Euro-Krise Axel Weber warnt vor Technokraten in der EZB

Der designierte UBS-Verwaltungsratschef und Ex-Bundesbanker geht mit seinen alten Kollegen ins Gericht: Weber fordert die Notenbanker auf, sich auf die Kernaufgaben zu konzentrieren - und der Politik Raum zu lassen.
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Axel Weber, Wirtschaftsprofessor in Chicago. Quelle: dpa

Axel Weber, Wirtschaftsprofessor in Chicago.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAxel Weber kritisiert, dass seine früheren Kollegen in Europas Zentralbanken in der Euro-Krise voreilig finanzpolitische Aufgaben übernehmen, für die sie keine Legitimation - und keinen Auftrag - hätten.

„Wir sprechen hier über hoch politische Fragen, die man nicht einem Gremium von - in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen - Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und sein sollen“, formuliert der frühere Bundesbankpräsident in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" vorsichtig. Und weiter: „Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren.“

Auf die Frage, ob das Krisenmanagemet der Politik nicht zu langsam sei und die Notenbanken zum Handeln zwinge, wird er deutlicher: „Ich halte die Sichtweise, dass Regierungen und Parlamente ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, für eine unbewiesene Hypothese." Im Klartext: Es sind mitunter die Notenbanker, die das Handeln der Politiker unterlaufen. Weber wörtlich: "Wenn sich immer gleich die Zentralbank bewegt, wird sich die Politik nicht bewegen.“ Als Beispiel nennt er die Entscheidung über das Bankenrettungsprogramm im Jahr 2008: „Die Parlamentarier hatten erkannt, was auf dem Spiel stand, und handelten deshalb."

Weber war am 30. April 2011 als Bundesbankchef zurückgetreten. Bis dahin hatte er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gegolten, mit dem er sich in der Frage der Staatsanleihenankäufe der EZB überworfen hatte. Gegenwärtig ist Weber Gastprofessor in Chicago und soll spätestens 2013 Verwaltungsratsvorsitzender der Schweizer Großbank UBS wechseln. Derzeit verhandelt er offenbar mit der Bundesbank, ob er unter Umständen schon früher in den Privatsektor eingreifen kann.

Weber war am vergangenen Wochenende bei der Herbsttagung des IWF in Washington aufgetreten, hatte inhaltliche Aussagen zur Eurokrise aber vermieden.

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9 Kommentare zu "Euro-Krise: Axel Weber warnt vor den „Technokraten in der EZB“"

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  • Alle Sprechblasen unserer Vernebelungs-Politiker vergessen
    oder negieren das Grundübel, nämlich die parasitäre und schmarotzerhafte Verschuldungsorgie aller EU-Staaten,beson-
    ders der südeuropäischen. Halbfrankreich kann man auch noch dazuzählen. Auch wir, die sog Musterknaben, sind mittlerweile bei 2 Billionen angekommen.Nehmen wir noch die anstehenden Pensionen und die Zahlungsverpflichtungen
    für die Sozialkassen dazu, dann landen wir bei c.a. 5Bill.
    Euro.
    Was soll der Schwachsinn mit dem Rettungsschirm? Die ak-
    tuelle Verschuldung steigt, der Rettungsschirm ist immer zu klein! Wo sind die Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden? Wo
    sind vor allem die Taten? Diese unverantwortliche Staats-
    verschuldung, verursacht von linken- und auch von konser-
    vativen Traumtänzer-Regierungen, MUSS reduziert werden und
    zwar in einem überschaubaren Zeitraum, alles andere führt in eine wrtschaftliches und damit auch politisches Chaos.
    Nicht die Ratingagenturen und die Benenner des Übels
    "Staatsverschuldung" sind die Bösewichte, wie die Talk-
    shows als neuer "Stammtisch" suggerieren, sondern die Po-
    litiker, die anbiedernd wegen der Wiederwahl immer wieder
    und wieder Leistungen versprechen und dann augenzwinkernd
    mit ihren Wählern in die schon seit Jahren leere Staats-
    kasse greifen! Alle Phrasen über Finanzkrise, gierigen
    Kapitalismus, entfesselte Märkte sind Nebelkerzen der ver-
    antwortlichen Politiker der Gewerkschaften usw. und aller
    heimlich grinsender Volksgenossen, die schon lange wissen,
    wie man leistungslos an das Geld andere Leute herankommt,
    ohne stehlen zu müssen.
    DIESE GEFÄLLIGKEITS-Demokratie als verdeckte Plünderung
    der Staatskasse durch Politiker und Wähler hat keine Zu-
    kunft. Was kommt dann?
    Diese Frage offensiv zu diskutieren ist mindestens genauso
    wichtig, wie die Einführung von Rettungsschirmen für Län-
    der, die nicht mehr softig zu retten sind?

  • Von der Seitenlinie bellen anstatt in der Verantwortung zu bleiben, das ist einfach!

