Euro-Krise
Axel Weber warnt vor den „Technokraten in der EZB“

Der designierte UBS-Verwaltungsratschef und Ex-Bundesbanker geht mit seinen alten Kollegen ins Gericht: Weber fordert die Notenbanker auf, sich auf die Kernaufgaben zu konzentrieren - und der Politik Raum zu lassen.
  • 9

DüsseldorfAxel Weber kritisiert, dass seine früheren Kollegen in Europas Zentralbanken in der Euro-Krise voreilig finanzpolitische Aufgaben übernehmen, für die sie keine Legitimation - und keinen Auftrag - hätten.

„Wir sprechen hier über hoch politische Fragen, die man nicht einem Gremium von - in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen - Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und sein sollen“, formuliert der frühere Bundesbankpräsident in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" vorsichtig. Und weiter: „Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren.“

Auf die Frage, ob das Krisenmanagemet der Politik nicht zu langsam sei und die Notenbanken zum Handeln zwinge, wird er deutlicher: „Ich halte die Sichtweise, dass Regierungen und Parlamente ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, für eine unbewiesene Hypothese." Im Klartext: Es sind mitunter die Notenbanker, die das Handeln der Politiker unterlaufen. Weber wörtlich: "Wenn sich immer gleich die Zentralbank bewegt, wird sich die Politik nicht bewegen.“ Als Beispiel nennt er die Entscheidung über das Bankenrettungsprogramm im Jahr 2008: „Die Parlamentarier hatten erkannt, was auf dem Spiel stand, und handelten deshalb."

Weber war am 30. April 2011 als Bundesbankchef zurückgetreten. Bis dahin hatte er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gegolten, mit dem er sich in der Frage der Staatsanleihenankäufe der EZB überworfen hatte. Gegenwärtig ist Weber Gastprofessor in Chicago und soll spätestens 2013 Verwaltungsratsvorsitzender der Schweizer Großbank UBS wechseln. Derzeit verhandelt er offenbar mit der Bundesbank, ob er unter Umständen schon früher in den Privatsektor eingreifen kann.

Weber war am vergangenen Wochenende bei der Herbsttagung des IWF in Washington aufgetreten, hatte inhaltliche Aussagen zur Eurokrise aber vermieden.

Seite 1:

Axel Weber warnt vor den „Technokraten in der EZB“

Seite 2:

Weber verteidigt Hilfen für Griechenland

Kommentare zu " Euro-Krise: Axel Weber warnt vor den „Technokraten in der EZB“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Alle Sprechblasen unserer Vernebelungs-Politiker vergessen
    oder negieren das Grundübel, nämlich die parasitäre und schmarotzerhafte Verschuldungsorgie aller EU-Staaten,beson-
    ders der südeuropäischen. Halbfrankreich kann man auch noch dazuzählen. Auch wir, die sog Musterknaben, sind mittlerweile bei 2 Billionen angekommen.Nehmen wir noch die anstehenden Pensionen und die Zahlungsverpflichtungen
    für die Sozialkassen dazu, dann landen wir bei c.a. 5Bill.
    Euro.
    Was soll der Schwachsinn mit dem Rettungsschirm? Die ak-
    tuelle Verschuldung steigt, der Rettungsschirm ist immer zu klein! Wo sind die Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden? Wo
    sind vor allem die Taten? Diese unverantwortliche Staats-
    verschuldung, verursacht von linken- und auch von konser-
    vativen Traumtänzer-Regierungen, MUSS reduziert werden und
    zwar in einem überschaubaren Zeitraum, alles andere führt in eine wrtschaftliches und damit auch politisches Chaos.
    Nicht die Ratingagenturen und die Benenner des Übels
    "Staatsverschuldung" sind die Bösewichte, wie die Talk-
    shows als neuer "Stammtisch" suggerieren, sondern die Po-
    litiker, die anbiedernd wegen der Wiederwahl immer wieder
    und wieder Leistungen versprechen und dann augenzwinkernd
    mit ihren Wählern in die schon seit Jahren leere Staats-
    kasse greifen! Alle Phrasen über Finanzkrise, gierigen
    Kapitalismus, entfesselte Märkte sind Nebelkerzen der ver-
    antwortlichen Politiker der Gewerkschaften usw. und aller
    heimlich grinsender Volksgenossen, die schon lange wissen,
    wie man leistungslos an das Geld andere Leute herankommt,
    ohne stehlen zu müssen.
    DIESE GEFÄLLIGKEITS-Demokratie als verdeckte Plünderung
    der Staatskasse durch Politiker und Wähler hat keine Zu-
    kunft. Was kommt dann?
    Diese Frage offensiv zu diskutieren ist mindestens genauso
    wichtig, wie die Einführung von Rettungsschirmen für Län-
    der, die nicht mehr softig zu retten sind?

  • Von der Seitenlinie bellen anstatt in der Verantwortung zu bleiben, das ist einfach!

    Sehr schwach Herr W.

  • " Warum einfach ein halbes Jahr den... wie sagt man... ARSCH ZUGEKNIFFEN und dann den Job von dem "alten Franzosen" übernommen".
    Weil verschiedene Länder gegen Ihn persönlich Veto eingelegt hatten, und die Zeit hat nicht gereicht um deutschen Ersatz zu fabrizieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%