Euro-Konjunktur
Staaten im Osten sehen zunehmend rot

Die Krise ist Osteuropa erfasst jetzt auch die vermeintlich starken und ökonomisch stabilen Länder. In Staaten wie der Tschechischen Republik, der Slowakei oder Slowenien kühlt sich die Konjunktur merklich ab. Nur mit Glück werden diese Länder in diesem Jahr eine Rezession noch vermeiden können.

WIEN. Die Krise ist Osteuropa erfasst jetzt auch die vermeintlich starken und ökonomisch stabilen Länder. In Staaten wie der Tschechischen Republik, der Slowakei oder Slowenien kühlt sich die Konjunktur merklich ab. Nur mit Glück werden diese Länder in diesem Jahr eine Rezession noch vermeiden können. Sie leiden jetzt an ihrer starken Exportorientierung vor allem nach Westeuropa.

Weil die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland oder Frankreich stockt, bekommt etwa Tschechien wachsende Probleme. Der kleine Nachbar der Deutschen erwirtschaftet etwa ein Drittel seines Bruttosozialproduktes (BIP) mit Produkten aus der industriellen Fertigung - Vorprodukte vor allem für die Autobranche oder den Maschinenbau in Westeuropa, die jetzt deutlich weniger gefragt sind. Die tschechische Nationalbank in Prag hat erstmals öffentlich davon gesprochen, dass das Land in die Rezession rutschen wird. Nach der jüngsten Prognose der Nationalbank schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 0,3 Prozent. Zuvor waren die Prager Währungshüter noch von einem Plus von 2,9 Prozent ausgegangen. "Die Euro-Zone entwickelt sich immer schlechter", sagt Juraj Kotian, Osteuropa-Experte von der Ersten Bank in Wien, zu den neuesten Vorhersagen. Die osteuropäischen Staaten hätten jetzt die Konsequenzen dafür zu tragen, dass die konjunkturelle Abwärtsbewegung in Westeuropa anhält.

Die Rezessions-Szenarien erreichen Länder, bei denen vor dem Jahreswechsel noch vergleichsweise hohe positive Wachstumsraten erwartet worden waren. Das slowenische Wirtschaftsforschungsinstitut für makroökonomische Analyse und Entwicklung aus der Hauptstadt Ljubljana hält nun eine Rezession für nicht mehr ausgeschlossen. "Die wirtschaftlichen Aktivitäten in unserem Land lassen nach", sagte Institutsdirektor Bostjan Vasle. Im Herbst hatte die europäische Entwicklungsbank EBRD noch ein Wachstum von drei Prozent vorhergesagt.

Die Slowakei leidet unter ihrer starken Abhängigkeit von der Autoindustrie. Gut ein Viertel des gesamten BIP kommt allein aus dieser Branche. Die Industrie des Landes hat Ende 2008 den stärksten Umsatzeinbruch seit der Staatsgründung 1993 hinnehmen müssen. Laut staatlichem Statistikamt ist der Umsatz in der Industrie im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um 17,5 Prozent geschrumpft. Besonders betroffen waren die Autobauer. Peugeot reagiert darauf mit ersten Entlassungen in seinem slowakischen Werk. Volkswagen zahlt seinen Beschäftigten im Werk von Bratislava bis zu sieben Monatsgehälter, damit sie das Unternehmen freiwillig verlassen. Das Unternehmen hofft, so auf Entlassungen verzichten zu können.

Besonders dramatisch ist die Lage auch in Rumänien. 2008 war die Volkswirtschaft dort nach ersten vorläufigen Schätzungen noch mit ungefähr acht Prozent gewachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wagte jüngst die düstere Prognose, dass das südosteuropäische Land mit gut 20 Millionen Einwohnern in diesem Jahr durchaus in eine Rezession hineinrutschen könnte. Nationalbank und Regierung hatten bislang die Devise ausgegeben, dass die Wirtschaft 2009 auf jeden Fall wachsen werde.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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