    Sehr schwach Herr W.

  • " Warum einfach ein halbes Jahr den... wie sagt man... ARSCH ZUGEKNIFFEN und dann den Job von dem "alten Franzosen" übernommen".
    Weil verschiedene Länder gegen Ihn persönlich Veto eingelegt hatten, und die Zeit hat nicht gereicht um deutschen Ersatz zu fabrizieren.

  • Die deutsche Europa-Politik ist für die Steuerzahler in Deutschland mittlerweile zu einem hohen Risiko geworden.

    Sollten einige Pleitestaaten bei der Bewältigung der Eurokrise versagen, muss nun der deutsche Steuerzahler mit viel Geld auch dafür haften!


    Schon mit den bisherig beschlossenen "PIGS-Rettungspaketen" hat der Deutsche Bundestag am 21. Mai 2010 zwei Drittel des Steueraufkommens des Bundes für die Staatsschulden anderer Länder verpfändet!!!!!!!

    Das Experiment Euro verläuft nach Drehbuch:
    Erst geht die Peripherie pleite, dann Deutschland.


    Keine Geldgeschenke mehr an Griechenland, Irland, Portugal und Spanien!!!


    Wie lange werden die Menschen in Deutschland dem noch tatenlos zusehen?

  • Ist doch normal.

    Wenn du was sagst, was jemandem anderen nicht gefällt, bist du sofort der Nationalist oder gleich ein Nazi.

    Das ist total alternativlos.

  • Ein Austritt Griechenlands aus dem EURO würde doch nicht "über Nacht" kommen, so nach der Art ..."... Athen: Die Regierung gibt bekannt, dass seit heute 0:00 Uhr die Drachme wieder als einziges gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde...". Nein! Das würde z. B. durch eine Abstimmung im Parlament laufen, mit einem Stichtag (meinetwegen 01.01.2012) usw. Was machen dann die "kleinen Leute"? Jo, sie stürmen die Banken und bringen das Geld ins Ausland, z. B. nach Bulgarien oder aber auch in ein anderes EURO-Land. Drachme wertet ab... Privatvermögen ist aber in EURO... wertet also auf... ätsch! Problem wäre der TOTALE ZUSAMMENBRUCH DES GRIECHISCHEN BANKENSYSTEMS - aber eben nicht eine Enteignung der privaten Haushalte.

    Im Übrigen ist Axel Weber einer der wenigen Besonnenen in der "Euro-Rettungs-Stabilitäts-Bunga-Bunga-Krise"... Nur..., wenn er so tolle Ideen hat, warum hat er nicht einfach ein halbes Jahr den... wie sagt man... ARSCH ZUGEKNIFFEN und dann den Job von dem "alten Franzosen" übernommen...? Er war doch DER Kandidat (und er hätte den Job totsicher gekriegt)... Dann hätte er die EZB nach seinen Vorstellungen umbauen können... z. B. alle Griechenland-Anleihen wieder losschlagen können etc. Aber... er will lieber in Chicago den Otzen markieren... so tun als hätte er mit der Sache nix zu schaffen... Da ist auch traurig. Da hats ein paar kompetente Leute... und die gehen lieber angeln...

  • Webers Ansichten sind vernünftig und nachhaltig. Mit Nationalismus hat das nichts zu tun, sondern mit Realismus.

  • Es ist erfreulich, dass Herr Weber einen Euro-Austritt Griechenlands nicht für unbedingt notwendig hält. Es verbreitet sich derzeit eine Ungelduldigkeit, die an 1914 erinnert. Im Herbst 1914 waren die Mächte Europas ungeduldig geworden. Man hatte sich schon so lange mit Worten beflegelt, dass die Hemmschwelle, den Worten auch militärische Taten folgen zu lassen, sank. Ein paar Schüsse würden die Luft schon wieder säubern und spätestens zu Weihnachten würde man wieder zurück sein. Weihnachten war es, aber erst 4 Jahre später. Dazwischen lag Zerstörung.

    Die Hemmschwelle, sich in punkto Griechenland auf gefährliche Taten einzulassen, scheint mit jedem Tag zu sinken. Man möge ich nicht mit der Bombe spielen; sie könnte explodieren.

    Ein Euro-Austritt hätte u. a. zur Folge, dass die inländischen Finanzvermögen der Griechen über Nacht um 30-40% weniger wert wären. Griechenland ähnelt nach den bisherigen Sparmassnahmen schon einem Tanz auf dem Vulkan. Wenn das jetzt mit einem dramatischen Vermögensverlust ergänzt wird, glaubt dann wirklich noch jemand, dass der soziale Friede und möglicherweise auch die Demokratie unbeschadet erhalten bleiben?

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

  • Bedingt durch ihre deutsch-nationale Einstellung sind solche Leute zur Eurozone was ein Kolbenfresser zum Motor ist.

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