den erzwungenen gemeinsamen Staatsbankrott geben. Und die Euromanen träumen fortwährend immer weiter vom europäischen Zentralstaat, den keiner will! Die Euromanen werden aber nicht locker lassen - der Zentralstaat wird erzwungen werden: totalitär, undemokratisch, mit Euro-Chips wie früher in der DDR die Alu-Chips...
    Und dazu noch das FIAT-Money-Problem - der Euro als Katalysator dieser Entwicklung mittels Moral Hazard...

    Solche Studien wie die zitierte sind Durchhalteparolen. Mehr nicht! Wer die ernst nimmt, hat kein ausgeprägtes Urteilsvermögen. Der Euro wird in einer Katastrophe enden! Schade, dass der Michel das als Letzter erkennen wird - und die Trommler natürlich hinterher sofort Absetzbewegungen machen werden und Dolchstoßlegenden kreieren. Im Westen nichts Neues!

  • Wie kommen Sie darauf? http://de.statista.com/statistik/daten/studie/38139/umfrage/nettozahler-und-nettoempfaengerlaender-in-der-eu/

  • Der Länder-Finanz-Ausgleich ist doch der Fehler in Deutschland ob in Mark oder
    Euro. In der EU ist es nicht anders. Also Euro und EU weg Problem weg.

  • Warum ist der Euro-Austritt für Frankreich schlecht?
    Weil Frankreich unter dem Strich ein ZahlungsEMPFÄNGER ist! Tritt Frankreich aus dem Euro aus, versiegen auch die Milliarden aus dem Euro-Topf!

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