Euro-Gruppenchef Juncker: Neuer EU-Kommissar soll griechische Wirtschaft beleben

Euro-Gruppenchef Juncker
Neuer EU-Kommissar soll griechische Wirtschaft beleben

Auch Jean-Claude Juncker hat den Glauben in die Selbstheilungskräfte der griechischen Politik verloren. Allerdings vermeidet der Euro-Gruppenchef den Begriff „Sparkommissar“. Er wünscht sich für Athen einen „Aufbaukommissar“.
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LuxemburgUnmittelbar vor dem EU-Gipfel am Donnerstag hat Jean-Claude Juncker, der Chef der Euro-Gruppe, einen eigenen EU-Kommissar mit Zuständigkeit für Griechenland gefordert. „Ich wäre sehr dafür, dass ein EU-Kommissar mit dem Aufbau der griechischen Wirtschaftsstruktur beauftragt wird“, sagte Juncker der Tageszeitung „Die Welt“. Das sei nötig, weil die Wirtschaftsstruktur des Landes „der unseren in keiner Weise vergleichbar“ sei, sagte der Premierminister von Luxemburg weiter. Die griechische Regierung habe es „bisher nicht vermocht“, die wirtschaftliche Infrastruktur des Landes an europäische Standards anzupassen.

„Deshalb müssen wir bei der Umsetzung selbst mit anpacken“, sagte Juncker der Zeitung. Juncker will seinen Vorschlag nicht als Neuauflage des im Januar von der Bundesregierung ins Spiel gebrachten „Sparkommissars“ verstanden wissen, eine Idee, die Deutschland viel Schelte eingetragen hatte.

„Kein Sparkommissar, wie ehedem vorgeschlagen, sondern ein Aufbaukommissar, der alle Kompetenzen der EU-Kommission Griechenland betreffend bündelt“, sagte er. „Irgendjemand muss eben Hilfestellung bieten, die griechische Wirtschaftspolitik denken und vorausdenken. Es wird nicht reichen, dass wir uns einmal im Monat als Euro-Finanzminister damit beschäftigen“, sagte der Chef der Euro-Gruppe.

Deutschland hatte im Januar vorgeschlagen, einen sogenannten Sparkommissar mit der Haushaltsüberwachung für Griechenland zu beauftragen. Der Vorschlag war aber nicht nur von Athen abgelehnt worden, sondern hatte Deutschland insgesamt überwiegend Kritik eingetragen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Euro-Gruppenchef Juncker: Neuer EU-Kommissar soll griechische Wirtschaft beleben"

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  • @lensoes

    >> Luxembourg

    Da ich nur kanppe 20km vom Land entfernt wohne und dort eines meiner Programme bei Mittelständlern läuft, kenne ich and und Leute ganz gut: Die sind so wenig Geldwäscher wie "der" einfache Griehe ein Faulpelz ist - es sind überall die selben Raffkes, denen das eigene Land ziemlich egal ist. Diesen Leuten gelingt es gerade, alte Ressentiments zu schüren.

    Aussrdem: sehr günstiger Sprit, sehr günstige Kippen, prima Artikelauswahl bei Copal, tolle Konzerte im "den Atelier". Ich liebe Luxembourg!

    >> "Von Fehlern, Fehleinschaetzungen Bruessels, der
    >> Bankenwelt, spricht seitens der Verwantwortlichen
    >> keiner"

    Ich denke, das ist im wesentlichen eine Frage, wem man wo zuhört. Ich höre gerade eine Diskussion im DLF zum Thema und finde schon, daß die Problem angesprochen werden. Sollte in einer Stunde als POD beim DLF liegen.

    Wo Sie allerdings Recht haben: Die Politik der Bundeskanzlerin zb. ist eher vom Versuch geprägt, ihre eigenen Fehler zu vertuschen. Dadurch entsteht tatsächlich der Eindruck, es würde nicht gesagt, was Sache ist.

    Um das grundsätzlich zu machen - der Kern ist _Vertrauen_. Wir (als EU) vertrauen zunächst einmal unseren Partnern. Das nennt sich Vertrauensvorschuss und ich halte das für angebracht.

    Wenn dieses Vertrauen mißbraucht wird, ist das kein Grund, in Zukunft nicht trotzdem zu _vertrauen_.

    Die Gegenposition wäre systematisches Mißtrauen, Was am Ende in den nächsten europäischen Bürgerkrieg führen wird.

    Vielleicht hören Sie einmal diesen Vortrag von Prof Jens Becker zum Thema. Er spult die Krise noch mal vom Ausgangspunkt bis zum Ende durch, wobei er erst ganz gegen Ende seine Kritik am Prozess übt. So würde ich das im wesentlichen auch sehen:

    http://mp3-download.swr.de/swr2/aula/swr2aula_20120129_vertrauenskrise.6444m.mp3

    Dauert eine halbe Stunde, ist sher grundsätzlich, aber eben auch erhellend ..

    Grüße

  • Gemessen am Problem, ist das Chefsache Herr Juncker und duldet keinen Aufschub!

    Sie, Herr Juncker, sind als Luxemburger nicht so belastet wie ein Deutscher. Sie schaffen das.


  • @Hardy

    Ich stimme zwar mit ihrer Beurteilung zur Person Juncker nicht ueberein, halte Luxembourgo für u.a eine Drehscheibe der Geldwäsche, ihe Gesamtbeurteilung gefällt mir allerdings sehr. Schon um Jakubiner aufzuruetteln.

    Berücksichtigen Sie allerdings den berechtigten Unmut über diese Misere. Von Fehlern, Fehleinschaetzungen Bruessels, der Bankenwelt, spricht seitens der Verwantwortlichen keiner. Keinerlei Selbstkritik. Insofern muss vieles raus. Verständnis, lieber Hardy.

    Immer noch besser als die schweigende blaehende Masse.

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