Euro-Krise
Berlin kämpft gegen Brüsseler Euro-Bond-Pläne

Die Schuldenkrise spitzt sich weiter zu, Euro-Bonds könnten bald die letzte Rettung sein. Die EU will sie, aber Deutschland wehrt sich weiter vehement - die Folgen der Gemeinschaftsanleihen könnten verheerend sein.
  • 66

BerlinIm Streit um die Zukunft des Euro haben sich die Fronten zwischen Berlin und Brüssel verhärtet. Kurz vor den anstehenden Vorschlägen der EU-Kommission zu gemeinschaftlichen europäischen Anleihen wiederholte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag ihr kategorisches Nein zum Einstieg in eine Haftungsgemeinschaft. „Die Diskussion über Eurobonds mitten in der Krise halte ich für nicht sehr passend“, kritisierte die Kanzlerin auf dem Arbeitgebertag in Berlin. EU-Währungskommissar Olli Rehn hielt dagegen: „Die Aussicht auf die Einführung von Eurobonds könnte die derzeitige Schuldenkrise abmildern.“ Bundesbankchef Jens Weidmann will die anstehenden Vorschläge der EU-Kommission zumindest kritisch prüfen. „Wir haben klare Vorstellungen - daran werden die Vorschläge gemessen“, sagte Weidmann.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso will am Mittwoch drei Optionen vorstellen, wie die von ihm „Stabilitätsbonds“ genannten Gemeinschaftsanleihen verwirklicht werden könnten. Durchgespielt werden die vollständige oder teilweise Schuldenfinanzierung über Gemeinschaftsanleihen mit voller oder teilweiser Haftung aller Euro-Länder. Eine Empfehlung über die Varianten gibt die EU-Kommission nicht ab.   

Die Bundesregierung lehnt Euro-Bonds zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab, da sie eine Vergemeinschaftung der Zinsrisiken am Anleihenmarkt in der Euro-Zone verhindern will. Die Befürchtung: Solide wirtschaftende Staaten wie Deutschland müssten dann draufzahlen weil ihre Refinanzierungskosten steigen, Schuldenländer wie Italien, Spanien oder Griechenland hingegen würden entlastet und hätten noch weniger Anreiz zum Sparen als bisher. „Eurobonds oder ähnliche Werkzeuge könnten die Mittel liefern, um die Krise zu überwinden“, sagte der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos nach Gesprächen in Luxemburg mit dem Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Auch Juncker, der zugleich Regierungschef von Luxemburg ist, zählt zu den Befürwortern solcher Eurobonds.   

Weidmann pocht hingegen auf die Stabilitätsorientierung der Währungsunion. „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Gedanke einer vertieften Union als Vorwand dient, wichtige Grundlagen unserer Zusammenarbeit auszuhöhlen. Dies wäre aber der Fall, wenn zunächst einmal die Gemeinschaftshaftung eingeführt würde, Durchgriffsrechte aber ein Zukunftsprojekt blieben.“ Europa müsse also zunächst die Integration vertiefen.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hatte die Brüsseler Vorschläge bereits am Montag abgelehnt. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach sich dagegen für Euro-Bonds aus.    

Seite 1:

Berlin kämpft gegen Brüsseler Euro-Bond-Pläne

Seite 2:

Keine gemeinsamen Schulden ohne EU-Kontrolle der Haushalte

Kommentare zu " Euro-Krise: Berlin kämpft gegen Brüsseler Euro-Bond-Pläne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht unsere Bundeskanzlerin, sondern Manuel Barroso spielt mit dem Feuer.
    Der EU-Debattier-Club will nur mit Sanktionen drohen bei schlampiger Haushaltsführung eines seiner Mitglieder. Der Markt sanktioniert durch höhere Zinsforderungen sofort.
    Und, Barroso beklagt, dass diese höheren Zinsen die Haushaltssünder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung beeinträchtigen. Er zeigt damit, dass die EU niemals Gelder, Sanktionen, von Haushaltssündern eintreiben würde - denn auch diese Geld-Zahlungen würden deren wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
    Ein sehr schmutziges Spiel.

    Ein noch immer an Europa Glaubender


  • Barroso ist für einen Stabilitätsfonds = EURO-Bonds, weil er Portugiese ist. Für Portugal ist dies genau so dringend wie für GR. Die Schulden auf andere abladen ist der Weg der Warmwasserländer. Die einen produzieren, das ist D, die anderen konsumieren, denen muss "geholfen" werden, natürlich von D, das mit seinen Exporten angeblich von den Warmwasserländern lebt, was allenfalls zu 40% stimmt. Sie werden die Importe aus D aus dem Stabilitäts-Fonds mit niedrigen Zinsen bezahlen. Wenn dieser Fonds leer ist, muss ihn D wieder auffüllen, natürlich aus den Steuergeldern seiner Bürger. So einfach ist die Rechnung! Unsere Enkel werden nur noch malochen für die "Solidarität" mit unseren südlichen Freunden. Wäre ich noch mal 30 J. alt, würde ich auswandern, es sei denn, man könnte wirklich glauben, dass Merkel bei ihrer Absage an die EURO-Bonds bleibt. Aber wer glaubt das und wer weiß, was nach der nächsten Bundestagswahl kommt? SPD und Grüne wollen sogar noch mehr EURO-Bonds aus "Solidarität".....

  • Deutschland haftet auch ohne Eurobonds, und zwar über den Euro selbst. Wenn Länder (mittelgroße) anfangen aus dem Euro auszusteigen weil sie es nicht mehr schaffen die Schulden wegen der hohen Zinsen zu begleichen, kommt auch auf Deutschland eine Finanz- und Wirtschaftskrise die sich gewaschen hat!
    Verwunderlich ist dass es in Deutschland so viele Menschen gibt die noch an den Weihnachtsmann glauben und die denken dass „man den Kuchen essen und auch behalten kann“ wie die Briten sagen würden.
    Vouloir le beurre et l'argent du beurre.
    Kein anderes Land hat soviel von der EU und vom Euro profitiert wie Deutschland, und nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch!
    Aber in keinem anderen Land ist die Gleichschaltung so leicht zu erreichen wie in Deutschland. Hoffnungslose Disziplin eben, bis zum letzten Mann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%